Warum Waldhof Mannheim die 3. Liga rocken könnte

Mannheim - Ein Drittliga-Neuling als Überraschungsmannschaft? Diese Rolle könnte der SV Waldhof Mannheim in der kommenden Saison übernehmen.

Das Carl-Benz-Stadion ist eine echte Festung. Hier siegte Mannheim dreizehn Mal, holte zwei Remis und verlor nur zwei Partien. 2019 gewann Waldhof hier alle Ligaspiele.
Das Carl-Benz-Stadion ist eine echte Festung. Hier siegte Mannheim dreizehn Mal, holte zwei Remis und verlor nur zwei Partien. 2019 gewann Waldhof hier alle Ligaspiele.  © DPA

Warum ausgerechnet der Aufsteiger aus der Regionalliga Südwest? Ganz einfach: Das Team von Trainer Bernhard Trares ist eingespielt, stark besetzt und verfügt mit dem Carl-Benz-Stadion und den lautstarken Fans über eine schwer einzunehmende Festung.

Außerdem dürfte Mannheim den Schwung und die Erleichterung über den Aufstieg im vierten Anlauf innerhalb von vier Jahren mit in die Spielzeit nehmen.

Denn Waldhof scheiterte in der Aufstiegsrelegation 2018 am KFC Uerdingen (0:2/0:1), 2017 im Elfmeterschießen am SV Meppen (3:4 nach zuvor zwei 0:0-Spielen) und 2016 an den Sportfreunden Lotte (0:2/0:0).

Der SVW schien verflucht zu sein. So reichten 73, 76 und 71 Punkte aufgrund der umstrittenen Aufstiegsregelung jeweils nicht zum Sprung in die 3 Liga.

Welche zentnerschwere Last von Waldhof nach der Meisterschaft 2019 und dem direkten Aufstieg abfiel, war an den ausgelassenen Jubelbildern zu erkennen.

SV Waldhof Mannheim verfügt über ein echtes Team mit herausragenden Einzelspielern

Trainer Bernhard Trares führte den SV Waldhof Mannheim zum ersehnten Aufstieg in die 3. Liga.
Trainer Bernhard Trares führte den SV Waldhof Mannheim zum ersehnten Aufstieg in die 3. Liga.  © DPA

Daran hat die Mannschaft einen erheblichen Anteil. In der Vorsaison rockten Trares' Mannen die Regionalliga Südwest mit technisch versiertem, ansehnlichem und deshalb erfrischendem Offensivfußball.

Kein anderer Klub kam ansatzweise an Mannheims Torgefahr heran: Insgesamt schoss die "Buwe" 88 Treffer und kassierte lediglich 32 Gegentore. Es stimmte also auch die Mischung aus mutigen Angriffen und defensiver Absicherung.

Und Waldhof hat seinen Kader weiter gezielt verstärkt. Zu Top-Scorer Valmir Sulejmani (32 Spiele, 18 Tore, zwölf Vorlagen) gesellt sich auch noch der erfahrene Koffi (33 Spiele, 19 Tore, fünf Vorlagen), der ablösefrei vom SV 07 Elversberg geholt wurde.

Diese beiden könnten in engen Spielen der Mannheimer Trumpf sein. Denn Sulejmani blühte unter Trares auf, nachdem er viele Jahre als großes Talent galt, das aber nicht das Optimum aus seinen Möglichkeiten herausholte und deshalb bei Hannover 96 und dem 1. FC Union Berlin nicht wie erhofft zum Zug kam.

Der Erst- und Zweitliga-erfahrene Mittelstürmer kam in der Vorbereitung mehrfach auf der linken Außenbahn hinter Koffi zum Einsatz und hat diese Rolle bislang gut ausgefüllt.

Waldhof Mannheims Offensive ist überragend besetzt

Gianluca Korte wird auch in der 3. Liga als dribbelstarker Wirbelwind schwer zu verteidigen sein.
Gianluca Korte wird auch in der 3. Liga als dribbelstarker Wirbelwind schwer zu verteidigen sein.  © DPA

Doch nicht nur die zwei Torjäger, auch Maurice Deville und Gianluca Korte können in der stark besetzten Angriffsreihe Spielentscheider sein.

