Frankfurter Unternehmen zahlt Bewerbern 6500 Euro: Wie geht das?

Frankfurt am Main - Zurzeit sorgt eine Recruiting-Initiative der in Frankfurt ansässigen Deutschen Familienversicherung (DFV) für viel Aufmerksamkeit. Das börsennotierte Versicherungsunternehmen will 55 neue Stellen besetzen und bietet Bewerbern bei Einstellung bis zu 6500 Euro Prämie. TAG24 sprach mit CEO Dr. Stefan Knoll.

Mit dieser Anzeige wirbt die in Frankfurt ansässige Deutsche Familienversicherung um neue Mitarbeiter.
Mit dieser Anzeige wirbt die in Frankfurt ansässige Deutsche Familienversicherung um neue Mitarbeiter.  © Bild-Montage: Deutsche Familienversicherung

500 Euro erhalten Bewerber bereits für ein erstes Bewerbungsgespräch, 1000 Euro für die Teilnahme an einem Assessment-Center. Weitere 5000 Euro winken bei einer Einstellung.

Eine bislang einzigartige und viel beachtete Methode, um in einer Zeit, in der kompetente Fachkräfte schwer zu finden sind, an das passende Personal zu kommen.

Aber nein, dass seine Bewerbungs-Offensive unter dem Motto "Weil Du mehr verdienst" in der Öffentlichkeit so viel Aufmerksamkeit erregt, habe ihn nicht verwundert, sagt Knoll. Das sei Teil der Strategie gewesen.

Und wie kam er auf die Idee mit dem Prämien-System? "Mir fällt eigentlich jeden Tag etwas Neues ein", so der CEO. "Man sagt mir nach, dass ich ein kreativer Mensch bin".

Eine Kreativität, die sich auszahlt. In den rund drei Wochen, die die Aktion nun läuft, hat es rund 2000 Bewerbungen gegeben. "200 Bewerber werden wir einladen und wir gehen davon aus, das wir alle 55 neuen Stellen besetzen können", sagt Knoll.

Zwar seien etwa 80 Prozent der Bewerber nicht ausreichend für den jeweiligen Job qualifiziert. Bewerbungen, die eindeutig nur aufgrund der zu erwartenden Prämie eingingen, seien aber selten.

Stefan Knoll: "Recruiting wird in Zukunft nicht mehr anders funktionieren"

CEO Dr. Stefan Knoll sieht in seinem Prämien-System die Zukunft des Recruitings.
CEO Dr. Stefan Knoll sieht in seinem Prämien-System die Zukunft des Recruitings.  © Deutsche Familienversicherung

Neben der großen Anzahl an Bewerbungen hat das Prämien-System aber auch noch einen weiteren Vorteil: Es ist günstiger als das herkömmlich Prozedere!

Zum einen sind in den 500 Euro für ein erstes Bewerbungsgespräch auch eventuell anfallende Kosten für Unterkunft und Anreise enthalten.

Zum anderen erspart es teure Personalberater, auf die Knoll sowieso nicht sonderlich gut zu sprechen ist. "Die haben manchmal auch nur zwei Bewerbungen und verkaufen es uns dann so, als hätten sie bereits die Besten der Besten ausgesiebt. Und das müssen wir dann bezahlen", sagt er.

Sollte die Bewerbungs-Offensive der DFV Schule machen, dann stehe die ganze Personalberater-Branche vor einem echten Problem. Deshalb habe er für die Aktion auch schon Kritik von dieser Seite einstecken müssen, sagt der CEO.

Dennoch sieht Knoll in seinem Prämien-System die Zukunft. "Unter Frankfurter Firmen ist die Aktion natürlich bekannt und ein Gesprächsthema", sagt er. "Recruiting wird in Zukunft wohl nicht mehr anders funktionieren."

Aber was passiert, wenn kompetente Bewerber sich vorsätzlich nur wegen der Prämien bewerben, die 6500 Euro einstreichen und dann in der Probezeit kündigen?

"Die 1500 Euro für das erste Gespräch sowie für das Assessment-Center dürfen sie behalten, die 5000 Euro für die Einstellung holen wir uns zurück, das ist rechtlich kein Problem", sieht Knoll möglichen Nutznießern gelassen entgegen.

Titelfoto: Bild-Montage: Deutsche Familienversicherung

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