Diese beiden werden jetzt zu Ausstellungsstücken!



Nasti van der Weyden (26) war 19 Jahre alt, als sie sich ihr erstes Tattoo stechen ließ: eine Rose am 
Unterarm. Leipziger Mahmud Celik (32) trägt Totenköpfe und fiese Fratzen 
auf der Haut: "Das sind alles verarbeitete Emotionen."
Nasti van der Weyden (26) war 19 Jahre alt, als sie sich ihr erstes Tattoo stechen ließ: eine Rose am Unterarm. Leipziger Mahmud Celik (32) trägt Totenköpfe und fiese Fratzen auf der Haut: "Das sind alles verarbeitete Emotionen."  © Ralf Seegers

Leipzig - Die Macher des Grassi Museums für Völkerkunde in Leipzig wollen ein "Living Archive" anlegen. Es soll Fotos und Geschichten von Menschen sammeln, die Tätowierungen und Piercings tragen. Am Freitagabend luden die Ethnologen zu einem Fotoshooting ein. Motto: "Du gehörst ins Museum!"

"Das Chrysanthemen-Tattoo an meinem Hals habe ich mir letztes Jahr in Japan stechen lassen", berichtete Nasti van der Weyden nach der Fotosession. Den Körper der 26-jährigen Studentin der Medienwissenschaften zieren dutzende gestochene Bildchen: Blüten, Ranken, Südsee-Schönheiten, ein magisches Auge, eine Matroschka, Sonne und Taschenuhr.

Auch Inspektor Columbo (der Held ihrer Lieblingsserie) und Portraits ihrer Eltern trägt die selbstbewusste tätowierte Beauty auf der Haut. Van Weyden: "Ich mag diese Bildersprache und zeige damit meine Verbundenheit. Als nächstes will ich mir auf den unteren Rücken einen Bonsai-Baum stechen lassen."

Mahmud Celik entblößte im Grassi seinen Oberkörper. Totenköpfe und fiese Fratzen kamen zum Vorschein. Die Welt unter der Haut des 32-Jährigen scheint böse zu sein. Oder trügt der Schein? Der Mann mit den Furcht einflößenden Tattoos zeigte öffentlich auch Zeichen von Verletzlichkeit. Der Leipziger trägt das Bild eines geborstenen Baumes auf einem Unterarm. "Ich bewundere die Kraft der Bäume. Sie widerstehen Stürmen, Blitzen und Unwettern und wachsen trotzig einfach weiter", sagte er.

Celiks Finger der linken Hand sind gezeichnet von Symbolen und Zahlen. Er erklärte: "Sie stehen für meine beiden Kinder." Sie bezeugen aber auch seine Vaterschaft für geliebte, ungeborene Kinder.

Vormerken: Das "Living Archive" wird das Fundament der Ausstellung "(un)covered" bilden. Sie soll ab dem 22. September 2017 bis zum 7. Januar 2018 im Grassi Museum gezeigt werden.

Kann dieser Rücken entzücken? Die Sprache der Tattoos auf dem Kreuz von Mahmud Celik ist 
derb, böse und aggressiv (F.r.). Das mag der Mann aus der Messestadt.
Kann dieser Rücken entzücken? Die Sprache der Tattoos auf dem Kreuz von Mahmud Celik ist derb, böse und aggressiv (F.r.). Das mag der Mann aus der Messestadt.  © Ralf Seegers
Celiks Finger der linken Hand tragen Symbolen und Zahlen. Die Tattoos stehen für seine ungeborenen und 
lebenden Kinder.
Celiks Finger der linken Hand tragen Symbolen und Zahlen. Die Tattoos stehen für seine ungeborenen und lebenden Kinder.  © Ralf Seegers
Beim Fotoshooting mit Hong Nguyen Thai entblätterten sich Männer und Frauen, 
um ihre Tätowierungen und Piercings ins rechte Licht zu rücken.
Beim Fotoshooting mit Hong Nguyen Thai entblätterten sich Männer und Frauen, um ihre Tätowierungen und Piercings ins rechte Licht zu rücken.  © Ralf Seegers
Das Grassi Museum für Völkerkunde sammelt in einem lebendigen Archiv Fotos 
und Geschichten von Menschen und ihrer Körperkunst.
Das Grassi Museum für Völkerkunde sammelt in einem lebendigen Archiv Fotos und Geschichten von Menschen und ihrer Körperkunst.  © Ralf Seegers