Rebellion: Unschuldige junge Frau gerät mitten in heftigen Bürgerkrieg!

Berlin - Ziemlich sperrig! Der neuste Film von "Oscar"-Preisträger Laszlo Nemes ("Son of Saul") ist leider bei weitem nicht so gut wie sein vorangegangenes Werk.

Iris Leiter (Juli Jakab) hat ein klares Ziel vor Augen: Die sagenumwobene Vergangenheit ihrer Familie zu lüften.
Iris Leiter (Juli Jakab) hat ein klares Ziel vor Augen: Die sagenumwobene Vergangenheit ihrer Familie zu lüften.  © PR/ Laokoon Filmgroup/Playtime Production

Alles beginnt mit einem schönen Stadtgemälde. Denn 1913 lässt sich Iris Leiter (Juli Jakab) in Budapest mit einer Kutsche zu einem vornehmen Laden fahren.

Dort probiert sie Hüte aus, bis Mitarbeiterin Zelma (Evelin Dobos) sie anspricht.

Iris macht ihr klar, dass sie die Stelle als Hutmacherin haben möchte. Also führt Zelma sie zu ihrem Chef Oskar Brill (Vlad Ivanov), der Iris aber freundlich erklärt, dass er die Stelle schon lange vergeben hat.

Als sie ihm jedoch sagt, wer sie ist, gewährt er ihr im Haus Unterkunft. Denn der Laden gehörte den Leiters, also ihren Eltern!

Doch was hat es mit dem Brand auf sich, der das Haus vernichtet hat?

Hat Iris einen Bruder, der im Untergrund eine Rebellion plant? Wer ist sie wirklich und warum ist sie so besessen darauf, die gefährliche Wahrheit über die Vergangenheit ihrer Familie herauszufinden?

Sperrige Inszenierung

Oskar Brill (Vlad Ivanov) gewährt Iris Leiter (Juli Jakab) in dem vornehmen Haus Unterkunft.
Oskar Brill (Vlad Ivanov) gewährt Iris Leiter (Juli Jakab) in dem vornehmen Haus Unterkunft.  © PR/ Ad Vitam

Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Film mal mehr, mal weniger gut. Denn leider ist "Sunset" deutlich zu sperrig, rätselhaft und langatmig geworden, um die Zuschauer über die gesamten 142 Minuten bei der Stange zu halten.

Das liegt hauptsächlich an zwei Dingen: Den mitunter arg gekünstelten Dialogen und den stellenweise nicht nachvollziehbaren Handlungen und Motiven der Figuren. Daher ergibt sich am Ende kein schlüssiges Gesamtbild.

Das ist schade, weil der Film trotz dieser unübersehbaren Schwächen das gewisse Etwas hat. Das große Regie-Talent von Nemes blitzt in einigen Szenen deutlich erkennbar auf und ist auch in den technischen Kategorien zu erkennen.

So folgt die Kamera wie in seinem "Oscar"-prämierten KZ-Meisterwerk "Son of Saul" auf kreisende Art und Weise immer hautnah einem Protagonisten.

Das alleine reicht jedoch nicht aus, um zu überzeugen, was auch daran liegt, dass die Figuren zu abstrakt gezeichnet sind.

Unübersichtlich viele Figuren

Iris Leiter (Juli Jakab) begibt sich bei ihrer Suche nach der Familiengeschichte in Gefahr.
Iris Leiter (Juli Jakab) begibt sich bei ihrer Suche nach der Familiengeschichte in Gefahr.  © PR/ Ad Vitam

Dazu kommt, dass es einfach viel zu viele Protagonisten gibt, die man ausschließlich aus der Perspektive von Iris kennenlernt, weshalb der Film mitunter unübersichtlich ist, weil nur wenige Charaktere eine Einführung spendiert bekommen haben, die tatsächlich in Erinnerung bleibt.

Zusätzlich fehlt es gerade den Nebenfiguren an Tiefe und vor allem Einzigartigkeit, weshalb die Zuschauer emotional auf Distanz bleiben.

So lassen sich die sehr schönen Kostüme, die zeitversetzenden Locations, die aufwendig gestalteten Frisuren und das starke Make-up zwar gut angucken, vermögen es aufgrund der Schwächen aber nicht, das Publikum in den Film zu ziehen.

Trotz alldem ist "Sunset" keine große Enttäuschung, weil die schauspielerischen Leistungen klasse sind. Speziell Jakab und Ivanov zeigen hervorragende Performances und sorgen dafür, dass man sich auch Wochen später nicht darüber ärgert, den Film gesehen zu haben.

Insgesamt ist "Sunset" jedoch nur echten Cineasten und Fans von Laszlo Nemes zu empfehlen. Und auch das nur unter Vorbehalt. Denn die Geschichte ist zwar durchaus interessant, aber zu abstrakt umgesetzt, weshalb es zu keiner emotionalen Bindung mit den Figuren kommt. Da helfen auch die schönsten Kostüme und die einzigartigste Kameraführung nur wenig.

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