Skandal-Schlachthof: Waren Mitarbeiter betrunken?

Der Schlachthof wurde am Donnerstag durchsucht. Ermittler sicherten umfangreiches Beweismaterial.
Der Schlachthof wurde am Donnerstag durchsucht. Ermittler sicherten umfangreiches Beweismaterial.  © DPA

Tauberbischofsheim - Der Skandal um einen Schlachthof im Main-Tauber-Kreis scheint sich auszuweiten: Nun steht der Vorwurf im Raum, Mitarbeiter des Betriebs seien betrunken gewesen.

Das berichtet die Main-Post und beruft sich auf die Strafanzeige, die der Verein "Soko Tierschutz" bei der Staatsanwaltschaft gestellt hat. Demnach wollen die Tierschützer anonym erfahren haben, dass mehrere Mitarbeiter immer wieder im Dienst betrunken waren.

Und: Im Betrieb habe großer Arbeitsdruck geherrscht. Zudem gebe es unter den Mitarbeitern "eine große Unzufriedenheit", wie die Main-Post den Vorsitzenden des Vereins, Friedrich Mülln, zitiert. Das Entgelt der Beschäftigten sei schlecht.

Der Schlachthof wurde am vergangenen Mittwoch von den Behörden geschlossen. Am Donnerstag wurde der Betrieb von Ermittlern durchsucht. Diese fanden dabei umfangreiches Beweismaterial, welches nun gesichtet wird. Die Auswertung wird nach Angaben der Justiz längere Zeit in Anspruch nehmen.

Laut den Tierschützern soll die Stimmung im Schlachtbetrieb schlecht sein, Mitarbeiter immer wieder alkoholisiert arbeiten.
Laut den Tierschützern soll die Stimmung im Schlachtbetrieb schlecht sein, Mitarbeiter immer wieder alkoholisiert arbeiten.  © DPA

Die "Soko Tierschutz" hatte im Schlachthof Videoaufnahmen angefertigt.

Das Material war auf YouTube sichtbar, wurde jedoch mittlerweile entfernt. Dass die Aufnahmen tatsächlich die Zustände im Tauberbischofsheimer Schlachtbetrieb zeigen, davon ist laut Main-Post auch die zuständige Staatsanwaltschaft Mosbach überzeugt.

"Wir gehen davon aus, dass es so ist", zitiert die Zeitung einen Sprecher. In Kürze werde die Strafverfolgungsbehörde demnach die wohl die Originalaufnahmen der Tierschützer bekommen.

Der Schlachthof gehört zur US-Firma OSI, die ihren Europa-Sitz in Gersthofen nahe Augsburg hat. OSI ist ein Lieferant Des Fast-Food-Giganten McDonald's. Täglich wurden in dem Betrieb rund 200 Rinder geschlachtet, an die Burger-Kette gingen davon rund 30 Prozent.

Die Tiere sollen teils ohne ausreichende Betäubung geschlachtet worden sein. Auch massive Gewalt sei den Schlachtrindern widerfahren.

Etwa 200 Tiere wurden in Tauberbischofsheim pro Tag geschlachtet. Etwa ein Drittel des Fleischs nahm der Burger-Riese McDonald's ab.
Etwa 200 Tiere wurden in Tauberbischofsheim pro Tag geschlachtet. Etwa ein Drittel des Fleischs nahm der Burger-Riese McDonald's ab.  © DPA

Titelfoto: DPA


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