"Tatort"-Kritik: Ballauf und Schenk versinken im Psycho-Sumpf

Köln - Eine Mischung aus klassischer Krimikost und Familien-Drama sollte der aktuelle Kölner "Tatort: Familien" laut Drehbuchautor Christoph Wortberg sein. Das stimmte. Richtig funktioniert hat der Mix leider nicht.

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) schauen bei ihrem neuen Fall etwas irritiert aus der Wäsche.
Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) schauen bei ihrem neuen Fall etwas irritiert aus der Wäsche.  © WDR/Thomas Kost

Weder die Krimi-Handlung noch das Familien-Drama hatten nämlich wirklich Hand und Fuß.

So erwies sich der die Handlung einleitende "Mord" als Unfall und hatte mit dem weiteren Verlauf des Falles nichts mehr zu tun.

Und auch die Entführung von Charlotte Ritter (Anke Sabrina Beermann) erwies sich letztlich als Fake.

Starb sie doch ebenfalls durch einen Unfall. Und die Tatsache, dass ihr sie liebender (Stief-) Vater gemeinsame Sache mit Bruder und Freund der Toten macht, um aus dem Unglück auch noch einen Vorteil zu ziehen, war nicht schlüssig.

Schlüssig waren auch nicht die familiären und emotionalen Verwicklungen der Figuren. Da wurden zu viele Baustellen eröffnet, ohne sie angemessen miteinander zu verbinden.

Ob die Schuldzuweisungen der Fröhlichs an Wirtschaftsanwalt Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig) oder das plötzliche Auftauchen von Charlottes wahrem Vater Philipp Weigel (Simon Böer): alles hing unzusammenhängend in der Luft.

Kölner Ermittler funktionieren trotz wirrer Handlung

Klasse Ergänzung für das Kölner Team: Roland Riebling als Assistent Norbert Jütte.
Klasse Ergänzung für das Kölner Team: Roland Riebling als Assistent Norbert Jütte.  © WDR/Thomas Kost

Deshalb wirkten auch die Konflikte, wenn sie eskalierten, aufgesetzt und übertrieben, wie etwa die Konfrontation von Bertram und Kaspar Fröhlich (Anton von Lucke), die eher peinlich als dramatisch daher kam.

Das merkten auch Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär), die hilflos durch die arg konstruiert wirkende Handlung irrten.

Und eine wirkliche Auflösung inklusive Mörder gab es auch nicht, da die beiden Toten eben in Wirklichkeit Opfer von Unfällen beziehungsweise von Fahrlässigkeit waren.

Für die lichten Momente im Psycho-Sumpf sorgte das gut eingespielte Ermittler-Duo. Ballauf und Schenk machen als Team einfach Spaß.

Und der Running-Gag mit Schenks Versuch, Hochzeitstags-Stress mit seiner Frau durch immer teurere Geschenke zu beheben, funktionierte tadellos.

Auch Roland Riebling, der seinen zweiten Auftritt als ständig futternder und von seinen Chefs beständig ausgenutzter Assistent Norbert Jütte hatte, ist eine echte Bereicherung für das Kölner Team.

So kann man dem "Tatort: Köln" nur wünschen, dass beim nächsten Fall wieder etwas mehr Wert auf eine schlüssige Geschichte Wert gelegt wird, als auf möglichst viele überraschende aber zumeist sinnfreie Wendung zu setzen.

Titelfoto: WDR/Thomas Kost


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