Teurer Sprit? So tankst Du viel günstiger

Deutschland - Seid Ihr auch genervt vom Spritpreis-Wahn an den Tankstellen? Vielleicht wart Ihr nur zur falschen Zeit an der falschen Zapfsäule. Denn wer wahllos immer dort auftankt, wo der Tank gerade leer wird, zahlt drauf. Doch warum teuer zapfen, wenn's ein paar Straßen weiter auch billiger geht? Nachdem Ihr diesen Report gelesen habt, könnt Ihr gleich doppelt sparen: Ihr erfahrt Ort und Zeit für die günstigste Betankung und bekommt zudem Tipps für spritsparendes Autofahren.

Jetzt schnell noch mal volltanken, bevor die Preise wieder so hochklettern wie zuletzt 2014 auf dieser Tankstellen-Anzeigetafel.
Jetzt schnell noch mal volltanken, bevor die Preise wieder so hochklettern wie zuletzt 2014 auf dieser Tankstellen-Anzeigetafel.  © Imago

Es treibt Autofahrern die Tränen in die Augen: Die Preise für Benzin und Diesel schossen im Mai im Wochentakt nach oben, erreichten neue Rekordwerte. Super E10 war mit durchschnittlich 1,429 Euro je Liter im Vergleich zum Vormonat um sechs Cent in die Höhe geschnellt und damit so teuer wie seit drei Jahren nicht mehr.

Bei Super wurden sogar Literpreise von 1,70 Euro aufgerufen. Diesel war mit durchschnittlich 1,269 Euro zuletzt im November 2014 teurer.

Wer kontrolliert tankt, kann viel sparen. Denn das Bundeskartellamt hat herausgefunden, dass die Preisunterschiede an Zapfsäulen innerhalb einer Stadt bis zu 30 Cent betragen können. Ein Vergleich der Spritpreise kann bei einer Tankfüllung von 50 Litern also schon 15 Euro sparen!

"Weil ich gemerkt habe, dass Spritpreise abends in der Woche fallen, fahre ich immer nach den Stadtratssitzungen tanken", sagt der Dresdner FDP-Stadtrat Jens Genschmar (49). "Freitagnachmittag, Sonnabendvormittag und kurz vor den Schulferien rolle ich dagegen nicht an die Zapfsäule."

Der Dresdner ADAC-Marketingleiter Falk Forhoff (51) nutzt Preisvergleichsportale, um die günstigste Zapfsäule in der Umgebung zu finden. Beide sparen damit geschickt die Preisspitzenzeiten an den Tankstellen aus.

Medizinisch gesehen ein kranker Patient: So verrückt zucken die „Fieberkurven“ des Diesel-Preises im Laufe eines Tages - mit bis zu 14Cent/Liter Unterschied im Markenvergleich!
Medizinisch gesehen ein kranker Patient: So verrückt zucken die „Fieberkurven“ des Diesel-Preises im Laufe eines Tages - mit bis zu 14Cent/Liter Unterschied im Markenvergleich!  © ADAC

Alle 14.750 Tankstellen in Deutschland müssen seit Ende 2013 die Hosen runterlassen und ihre Preise minutengenau an die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts melden. Seitdem kann dessen Präsident Andreas Mundt (57) genau belegen: "Wir beobachten immer kürzere und stärker ausgeprägte Kraftstoffpreiszyklen."

War der Aufschrei zu D-Mark-Zeiten groß, wenn die Spritpreise um 2 Pfennige (1 Cent) anzogen, werden heutzutage Schwankungen um täglich 15 Cent ohne Murren hingenommen. Das ständige Auf und Ab bei der Preispolitik der Ölmultis hat uns willfährig gemacht.

Zudem zählen Dresden und Leipzig nicht zu den Billigheimern beim Tankvergleich der 20 größten Städte Deutschlands. Den Spitzenplatz sichern sich regelmäßig Hamburg und Nürnberg. Schlusslichter sind Berlin, Frankfurt/Main und Wuppertal. Nur bei der Rallye um die günstigsten Dieselpreise hatte Leipzig im Mai mit 1,249 Euro diesmal die Nase vorn.

