Schon wieder Cybercrime im "Tatort"! Aber es lohnt sich

Klaus Borowski (Axel Milberg, 60) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli, 36) ermitteln aus Kiel.
Klaus Borowski (Axel Milberg, 60) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli, 36) ermitteln aus Kiel.  © NDR/Christine Schroeder

Kiel - Ein Auftragskiller mit gruseliger Wolfsmaske tötet zwei Menschen in einem Fitnessstudio, darunter den Leiter der kleinen LKA-Abteilung für Cyber-Kriminalität.

Der Anschlag läuft aus dem Ruder: Nach einer wüsten Schlägerei muss der lädierte Killer untertauchen. Die Kieler Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg, 60) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli, 36) suchen im Darknet, der dunklen Seite des Internets, nach dem Auftraggeber des Mordes. Hinter der digitalen Tarnung scheint die Spur in die eigenen Reihen des LKA zu führen...

Lohnt sich das Einschalten?

Klares ja! Der „Tatort: Borowski und das dunkle Netz“ behandelt das Thema IT-Kriminalität auf originelle und höchst ungewöhnliche Weise. Regisseur David Wnendt hatte bereits mit seinen Kinofilmen „Kriegerin“, „Feuchtgebiete“ und der Hitler-Satire „Er ist wieder da“ Kontroversen ausgelöst; auch sein erster „Tatort“ wird sicher polarisieren.

Die Cybercrime-Spezialisten Cao (Yung Ngo, l.) und Dennis (Mirco Kreibich) 
lesen für Borowski Handydaten aus.
Die Cybercrime-Spezialisten Cao (Yung Ngo, l.) und Dennis (Mirco Kreibich) lesen für Borowski Handydaten aus.  © NDR/Christine Schroeder

Dafür dürften allein die zahlreichen visuellen Ideen sorgen. Schon den drastischen Auftakt erlebt der Zuschauer aus Sicht des Killers, wie im Ego-Shooter-Computerspiel.

Später gibt es kleine animierte Filmchen, wenn die karikaturenhaften Nerds des Dezernats für Cybercrime erklären, wie Darknet oder Bitcoin-Währung funktionieren. Das ist lehrreich - und eine herrliche Parodie auf sonstige Erklärbär-Dialoge. Stark auch eine spektakuläre Verfolgungsjagd in „Lola rennt“-Manier, die mitten ins voll besetzte Handball-Stadion des THW-Kiel führt.

Man muss allerdings Sinn für tiefschwarzen Humor mitbringen: Dem Pechvogel-Killer passieren auf seiner Flucht derartig makabre Missgeschicke, dass man sich in einem Film der Coen-Brüder wähnt. Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack.

Dennoch kommen Traditionalisten und Zuschauer, die es moderner mögen, gleichermaßen auf ihre Kosten. Dieser „Tatort“ vereint tollkühne Experimente mit handfester, wendungsreicher Krimispannung. Daumen hoch!


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