Öko-Krimi? Wieso sehen alle in diesem Dorf so krank aus?

Die Kommissare Falke (Wotan Wilke Möhring, 50) und Grosz (Franziska Weisz, 37) sind Umweltsündern auf der Spur.
Die Kommissare Falke (Wotan Wilke Möhring, 50) und Grosz (Franziska Weisz, 37) sind Umweltsündern auf der Spur.  © NDR/Christine Schroeder

Hamburg/Niedersachsen - Böser Boden!

LKW-Fahrer Arash Naderi wird nachts erschlagen. Der iranische Ingenieur arbeitete für einen Energiekonzern, der Fracking betreibt und angeblich illegal die Giftstoffe entsorgt, die bei der umstrittenen Gasgewinnung anfallen.

War der Tote den auffallend krank aussehenden Dörflern deshalb so verhasst?

Oder war der Migrant der Fabrikleitung auf die Schliche gekommen und hat die Umweltsünder erpresst?

Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring, 50) und seine neue Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz, 37) geraten in einen Umweltkrieg, in dem vor allem die Kinder der Öko-Bauern unangenehm bissig sind...

Lohnt sich das Einschalten vom Tatort?

Vorsicht, bissig! Mit den „Zombie“-Kindern der verseuchten Bio-Bauern ist nicht zu spaßen.
Vorsicht, bissig! Mit den „Zombie“-Kindern der verseuchten Bio-Bauern ist nicht zu spaßen.  © NDR/Christine Schroeder

Absolut. Der „Tatort: Böser Boden“ überzeugt als Polit-Krimi, der sein sozialkritisches Umwelt-Thema geschickt mit dem Zombie-Genre kreuzt.

„Böser Boden“ zeigt erneut, wie sattelfest eine junge Generation deutscher Filmemacher in Sachen US-Genrefilmgeschichte ist. Diesmal stehen typische Backwood-Horrorfilme Pate, in denen Großstädter auf degenerierte Hinterwäldler stoßen.

„Beim Sterben ist jeder der Erste“ (1972) etwa oder „Hügel der blutigen Augen“ (1977), Wes Cravens Schocker über atomar verseuchte Kannibalen. Irgendwann schlurfen die Dörfler wie in George A. Romeros Zombie-Klassiker „Dawn of the Dead“ (1979) lethargisch durch einen Supermarkt; darauf hatte der 90er-Jahre-Hit „Zombie“ der Cranberries vorbereitet. Eine starke Metapher auf die Folgen der Öko-Schweinereien, die einem erstmal einfallen muss.

Eine völlig überflüssige Nebenhandlung bildet ein Ausflug des Kommissars an die Reeperbahn.

Auf der Suche nach seinem Sohn gerät Falke in ein AnnenMayKantereit-Konzert - das ist zwar nett gefilmt, stört aber nur den eigentlichen, atmosphärischen Krimi.

Der startet verhalten, drückt dann in der letzten halben Stunde spannungstechnisch mächtig auf die Tube und bietet eine unerwartete Auflösung. Insgesamt toll!


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