Lohnt sich der Kölner "Nafri"-Tatort?

"Was macht einer wie Sie bei der Bürgerwehr?" Kripo-Assistent Patrick befragt Lebensmittelhändler Adil - und gerät in Gefahr.
"Was macht einer wie Sie bei der Bürgerwehr?" Kripo-Assistent Patrick befragt Lebensmittelhändler Adil - und gerät in Gefahr.  © WDR/Thomas Kost

Köln – Eine Zoohandlung wird überfallen, im Dunkeln fallen Schüsse, der Sohn des Ladeninhabers ist tot. Die "besorgten Bürger" der Bürgerwehr "Wacht am Rhein" sind sicher: Es war "einer dieser Nordafrikaner". Prompt bekommen es Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 56) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, 55) bald mit dem provokanten, aggressiven Marokkaner Khalid zu tun, den Zeugen am Tatort gesehen haben wollen.

Lebensmittelhändler Adil Faras, der ebenfalls Bürgerwehr-Mitglied ist, glaubt den Tunesier Baz als Täter erkannt zu haben. Den sperrt er in seinem Keller ein, um ein Geständnis aus ihm herauszufoltern. In den Straßen der Domstadt eskaliert die Lage, Jagdszenen spielen sich ab ...

Lohnt sich das Einschalten?

Ja! Zwar geht es in "Wacht am Rhein" erneut um Flüchtlinge, um eine Bürgerwehr und diffuse Ängste; aber diesmal ist das Thema clever mit einem bodenständigen Kriminalfall verschmolzen.

Man hört schon jene, die dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk einen "Erziehungsauftrag" unterstellen, ein entnervtes "Nicht schon wieder" keifen. Denen sei gesagt, dass es lange nicht so treffend umgesetzt wurde wie hier - und das trotz Max und Freddy!

Alles wird recht exakt wiedergespiegelt: Mütter, die sich nicht mehr auf die Straße trauen, rechte Biedermänner und sogenannte "Gutmenschen", die sich anhören lassen müssen, dass man mit Naivität auch nicht weiterkomme.

Selbst die Situation der Menschen mit ausländischen Wurzeln wird vielschichtig dargestellt: Von illegalen Straftätern aus Nordafrika, die keinerlei Respekt zeigen, bis zu gut integrierten Migranten, die um ihren Ruf fürchten - die "Nafri"-Debatte bekommt Gesichter. Am doppelt traurigen Ende ist jeder Täter und Opfer zugleich.

Selbst Max und Freddy empören sich nicht, schlagen sich auf keine Seite. Nur der Spaß-Auftritt von Klaus Doldinger (80), dem Komponisten der "Tatort"-Melodie, mag in diesen brisanten Krimi nicht recht passen.

Schon lange nicht mehr war ein "Tatort" mit Max Ballauf und Freddy Schenk so gut wie der Fall "Wacht am Rhein".
Schon lange nicht mehr war ein "Tatort" mit Max Ballauf und Freddy Schenk so gut wie der Fall "Wacht am Rhein".  © WDR/Thomas Kost

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