Tagesmütter fühlen sich hintergangen

Der erste Chemnitzer Tagesvati Michael Schreinert (45) tritt als der kinderliebe "Clown Fridolin" auf.
Der erste Chemnitzer Tagesvati Michael Schreinert (45) tritt als der kinderliebe "Clown Fridolin" auf.

Von Martin Friedemann

Dresden - Tagesmuttis und -vatis fühlen sich von Stadt und -rat hintergangen. Zu wenig Geld für Urlaubs- und Krankheitsvertretungen bildet nur die Spitze des Eisbergs.

„Man hat uns über’s Ohr gehauen“, sagt Michael Schreinert (45). Er ist der erste Chemnitzer Tagesvati und tritt auch als „Clown Fridolin“ auf. Den kinderlieben Clown bringt eine Summe von 93,75 Euro auf die Palme. „Damit soll ich meine Urlaubs- oder Krankheitsvertretung“ - das sind 30 Tage „bezahlen.“

Das macht 3,13 Euro pro Tag. „Damit finde ich doch niemanden!“, so Schreinert empört. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 8,50 Euro. Pro Stunde.

Hintergrund: Tageseltern sind mittlerweile Teil des städtischen Kita-Netzes, betreuen allein meist fünf ein- bis dreijährige Kinder. „Die Tagesmütter kosten die Stadt deutlich weniger als ein normaler Kita-Platz“, sagt Stadträtin Almut Patt (45, CDU).

Tagesmutti Janine Haeseler (29) darf von Amtswegen keine Kosten für die Tiere von den Eltern einfordern, obwohl diese bezahlen würden.
Tagesmutti Janine Haeseler (29) darf von Amtswegen keine Kosten für die Tiere von den Eltern einfordern, obwohl diese bezahlen würden.

Die CDU-Stadtratsfraktion sowie die AfD Fraktion scheiterten bei der letzten Stadtratssitzung am Mittwoch mit einem Antrag zur wesentlichen Verbesserung der Tageseltern-Situation. Ein Hauptpunkt war die einheitliche Raumförderung.

Die rot-rot-grüne Mehrheit stimmte dagegen; Tagesmuttis mit zusätzlich angemieteten Wohnungen bekommen nun 20 Euro mehr pro Kind. „Viele Tagesmuttis mieten aber keine neuen Räume, sondern große Wohnungen mit zwei bis drei Zusatzräumen“, erklärt Tagesvati Schreinert.

Eine Große Wohnungen ist genauso teuer wie zwei Kleine. Eigene Kinderzimmer dürfen nicht als Betreuungsraum genutzt werden. Die Stadt stellt bis Jahresende 320.000 Euro für die 82 Chemnitzer Tageseltern bereit, pro neun-Stunden-Kind erhalten sie nun 563 Euro im Monat (vorher: 480 Euro).

Doch es geht nicht nur ums Geld. Die gegründete Arbeitsgruppe fordert schon seit langem mehr Einbindung und Transparenz. „Vorschläge der Arbeitsgruppe zu Problemen werden vom Amt nicht umgesetzt und stets ignoriert.

Wir wünschen uns einfach eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und Unterstützung seitens des Jugendamtes!“ so Janine Haeseler (29) von der Kindertagespflege Zwergenfüße. „Es kann nicht sein, dass immer über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.“ (Ulrike Schröder, 46)

Fotos: Peter Zschape/Uwe Meinhold


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