TAG24-Interview: So viel verdient ein Dudelsack-Spieler auf der Straße

Köln – Seinen Dudelsack hört man in Köln kilometerweit. Der 40-jährige Straßenmusiker John (Name von der Redaktion geändert) spielt bei Wind und Wetter.

John (40) spielt am Neumarkt schottische Folksongs auf seinem Dudelsack.
John (40) spielt am Neumarkt schottische Folksongs auf seinem Dudelsack.  © privat

Das greift zwar nicht nur die Gesundheit des 40-Jährigen an, aber es ist, wie er selbst sagt, sein Leben und er könne es nicht einfach aufgeben.

Im Interview erzählte er TAG24 wie viel man als Straßenmusiker überhaupt verdient und warum er seinen Job niemals aufgeben könnte.

TAG24: Der Dudelsack ist ja kein alltägliches Instrument. Wie kommt man auf die Idee, sowas zu spielen?

John: Mein Großvater kam aus Schottland und in fast jeden Ferien war ich dort. Das war wohl einer der Gründe warum ich mit Dudelsack angefangen hab, auch wenn es am Ende eher zufällig war. Ich habe mit einem ehemaligen Pipe-Major (1. Dudelsackspieler in schottischen Pipe & Drum Bands) zusammengearbeitet. Er hat mir ein paar Sachen gezeigt und etwas in mir geweckt.

TAG24: Ist es denn schwer Dudelsack zu lernen?

John: Für einige ist es leicht, für andere schwer. Für mich ist es schwer. Ich habe erst mit 25 Jahren angefangen, normalerweise sollte man schon mit 15 Dudelsack lernen. Aber es gibt eben auch Leute, die haben Talent. Die fangen mit 50 an und werden noch zu den besten Dudelsackspielern. Aber es ist hart, man muss es lieben.

TAG24: Du sagst, dass man es lieben muss; was bedeutet es für dich Dudelsack zu spielen?

John: Ich liebe es. Da gibt es etwas, das kann man nicht sehen, das ist im Sound. Wenn man das richtige Lied im richtigen Moment am richtigen Platz spielt, dann kann einen das völlig fertig aber auch total glücklich machen. Je nachdem, was man spielt. Wenn man auf der Straße steht und Leute hören zum ersten Mal dieses Instrument - die verstehen teilweise nicht was da mit ihnen passiert. Aber sie können etwas tief in sich spüren. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Das kann dir kein Geld der Welt geben.

Straßenmusik kann einen richtig fertig machen. Es kann aber auch 1000 Euro am Tag bedeuten.

Was in den Hut kommt, braucht John zum Leben.
Was in den Hut kommt, braucht John zum Leben.  © privat

TAG24: Wie viel verdient man denn als Straßen-Pfeifer?

John: Oh, das ist von Tag zu Tag anders. Das kann einen richtig fertig machen. Man muss lernen, wie man die Leute mitnimmt. Aber auch wo man spielt. An einem guten Tag kann ich um die 1000 Euro machen, dafür verdiene ich dann eine Woche lang vielleicht 10 Euro am Tag. Und in der Zeit will die Unterkunft und das Essen und alles bezahlt werden.

TAG24: Und wenn du mal kaum was verdienst?

John: Da muss man erst recht raus auf die Straße und für das nächste Essen spielen. Das macht einen fertig. Das ist anstrengend. Aber diese schlechte Energie in einem drin, das merken die Leute und dann verdienst du wieder nichts. Man muss immer positiv denken, sich auf die Musik konzentrieren und sie fühlen. Und dann kommt auch das Geld, weil die Leute das merken.

TAG24: Gibt es denn Orte, an denen du mehr verdienst als an anderen?

John: Mit diesem lauten Instrument muss man immer schauen, wo man spielt. Am besten sind große Plätze, damit man die Menschen in den Läden nicht nervt. Am besten ist es immer nach einem großen Konzert, vor allem wenn die Leute am nächsten Tag freihaben. Wenn das Konzert gut war, die Leute einen schönen Moment hatten, ist das natürlich auch für mich gut.

"Ich habe diese Momente gefühlt jede halbe Stunde"

Je mehr Dudelsäcke, desto gewaltiger der Sound. (Symbolbild)
Je mehr Dudelsäcke, desto gewaltiger der Sound. (Symbolbild)  © dpa/Jonathan Brady

TAG24: Was war für dich der schönste Moment als Straßenkünstler?

John: Ich habe diese Momente gefühlt jede halbe Stunde. Meine Musik berührt die Menschen. In dem Moment sind das alles meine Leute. Meine Musik weckt Gefühle aber auch Erinnerungen gerade bei älteren Menschen. Ich kann dieses Rührung sehen, die Tränen in den Augen oder das Lächeln. Da war mal eine 80-Jährige, die konnte kaum laufen, aber sie lief über den ganzen Neumarkt, um mir etwas Geld zu geben und sich bei mir für die Musik zu bedanken. In dem Moment weiß ich, dass das was ich mache, gut ist.

TAG24: Und die schlimmsten Momente?

John: Wenn es kalt ist. Das geht auf den ganzen Körper. Ich habe vor zwei Jahren nach einem Fußballspiel im Winter gespielt, bei minus 10 Grad. Ich stand da 1,5 Stunden und hab gefroren aber weitergespielt. Am nächsten Tag konnte ich meine Finger nicht bewegen. Bis heute habe ich Probleme mit den Fingern. Was für einen Dudelsackspieler eigentlich das Ende bedeutet. Aber man macht halt trotzdem weiter, reist umher und spielt für die Menschen und fürs Essen.

TAG24: Zum Schluss: wo spielst du am liebsten?

John: Hier in Köln. Die Leute hier sind offen für meine Musik, für die Kultur. Die nehmen die Musik an und gehen mit und geben mir Energie zurück. Als hätten sie selbst keltische Wurzeln. Am liebsten Spiele ich am Neumarkt, Heumarkt, Rudolfplatz. Da fühle ich mich wohl. Oder auch auf dem Breslauer Platz. Da ist kaum jemand, aber da ist eine tolle Akustik. Und natürlich direkt am Rhein. Ich liebe es einfach hier zu spielen.

Titelfoto: privat

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