Mittags und nachts ist Tanken am teuersten

Der Osten ist abgehängt: Wer in Leipzig oder Dresden Benzin tankte, musste im Mai mehr berappen als in Hamburg, Nürnberg oder München.
Der Osten ist abgehängt: Wer in Leipzig oder Dresden Benzin tankte, musste im Mai mehr berappen als in Hamburg, Nürnberg oder München.  © clever-tanken.de

Günstiges Tanken kann man planen. Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt (57) lässt täglich sämtliche Preise der insgesamt 14 750 deutschen Tankstellen auswerten. Deshalb weiß er:

• Zwischen 20 und 22 Uhr ist der Benzin- und Dieselpreis im Schnitt am günstigsten, nachts am teuersten.

• Die Mittagszeit meiden, da ziehen die Preise plötzlich und stark an.

• Freie Tankstellen (und Jet) sind zwischen 2 und 3 Cent günstiger als die großen Ketten wie Aral, Shell, Esso oder Total.

• Autobahntankstellen meiden. "Sie sind im Durchschnitt 15 Cent pro Liter teurer."

• Mr. Wash oder Globus-Tankstellen sind oft besonders günstig, weil sie beim Spritverkauf meist auf Gewinn verzichten. Nebeneffekt: Damit drücken sie auch die Preise umliegender Tankstellen.

• Auch Transport- und Logistikkosten haben Einfluss auf Spritpreise: Je weiter eine Tankstelle von der nächsten Raffinerie entfernt ist, desto teurer wird der Sprit verkauft.

• Wer an einer Ländergrenze wohnt, sollte mal ins Nachbarbundesland schauen. So verzeichnete Sachsen im Februar 2017 den teuersten Benzinpreis, während im Nachbarland Sachsen-Anhalt der deutschlandweit günstigste Durchschnittspreis für Super E10 aufgerufen wurde.

Das Kartellamt sammelt alle Preisdaten, veröffentlicht sie aber nicht. Das machen Spritratgeber und Apps. Hier die vollständige Liste der zugelassenen Verbraucher-Informationsdienste:

Ein kluger Fahrstil schont immer auch den Geldbeutel

Der Mai war bislang der teuerste Tank-Monat des Jahres: Clevere Autofahrer halten mit einem optimalen Fahrstil dagegen.
Der Mai war bislang der teuerste Tank-Monat des Jahres: Clevere Autofahrer halten mit einem optimalen Fahrstil dagegen.  © Imago

"Verbessern Sie Ihre Fahrweise", sagt ADAC-Sprecherin Birgit Schikora (63). "Das hat den größten Einfluss auf den Spritverbrauch." Mit ihren Spritspartipps lassen sich 10 bis 20 Prozent Kraftstoff einsparen:

• Motor ohne Gaspedalbetätigung starten, nicht warmlaufen lassen, gleich losfahren. Dann sofort in den 2. Gang schalten.

• Mit 3/4 Gas zügig beschleunigen.

• Frühzeitig hochschalten (bei einer Drehzahl von 2000 U/min), betont untertourig fahren - quasi im 5. Gang im Stadtverkehr "mitschwimmen".

• Motorbremswirkung nutzen (zum Beispiel beim Heranrollen an eine Ampel), nicht den Gang herausnehmen. Die meisten Autos sind mit einer Schubabschaltung ausgerüstet, welche die Kraftstoffzufuhr in dieser Situation sperrt.

• Vorausschauend fahren. Jede Bremsung vergeudet Energie.

• Muss die Klimaanlage wirklich laufen? Abschalten spart mindestens 0,3 Liter auf 100 km.

• Wie alt sind Eure Reifen? Auf Rollwiderstand optimierte Reifen können etwa 0,5 Liter je 100 km sparen. Reifendruck prüfen.

• Auch ein abgeschraubter Dachgepäckträger spart Sprit.

