Kieler Tatort bewegt sich am Abgrund des Menschlichen

Kiel - Der Großvater war NS-Kriegsverbrecher, der Vater radikaler Reformpädagoge, der Sohn ist überzeugter Pastor.

Borowski (Axel Milberg, 63) und Mila Sahin (Almila Bagriacik, 29) treffen im Wald auf den verstörten Simon (Anton Peltier).
Borowski (Axel Milberg, 63) und Mila Sahin (Almila Bagriacik, 29) treffen im Wald auf den verstörten Simon (Anton Peltier).  © NDR/Sandra Hoever

Der "Tatort"-Krimi "Borowski und das Haus am Meer" zeigt, wie Ideologien oder Religion Menschen trotz guter Vorsätze entmenschlichen können.

In einem Küstenwald nahe Kiel läuft den Kommissaren Klaus Borowski (Axel Milberg, 63) und Mila Sahin (Almila Bagriacik, 29) wie aus dem Nichts ein kleiner Junge vors Auto.

Sichtlich verwirrt berichtet Simon (Anton Peltier) von seinem verschwundenen Großvater. Als der Großvater am nächsten Tag ertrunken aufgefunden wird, nehmen Borowski und Sahin die Ermittlungen auf. Borowski ist sich sicher: Simon hat den Mörder gesehen – und stößt auf die Schatten viel größerer Verbrechen, die auf Simons Familie lasten.

Lohnt sich das Einschalten?

Für den Zuschauer ist dieser NDR-Tatort, der am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist, anfangs eine Geduldsprobe - bis die Zusammenhänge deutlich werden.

Besonders hervorzuheben sind die darstellerischen Leistungen: Reiner Schöne (77) spielt bedrückend expressiv den späteren Reformpädagogen Heinrich Flemming, der Angst hat, die mörderischen Gene seines Vaters geerbt zu haben.

Deshalb wollte er eigentlich keine Kinder in die Welt setzen, lehnte seinen Sohn Johann - gefühlskalt gespielt von Martin Lindow (54) - deshalb zeitlebens ab. Kein Wunder also, dass auch er kaum in der Lage ist, seinen eigenen Sohn Simon zu lieben.

Ermittler-Duo lockert ernste Thematik auf

Filmisch dominieren düstere Farben in Blau- und Grautönen. Die intensive Musikuntermalung verstärkt die Spannung. Dazu kommt ein bisschen Mystery-Touch mit einem wolfsähnlichen Hund und einem Indianer. Was ist Traum, was Realität?

Spöttischer, leiser Humor und auch mal eine Prise Sarkasmus des inzwischen gut eingespielten Ermittler-Duos Borowski/Sahin lockern die ernste Thematik immer wieder auf.

Zum Ende des Films sagt Kommissar Borowski: "Wissen Sie, was das Schreckliche an meinem Beruf ist? Dass jeder Mörder glaubt, etwas Besonderes zu sein."

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