"Tatort" Dortmund: Fabers Wahnsinn nimmt kein Ende

Dortmund – Der neue Tatort aus Dortmund zeigt spannende Parallelen zwischen Krankenhausalltag und Polizeiarbeit. Überschattet wird der eigentliche Fall jedoch vom "Fall Faber", dessen Psyche sich wie eine tickende Zeitbombe präsentiert. Eine Kritik.

Hauptkommissar Faber stellt mit Kollegin Bönisch nach, wie der Mordfall passiert sein könnte.
Hauptkommissar Faber stellt mit Kollegin Bönisch nach, wie der Mordfall passiert sein könnte.  © WDR/Thomas Kost

Neuen Stoff für die Debatte, wie gut die Stadt Dortmund beim Tatort wegkommt, lieferte die neue Episode nicht. Die Handlung spielt sich nämlich größtenteils in einem Krankenhaus ab.

Der ungewöhnliche Tatort rückt den stressigen Alltag der Angestellten in einem Krankenhaus in den Mittelpunkt. Schichtdienst ist hier der Regelfall, Überstunden sind keine Einzelheit.

Ähnlich wie beim Job des Polizisten fordert dieses Arbeitsfeld die berufstätigen auf besonders intensive Weise. Polizisten wie Ärzte sind täglich gefordert im Kampf gegen Verbrechen bzw. Krankheit. Daher mussten die Dreharbeiten auch bei laufendem Betrieb erfolgen – eine echte Herausforderung.

Und Todesfälle sind in beiden Berufsfeldern Teil des Jobs. Nicht jeder kommt damit klar, manche greifen zu Psychopharmaka. Und auch das Privatleben leidet unter dem Arbeitsalltag, kostet Beziehungen und bietet Raum für Affären.

Der kurze Erzählstrang zum betrogenen Ehemann der Toten ist zwar notwendig, wirkt aber auch etwas abgehakt. Thematisch ist dieser Tatort leider insgesamt etwas überladen. Auch die Geschichte eines Hochstaplers als Chefarzt wird noch schnell reingepresst.

Faber wankt, aber fällt nicht

Am Ende stellen die Ermittler den falschen Arzt und Tatverdächtigen Dr. Dr. Andreas Norstädter (r).
Am Ende stellen die Ermittler den falschen Arzt und Tatverdächtigen Dr. Dr. Andreas Norstädter (r).  © WDR/Thomas Kost

Auf Seiten der Ermittler hat Nora Dalay noch mit den Nachwirkungen eines früheren Falls zu kämpfen. Ihre Probleme werden aber durch Hauptkommissar Faber deutlich in den Schatten gestellt.

Aufklären soll den Mordfall mit Anführer und Hauptkommissar Faber ausgerechnet ein Mann, der stark mit eigenen Problemen zu kämpfen hat und sich innerlich zerrissen zeigt. Es ist die eigene Vergangenheit, die ihn in seinen Träumen einholt. Die Gedanken an seine durch einen Verkehrsunfall getötete Frau und Tochter drohen ihn zu übermannen.

Sichtbar wird das seelische Dilemma Fabers gleich in mehreren Szenen. So wird er anfangs bei seiner Ankunft in der Notaufnahme für einen Patienten gehalten. Seine Auseinandersetzung mit dem Täter führt ihn dann gleich zweimal in Lebensgefahr. Eine Situation, die er nicht fürchtet. Der psychisch kranke Faber wird dabei körperlich schwer verletzt.

Der Tatort hat packende Szenen parat und widmet sich erneut den psychischen Problemen der Figur Faber. Die überzeugende Darstellung des Kommissars durch Jörg Hartmann überlagert dabei die Schwächen des Falls. Spannung geht diesem Tatort etwas ab. Stattdessen bekamen die Zuschauer ein weiteres intensives Psychogramm der Figur Faber.

Im Hinblick auf die Entwicklung des Tatorts aus Dortmund bleibt die Figurenkonstellation interessant. Im Mittelpunkt steht aber ohne Zweifel die Frage nach Fabers Zukunft: Wann und wie kann er seine Probleme lösen?

Titelfoto: WDR/Thomas Kost

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