Dieser Tatort ist selbst der Kommissarin zu düster!

Die Kommissare v. l.: Daniel Kossik (Stefan Konarske), Nora Dalay (Aylin Tezel), Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Böhnisch (Anna Schudt).
Die Kommissare v. l.: Daniel Kossik (Stefan Konarske), Nora Dalay (Aylin Tezel), Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Böhnisch (Anna Schudt).

Dortmund - Sonntagabend ist für viele der "Tatort" dran! Anna Schudt, als Kommissarin Martina Bönisch in Dortmund zugange, sagte im Interview: „Ganz ehrlich: Als Zuschauer würde ich da abschalten. Das brauche ich nicht am Sonntagabend.“

Für ein sechsjähriges Mädchen kommt jede Hilfe zu spät. Sie hatte ein bunt verpacktes Drogenpäckchen im Sandkasten für einen Bonbon gehalten. Jedoch, es war Kokain. Dealer nutzen den Spielplatz im Park oft als Versteck.

Wie kann man sein Kind hier spielen lassen, fragt Kommissarin Martina Bönisch die Mutter der Kleinen ... Für Emmas Vater Roland Siebert steht fest: Die drogendealenden Asylbewerber sind schuld am Tod seiner Tochter.

Im Interview mit der Rheinischen Post sagt die Schauspielerin: "... Wir sind eben ein Krimi – und zwar kein witziger, sondern ein düsterer, das Gegenstück zu Münster. (...)

Deshalb suchen wir vor allem die hässlichen Ecken und schlimmen Themen, Dramen und Abgründe, ob das den Dortmundern gefällt oder nicht."

Wie real ist ein "Tatort" aus Dortmund?

Die Schauspieler Stefan Konarske (Oberkommissar Kossik, v. l. r.), Jörg Hartmann (Hauptkommissar Faber), Anna Schudt (Kriminalhauptkommissarin Martina Bönisch) und Adrian Can (als Drogendealer Tarim Abakay) im Café "Oma Doris" bei Dreharbeiten.
Die Schauspieler Stefan Konarske (Oberkommissar Kossik, v. l. r.), Jörg Hartmann (Hauptkommissar Faber), Anna Schudt (Kriminalhauptkommissarin Martina Bönisch) und Adrian Can (als Drogendealer Tarim Abakay) im Café "Oma Doris" bei Dreharbeiten.

Google liefert unzählige Seiten zum Thema "Dortmund" und "No go"-Areas. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlug zuletzt im Sommer 2015 öffentlich Alarm gegen stark ausgedünnte Wachen und Angriffe gegen Polizisten im Ruhrpott.

Sie warnte vor "No-go-Areas" in Essen, Dortmund und Duisburg. In einer internen Analyse des Duisburger Polizeipräsidiums ist nach einem Medienbericht vom Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung die Rede, sollte sich die Lage verschärfen.

Eine Hundertschaft verstärkt die Polizei seit Sommer, um manche Stadtteile abends sicherer zu machen. Straßenkreuzungen stehen als unsichtbare Grenzen zwischen manchen ethnischen Gruppen.

Viele Anwohner sprechen von "der" Straße der Kurden oder "der" Straße der Rumänen. Auf einer Gruppe liegt der Fokus: auf libanesischen Großfamilien.

Stereotyp in düsterem Grau

"Kollaps"-Szene mit Anna Schudt (41).
"Kollaps"-Szene mit Anna Schudt (41).

Auch diesmal zeichnet der Dortmunder Tatort düsteres Grau, stereotyp: Bulgaren klauen, Afrikaner dealen, Alteingesessene werden zu Wutbürgern. Auch wenn der Tatort "Kollaps" heißt, den sieht der Autor Jürgen Werner, der sechs von sieben "Pott-Tatorten" schrieb, nicht: "Dortmund ist eine tolle Stadt, da bricht nichts zusammen." Wohl aber im TV-Kommissariat ...

Das Internet macht sich Sorgen um die "kaputte" Kommissarin und die aktuellen Milieus der "Tatort"-Fälle. Zumutung oder Notwendigkeit?

Schudt sagt im Interview: "Wir Künstler können mutig sein und dem Publikum viel zumuten – Tragisches, aber auch Freude, Liebe, Hoffnung. Wir brauchen diesen Mut, aus der Komfortzone rauszukommen und auch die Zuschauer dort rauszuholen."

Na denn: Sonntag ist Tatort-Zeit! 20.15 Uhr, ARD.

Fotos: ARD/WDR-Thomas Kost, dpa


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