Lohnt es sich den Asyl-Tatort einzuschalten?

Reto Flückiger (Stefan Gubser, 57, l.) und Liz Ritschard (Delia Mayer, 48) brauchen die Hilfe von Drogenfahnder Hofstetter.
Reto Flückiger (Stefan Gubser, 57, l.) und Liz Ritschard (Delia Mayer, 48) brauchen die Hilfe von Drogenfahnder Hofstetter.

Von Heiko Nemitz

Luzern - Die Schweiz kann grau und kalt sein. Zumindest im „Tatort: Schutzlos“, der ein ganz heißes Eisen anpackt: die aktuelle Asyl-Debatte.

Die Kommissare blicken ins triste Milieu von jugendlichen Flüchtlingen und Drogenhändlern - ein bedrückender, harter und sehr spannender Krimi, der keine bequemen Lösungen parat hat.

Ebi, ein junger Flüchtling aus Nigeria, wird erstochen. Er war als Drogendealer tätig, stand kurz vor der Abschiebung - nur ein Streit im Milieu?

Die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser, 57) und Liz Ritschard (Delia Mayer, 48) ermitteln im Asylantenheim und unter Straßendealern; sie treffen auf hilflose Drogenfahnder und überlastete Sozialarbeiter.

Szene aus dem aktuellen "Tatort": Was wissen der Syrer Navid (Rauand Taleb, 23) und die Nigerianerin Jola (Marie-Hélène Boyd, 23) über den Toten?
Szene aus dem aktuellen "Tatort": Was wissen der Syrer Navid (Rauand Taleb, 23) und die Nigerianerin Jola (Marie-Hélène Boyd, 23) über den Toten?

Irgendwann stoßen sie auf die junge Nigerianerin Jola (intensiv: Marie-Hélène Boyd, 23), die der Schlüssel zu dem Fall zu sein scheint, aber das Mädchen schweigt. Ihre Odyssee rückt immer stärker in den Mittelpunkt.

Während Flückiger von seiner Migräne außer Gefecht gesetzt wird, reist Ritschard auf Jolas Spuren bis nach Italien - Lampedusa ist plötzlich sehr nah.

Dieser „Tatort“ legt den Finger in brandaktuelle Wunden - ohne die Lage der Asylbewerber durch eine kitschige Schicksalsgeschichte zu beschönigen.

Lohnt sich das Einschalten?

Unbedingt! Der siebte Fall der eher unbeliebten Schweizer ist definitiv ihr stärkster. Gut: Die Synchronisation nervt immer noch. Dafür wird ein wichtiges Thema glaubwürdig umgesetzt, ohne Gemeinschaftskundeunterricht zu sein. Dramatisches Finale, bitteres Ende: Dieser Fall hallt noch lange nach.

Fotos: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler


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