Deville kam in der Vorsaison auf 32 Begegnungen, in denen er neun Mal selbst traf und zwölf Vorlagen gab. Flügelflitzer Korte stand 26 Mal auf dem Rasen, erzielte neun Tore und legte sechs weitere Treffer direkt auf.

Mit Arianit Ferati (vom Hamburger SV) und Mohamed Gouaida (SV Sandhausen) kamen noch zwei weitere höherklassig erprobte Offensivleute dazu.

Zwar haben im Gegenzug acht Spieler den Verein verlassen, doch wirklich ins Gewicht fallen nur die Abgänge von Rechtsverteidiger Marco Meyerhöfer (SpVgg Greuther Fürth), Linksaußen Jannik Sommer (FC 08 Homburg) und vor allem Timo Kern, den der FC Bayern München als Führungsspieler für seine zweite Mannschaft abwarb, die ebenfalls neu in der 3. Liga ist.

Kern hatte in der Vorsaison eine überragende Quote: In 28 Partien traf der zentrale Mittelfeldspieler stolze 17 Mal und legte dazu noch zehn weitere Tore auf. Trotz seines Verlustes scheint Waldhof noch stärker besetzt zu sein als in der vergangenen Spielzeit.

Waldhof Mannheim setzt auf eine eingespielte Defensive

Timo Kerns Abgang zum FC Bayern München II wiegt schwer.
Timo Kerns Abgang zum FC Bayern München II wiegt schwer.  © DPA

Denn in der Schaltzentrale im Mittelfeld wurden mit Dorian Diring (32 Spiele, fünf Tore, neun Vorlagen) und Marco Schuster (33 Spiele, drei Tore, vier Vorlagen) entscheidende Leute gehalten. Dazu kam mit Benedict dos Santos (VfB Stuttgart II) ein vielversprechendes Talent hinzu.

Meyerhöfers Abgang soll dagegen durch Jan Hendrik Marx (Kickers Offenbach) kompensiert werden. Auf der linken Seite duellieren sich Marcel Hofrath und Mete Celik, in der Innenverteidigung sind Kapitän Kevin Conrad und der Zweitliga-erfahrene Marcel Seegert gesetzt.

Im Tor hat mit Marco Scholz ein erfahrener Keeper die Nase vorn, der bei Dynamo Dresden auch schon in der 2. Bundesliga spielte. Auch in Abwehr und Tor verfügt Mannheim also über viel Qualität.

Doch trotz aller Klasse und Euphorie darf Mannheim die 3. Liga nicht unterschätzen. Denn das Leistungsniveau ist nochmal deutlich höher als in Liga vier.

Der FC Energie Cottbus, der wie Waldhof als überlegener Meister aufstieg, sollte ein warnendes Beispiel sein. Denn die Lausitzer stiegen - wenn auch sehr unglücklich und knapp - im Mai 2019 direkt wieder in die Regionalliga ab.

Deshalb sollte auch die Testspielniederlage gegen den Sechstligist VfB Gartenstadt (0:2) ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit sein. Hat der SVW seine Lehren daraus gezogen, steht einer weiteren starken Saison nichts mehr im Weg. Denn zuvor hatte Mannheim die fünf anderen Freundschaftsspiele allesamt gewonnen, auch den luxemburgischen Vizemeister und Europa-League-Qualifikations-Teilnehmer CS Fola Esch mit 4:0 klar in die Schranken verwiesen.

Valmir Sulejmani (l.) war der Top-Scorer der abgelaufenen Regionalliga-Südwest-Saison: In 32 Spielen traf er 18 Mal und legte zwölf Tore direkt auf.
Valmir Sulejmani (l.) war der Top-Scorer der abgelaufenen Regionalliga-Südwest-Saison: In 32 Spielen traf er 18 Mal und legte zwölf Tore direkt auf.  © DPA

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