Tag der offenen "Autobahn-Tür" lockt Neugierige

Eine von sieben in Sachsen: AM-Chef Franz Lober (61) zeigt den Einsatzradius seiner Hellerauer Autobahnmeisterei.
Eine von sieben in Sachsen: AM-Chef Franz Lober (61) zeigt den Einsatzradius seiner Hellerauer Autobahnmeisterei.

Von Uwe Blümel

Sachsen - Sie sind die „Hausmeister“ der sächsischen Autobahnen. Gestern öffneten die sieben Autobahnmeistereien (AM) im Freistaat erstmals ihre Fuhrparks und Verkehrsschilder-Lager zum Tag der offenen Tür - mit großem Erfolg! 1 100 Neugierige stürmten die AMs.

Einer, der aus seinem Berufsalltag erzählte und die schwere Technik vorführte und erklärte, war Michael Progscha (50). Er ist seit 1991 Straßenwärter und Schlosser bei der AM Hellerau. Gemeinsam mit seinen 34 Kollegen betreut er insgesamt 140 Kilometer Piste, ein Autobahnkreuz, 13 Anschlussstellen, 7 Parkplätze mit WC und 99 Brücken. „Unsere Kolonnen mähen jährlich 540 Tonnen Gras, beseitigen 150 Tonnen Müll von den Raststellen.“

Eigentlich hat Progscha damit einen krisensicheren Job - doch auch einen lebensgefährlichen und nervenaufreibenden. Geschwindigkeitsbeschränkungen würden nur als Richtwert verstanden: „Bei erlaubten 80 km/h wird mit 120 vorbei gebrettert.“

Erst vergangene Woche wurden dadurch zwei Straßenwärter auf der Saubachtalbrücke verletzt.

360 PS stark, 18 Tonnen schwer, 230.000 Euro teuer: Straßenwärter Michael Progscha (50) erklärte den Besuchern Max (6) und Papa Torsten (37) seinen modernsten Schneepflug.
360 PS stark, 18 Tonnen schwer, 230.000 Euro teuer: Straßenwärter Michael Progscha (50) erklärte den Besuchern Max (6) und Papa Torsten (37) seinen modernsten Schneepflug.

Um seine Kollegen zu schützen, zwingt der Hellerauer AM-Chef Franz Lober (61) sture Raser inzwischen mit dem Einsatz von zwei sogenannten Schilderwagen mit den typischen Blinkpfeilen vor Baustellen zum Abbremsen. Gesetzlich vorgeschrieben ist nur einer. Doch sicher ist sicher.

Gegen Beleidigungen muss ein dickes Fell reichen. Manchmal wird Progscha während seiner Arbeit auf der Piste aus dem herunter gekurbelten Seitenfenster beschimpft oder sogar beworfen: „Da kommen Bier- und Farbbüchsen, aber auch mit Urin gefüllte Limoflaschen aus Lkws geflogen.“

Weil das Image des Berufs gelitten hat, plagen die Autobahnmeistereien Nachwuchsprobleme. „Wir suchen noch zwei Azubis“, bestätigt AM-Chef Lober. Der Anmeldeschluss für Bewerber wurde extra bis zum 10.März verlängert.

Nach dem großen Interesse am Samstag beschlossen: Im Herbst gibt’s den 2. Tag der offenen Tür.

Blinkendes Schutzschild gegen Raser: Wo dieser Schilderwagen auftaucht, ist Progscha nicht weit und im Arbeitseinsatz.
Blinkendes Schutzschild gegen Raser: Wo dieser Schilderwagen auftaucht, ist Progscha nicht weit und im Arbeitseinsatz.

Fotos: Ove Landgraf


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0