Heftig: Israeli flüchtet in "Synonymes" und will schlimme Vergangenheit vergessen!

Dresden - Zwiespältig! Der Festival-Hit "Synonymes" von Regisseur Nadav Lapid ("The Kindergarten Teacher") gewann auf der diesjährigen 69. Berlinale mit dem Goldenen Bären den Hauptpreis.

Yoav (M., Tom Mercier) versucht, sich in Paris zurechtzufinden und gewinnt mit Emile (l., Quentin Dolmaire) und Caroline (Louise Chevillotte) schnell zwei Freunde.
Yoav (M., Tom Mercier) versucht, sich in Paris zurechtzufinden und gewinnt mit Emile (l., Quentin Dolmaire) und Caroline (Louise Chevillotte) schnell zwei Freunde.  © PR/Grandfilm

In der Tragikomödie dreht sich alles um den Israeli Yoav (Tom Mercier), der schwer bepackt in Paris ankommt und sich in einem Altbau zu einer ganz bestimmten Wohnung begibt, die leersteht.

Er findet den versteckten Schlüssel, packt aus und legt sich erstmal in die Wanne. Als er mit baden fertig ist, sind all seine Sachen weg! Wurden sie gestohlen?

Er rennt nackt bis vor die Tür, sucht im Haus nach Hilfe, doch niemand öffnet, als er klopft. Seine Habseligkeiten bleiben unauffindbar.

Wütend legt sich Yoav wieder in die Wanne und schläft ein. Glücklicherweise entdecken ihn seine Nachbarn Emile (Quentin Dolmaire) und Caroline (Louise Chevillotte), weil die Wohnungstür offen stand.

Sie hieven ihn mühsam in ihr Apartment, legen Yoav in ihr Bett und kleiden ihn ein, als er wieder zu sich kommt.

Auch deshalb werden die drei nach und nach Freunde. Denn Yoav ist in die französische Hauptstadt gekommen, um seine israelischen Wurzeln abzulegen und sich zu assimilieren. Deshalb lernt er mit Hilfe seiner neuen Kumpels zuerst die Sprache und versucht, sein Hebräisch zu verbannen. Dabei läuft jedoch vieles schief...

"Synonymes" ist ein überraschend sperriger Kinofilm geworden

Yoav (Tom Mercier) rastet immer wieder aus.
Yoav (Tom Mercier) rastet immer wieder aus.  © PR/Grandfilm

Diese Geschichte hat Lapid durchwachsen umgesetzt. Es gibt immer wieder interessante und starke Ansätze und Szenen, doch der Film erweist sich als äußerst sperrig.

Einen emotionalen Zugang zu den (gestörten) Figuren zu bekommen, ist nur bedingt möglich - selbst, wenn man sich bemüht.

Mit der Zeit verwandelt sich deshalb das anfängliche Interesse in Langeweile, die nur noch selten durchbrochen wird, weil die wichtigen Themen wie Leid, Schmerz und die Suche nach dem Sinn des (neuen) Lebens sehr abstrakt und eigenwillig behandelt werden.

Mitreißend ist "Synonymes" daher leider nur in einigen Einzelszenen. Davon abgesehen ist die Charakterdarstellung und -entwicklung schlichtweg nicht gut genug.

Es fehlt den Figuren an Glaubwürdigkeit, was auch mit dem verworrenen Schnitt und Drehbuch zusammenhängt.

Die nahezu pausenlos vorgetragenen, komplexen Dialoge verfehlen ihre intellektuelle Wirkung zwar nicht, doch oftmals fragt man sich in genau solchen Momenten: Was genau soll das jetzt? Das ständige Rezitieren führt eher dazu, dass man auf Durchzug schaltet. Hier wäre eine stimmigere Balance besser gewesen, denn so fesselt der ausgeprägte sprachliche Aspekt nur selten.

Auch sonst sind die Motive und Handlungen der Protagonisten nur in Ausnahmefällen nachzuvollziehen, weshalb man keine Bindung zu ihnen aufbauen kann.

"Synonymes" erinnert stark an "The Square"

Yoav (l., Tom Mercier) bandelt mit Caroline (Louise Chevillotte) an.
Yoav (l., Tom Mercier) bandelt mit Caroline (Louise Chevillotte) an.  © PR/Grandfilm

Als wäre all das noch nicht genug, gibt es auch noch mehrere Ausraster, die eine unangenehme Wirkung haben: Man schämt sich fremd und ist genervt - ähnlich wie im schwedischen Film "The Square", der von vielen Kritikern und Filmfestivals ebenfalls grandios aufgenommen wurde.

Ohnehin ähneln sich diese beiden Werke mitunter sehr. Sie haben viele wichtige, mehr oder weniger versteckte Botschaften und Themen, die sie behandeln, vergessen dabei aber mehrere entscheidende Kernaspekte eines Spielfilms: Zu unterhalten. Für Kurzweil zu sorgen. Die Zuschauer bei der Stange zu halten. Interessante Figuren vorzustellen und zu entwickeln. Einen Zugang zum Film zu ermöglichen.

So ist dieses spezielle Werk auch nur etwas für ein spezielles Publikum. Immerhin sorgen die exzellenten Kostüme, die detailreichen Locations und die Schauspieler für das ein oder andere Highlight, was für eine 123 Minuten lange Tragikomödie aber zu wenig ist, um nachhaltig für einen positiven Eindruck zu sorgen.

Im Gegenteil. Während und nach dem Film ist man ähnlich frustriert wie die Hauptfigur.

Deshalb ist "Synonymes" ein äußerst zwiespältiger Film geworden, der immer wieder erstklassige Einzelszenen hat, mit seiner lauten, sperrigen Machart aber auch vor den Kopf stößt. Warum ausgerechnet dieses Drama den "Goldenen Bären" der Berlinale verliehen bekam, ist angesichts der Konkurrenz ein Rätsel.

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