Tatort-Star Neuhauser: Sechsmal wollte sie sich das Leben nehmen

"Tatort"-Ermittlerin Neuhauser (58): "Ich war erst spät mit mir im Reinen."
"Tatort"-Ermittlerin Neuhauser (58): "Ich war erst spät mit mir im Reinen."  © dpa/ARD

Wien - Wer sie auf dem Bildschirm sieht, denkt an eine perfekte, starke Frau, die nichts umwirft. Wer sie in Interviews hört, erkennt eine offene, herzliche Frau mit einem riesig-gewinnenden Lächeln...

Aber: Das Leben der Schauspielerin Adele Neuhauser war oft geprägt von Selbstzweifeln und sehr traurigen Episoden. Sie hatte erst mit mehr als 40 Jahren das Gefühl bekommen, mit sich einigermaßen im Reinen zu sein. In ihrem Leben habe es immer viel Verzweiflung und Tragik gegeben, sagt die 58-Jährige.

"Es ging los mit dem Umzug von Griechenland, wo ich geboren bin, nach Wien." Vier Jahre alt sei sie da gewesen und habe statt in einem sonnendurchfluteten Haus mit Garten plötzlich in einer kleinen Wohnung leben müssen. Einige Jahre später sei zudem die Ehe ihrer Eltern zerbrochen. Sie blieb beim Vater.

Auch ihre Schulzeit sei ein Desaster gewesen, die Direktorin ihrer Klosterschule habe bei der Aufnahme gesagt: "Mädchen, die diese Schule besucht haben, wurden immer sehr gern geheiratet." Ihren 18. Geburtstag habe sie allein mit zwei Flaschen Rotwein im Zimmer einer Pension gefeiert...

Die Autobiografie der außergewöhnlichen Charakterdarstellerin "Ich war mein größter Feind" ist jüngst erschienen. Darin geschildert: ein Leben voller schmerzlicher Entscheidungen und mutiger Aufbrüche. Es ist so offen, schonungslos, ehrvoll, humorvoll, lebensklug, optimistisch wie sie.

Die Autobiografie der außergewöhnlichen Charakterdarstellerin ist jüngst im Brandstätter Verlag erschienen.
Die Autobiografie der außergewöhnlichen Charakterdarstellerin ist jüngst im Brandstätter Verlag erschienen.  © dpa/Branstätter

Sie musste schwere Verluste erleben. Ihr Bruder verstarb mit 63 Jahren. Ebenso ihre Eltern innerhalb kurzer Zeit. Wie bewältigt man diese Verluste?

"Indem man ein Buch schreibt. Ich dachte immer, ich kann keine Autobiografie schreiben, solange meine Eltern noch am Leben sind. Interessanterweise war dann, nachdem sie gestorben waren, all das, was ich geglaubt hatte, erzählen zu müssen, nicht mehr relevant. Das war für mich die intensivste und schönste Trauerarbeit, die ich hätte leisten können", erzählt sie im Interview mit dem Kurier.

Früher fühlte sie sich fehl am Platz, sah keinen Ausweg mehr und schnitt sich die Pulsadern auf. Sechs Mal versuchte die Schauspielerin, sich das Leben zu nehmen. Jedes Mal wurde sie gerettet - ein Glück. Erst mit 21 Jahren kam die Einsicht, sagte sie am Donnerstag bei Markus Lanz im ZDF. Sie nannte es "einen Notausgang, der feige ist". "Ich war keine Pessimistin, aber schwerst depressiv", erzählt sie weiter. "Da ich griechische Wurzeln und eine blühende Fantasie habe, ist mein Hang zur Tragödie recht ausgeprägt."

Die Trauer hat sie lebendiger gemacht, sagt sie - und man glaubt ihr sofort. "Weil ich noch am Leben bin und Gott sei Dank nicht mehr in den Depressionen stecke, die ich in meiner Kindheit und Jugend hatte. Ich bin noch da – und all das, was ich mit diesen Menschen erlebt habe, die ich so sehr geliebt habe, muss jetzt doppelt und dreifach Sinn machen. Die Tage dürfen nicht vergeudet werden, Begegnungen müssen wertvoll sein. Ich habe gerade unglaublich viel Energie, als würden sie mich kosmisch versorgen. (lacht) Ein sehr schönes Gefühl", berichtet sie weiter im Interview mit dem Kurier.


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