Anhörung nach Suizid von 11-Jähriger: War es doch kein Mobbing?

Berlin - Einen knappen Monat nach dem Selbstmord einer Berliner Grundschülerin (TAG24 berichtete), fand eine Anhörung zum Fall im Abgeordnetenhaus statt. Auch die Schulleiterin sagte dort aus.

Eine Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus soll Klarheit zum Tod des jungen Mädchens bringen. (Symbolbild)
Eine Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus soll Klarheit zum Tod des jungen Mädchens bringen. (Symbolbild)  © Rainer Jensen/dpa

"Die Schülerin, die verstorben ist, war kein Mobbing-Opfer", das sagte die Rektorin der Hausotter-Grundschule in Reinickendorf.

Sie habe nach dem Tod des Kindes in einem Krankenhaus von Anfang an mit den Eltern in engem Kontakt gestanden. Zudem betonte sie, dass die Familie des verstorbenen Mädchens sich bis heute nicht zur Todesursache geäußert haben.

Eine offizielle Bestätigung der Todesursache sowie gesicherte Informationen zu möglichen Hintergründen gibt es bis heute allerdings nicht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ergab die Obduktion keine Hinweise auf Gewalteinwirkung durch Dritte. Am Donnerstag wurde das Kind schließlich beigesetzt.

Auch die Expertenanhörung im Abgeordnetenhaus ist eine Reaktion auf die Vorgänge. Mehrere Fachleute aus Wissenschaft und Beratungsstellen machten dabei klar: Mobbing kommt an Schulen oft vor und sei ein "tagtägliches Phänomen".

Nur einer von vielen Gründen: Die Hemmschewelle sei durch die sozialen Medien deutlich gesunken.

Der Suizid der Grundschülerin löste viel Wut und Unverständnis aus – Seitdem ist eine Debatte um das Thema "Mobbing an Schulen" ausgebrochen. (Symbolbild)
Der Suizid der Grundschülerin löste viel Wut und Unverständnis aus – Seitdem ist eine Debatte um das Thema "Mobbing an Schulen" ausgebrochen. (Symbolbild)

"Das Thema Gewalt an Berliner Schulen ist für uns ein sehr relevantes Thema", versicherte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (49, SPD). Mobbing sei eine schlimme Form von Gewalt, verbunden mit seelischen oder körperlichen Verletzungen. Dem müsse man konsequent entgegengetreten. Der Senat habe dazu in der Vergangenheit auch einiges angeschoben. Als Beispiele nannte sie Beratungsstellen und die Einstellung von 500 Schulsozialarbeitern.

Bereits am Mittwoch hatte Scheeres ein weiteres Maßnahmepaket angekündigt. Unter anderem will sie einen Schüler als eine Art Anti-Mobbing- Beauftragten benennen. Geplant seien zudem verpflichtende Fortbildungen für Schulleitungen, eine Überarbeitung des Meldeverfahrens für Gewalt- und Mobbingvorfälle und ein Ausbau der Anti-Mobbing-Kurse für Eltern und pädagogisches Personal.

Kritikern gehen diese Pläne nicht weit genug. Sie kritisieren unter anderem eine fehlende Meldestruktur für Mobbingfälle an Berliner Schulen.

Berlin: Messerstecherei in Kreuzberg: Vier Verletzte
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Normalerweise zieht die Redaktion es vor, nicht über Suizide zu berichten. Da der Vorfall aber eine große gesellschaftliche Relevanz hat, hat sich die Redaktion entschieden, das Thema hier zu thematisieren.

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein: bei der Telefonseelsorge findet Ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

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