• Kofferraum ausmisten: Überflüssiges Gewicht frisst im Stadtverkehr je 100 Kilogramm bis zu 0,3 Liter auf 100 km mehr.

Alles zu theoretisch? Der ADAC bietet spezielle Spritspar-Trainings an. Infos unter: 0800/5 10 11 12 (Mo-Sa 8-20 Uhr).

Für Kurzstreckenbetrieb ist das Auto die schlechteste Wahl. Fahrt doch mal einen Monat lang mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad zur Arbeit. Ihr werdet erstaunt sein, wie schnell man sich daran gewöhnt.

Staat kassiert gleich doppelt ab

Mehr Steuer als Wert: So teilt sich der Gesamtpreisvon 1,38 Euro für einen Liter Benzin auf. Sigmar Gabriels Idee (58, SPD) landesweit einheitliche Liter-Festpreise festzulegen, wurde abgeschmettert.
Mehr Steuer als Wert: So teilt sich der Gesamtpreisvon 1,38 Euro für einen Liter Benzin auf. Sigmar Gabriels Idee (58, SPD) landesweit einheitliche Liter-Festpreise festzulegen, wurde abgeschmettert.  © Bundesministerium der Finanzen/Dpa

Die Mineralölwirtschaft kassiert 37 Prozent vom Benzinpreis an der Tankstelle, deckt damit ihre Bereitstellungskosten ab und generiert die Konzerngewinne.

Den größten Batzen (47,1 Prozent) macht die staatliche Energiesteuer aus: je Liter Benzin festgeschriebene 65,45 Cent. Für Diesel werden 47,04 Cent Mineralölsteuer fällig.

Zum Schluss kommt noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent obendrauf. Damit verdient der Staat bei jeder Spritpreiserhöhung automatisch mit.

2016 hatte der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Idee einer flexiblen Sprit-Steuer: Egal wie stark der Ölpreis auch schwankt, der Spritpreis an der Tankstelle bliebe immer stabil.

Nachteil: Von sinkenden Rohölkosten würde der Verbraucher nicht mehr profitieren. Verkehrsminister Alexander Dobrindt lehnte den Vorstoß deshalb ab.

Pächtern bringt ein hoher Spritpreis nix

Pächterin Simone Saloßnick (53).
Pächterin Simone Saloßnick (53).  © Petra Hornig

Bei den Tankstellen-Pächtern bleibt bei Spritpreiserhöhungen kein Cent zusätzlich hängen. Worüber keiner gern spricht: Sie verdienen im Durchschnitt nur zwischen 1,0 und 1,5 Cent netto an jedem Liter Sprit - egal, wie hoch der Spritpreis auch klettert und ob Benzin oder Diesel getankt werden. Nutznießer sind vor allem die Mineralöl-Konzerne.

"An einer Tankfüllung verdiene ich in etwa so viel wie beim Verkauf eines Feuerzeugs", rechnet Simone Saloßnick (53) vor. Sie ist Pächterin von drei Tankstellen in Dresden und Pirna, darunter auch die Dynamo-Tankstelle an der Dohnaer Straße. Die Tankstellen verkaufen zwischen 250.000 und 300.000 Liter Sprit im Monat (wenn's richtig gut läuft), das ergibt einen Monatserlös von etwa 3000 Euro durch Tankumsätze.

Die Pächter müssen deshalb auf Quersubventionen setzen - ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Einnahmen aus Tankgeschäft, Waschanlage und Shop-Verkauf.

Saloßnick: "Weil wir an höheren Spritpreisen nicht mitverdienen, mussten wir bei Einführung des Mindestlohnes die Wasch-, Bistro- und Kaffeepreise erhöhen." Die Pächterin hatte für ihre drei Tankstellen über Nacht 25.000 Euro mehr Personalkosten auf dem Zettel.

Tankdiebe haben übrigens immer Konjunktur. Saloßnick: "Die klauen unabhängig von der aktuellen Höhe der Spritpreise."

Titelfoto: Imago


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