Verkehrschaos: Tausende Traktoren rollen durch Berlin

Berlin - Mehrere Tausend Traktoren haben am Dienstagvormittag zahlreiche Straßen der Hauptstadt lahm gelegt. Mehr als 5000 Fahrzeuge aus allen Teilen der Bundesrepublik sind seit den frühen Morgenstunden Richtung Brandenburger Tor unterwegs.

Bauern mit ihren Traktoren stehen vor dem Brandenburger Tor.
Bauern mit ihren Traktoren stehen vor dem Brandenburger Tor.  © dpa/Paul Zinken

Dort soll am Mittag eine Kundgebung gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung beginnen (12 Uhr).

Zu dem Protestzug werden nach Angaben der Veranstalter 10.000 Teilnehmer erwartet. Der Protest richtet sich unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Dadurch würden landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz gefährdet.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigte Verständnis für die Kundgebung, auf der sie ebenso wie Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprechen will.

"Immer mehr wird erwartet von Bauern, auch gerade von den Konsumenten, von uns Verbrauchern, aber es wird immer weniger Bereitschaft gezeigt, dafür mehr zu zahlen", sagte Klöckner im ARD-"Morgenmagazin".

In der Berliner Innenstadt war der Verkehr massiv beeinträchtigt. "Auf allen fünf Demonstrationsrouten kommt es aktuell zu zahlreichen Sperrungen und langen Stau​s, insbesondere im Bereich Charlottenburg, auf der Heerstraße in Wilhelmstadt, am Alexanderplatz in Mitte und auf der B96 aus Norden kommend", twitterte die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ).

Mehrere Tausend Bauern aus ganz Deutschland wollen in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstrieren.
Mehrere Tausend Bauern aus ganz Deutschland wollen in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstrieren.

Die letzten Traktoren werden am Mittag am Großen Stern erwartet. Bereits am frühen Morgen standen Traktoren auf beiden Seiten des Brandenburger Tores. Viele Bauern waren am Morgen in Brandenburg Richtung Berlin aufgebrochen. Auch in den Tagen davor waren Bauern bereits unterwegs, beispielsweise aus Bayern.

Zu der Kundgebung aufgerufen hat die Initiative "Land schafft Verbindung", in der sich Zehntausende Bauern zusammengefunden haben. Mitte November gab es schon Proteste bei der Umweltministerkonferenz in Hamburg, im Oktober fuhren Bauern in mehrere Städte, allein 6000 nach Bonn.

In Berlin und Brandenburg sorgten die Fahrzeuge schon am Morgen im Berufsverkehr für Behinderungen. Die Polizei sprach von 5095 Traktoren, die sie durch Brandenburg begleitet hat. Teilweise gab es bis zu 20 Kilometer lange Konvois. Viele Bauern hatten Plakate daran befestigt.

Auf der Fahrt nach Berlin kam es bei Überholmanövern auch zu Unfällen. Die Brandenburger Polizei rief Autofahrer auf Twitter zur Vorsicht auf: "Überholen Sie nur an übersichtlichen Stellen und wenn Sie die gesamte Überholstrecke überblicken können!"

Der Deutsche Bauernverband kritisierte die aus seiner Sicht zu strengen Umweltschutz- und Düngebeschränkungen. "Der Protest richtet sich gegen die Verschärfungen, die die Landwirtschaft belasten, die aber aus Gründen des Gewässerschutzes nicht erforderlich sind, sondern von vielen Betrieben als Schikane empfunden werden", sagte der Generalsekretär des Verbandes, Bernhard Krüsken, MDR aktuell.

Bauerndemo beendet: 8600 Traktoren rollen Richtung Brandenburg

Bauern fahren im Rahmen der Protestaktion mit ihren Treckern um die Siegessäule.
Bauern fahren im Rahmen der Protestaktion mit ihren Treckern um die Siegessäule.

Update, 16.08 Uhr

Unter lautem Hupen und mit Trillerpfeifen haben sich in Berlin die ersten Bauern-Protestler mit ihren Traktoren auf den Rückweg gemacht.

Die Polizei wollte die Traktoren am Dienstagnachmittag in Konvois über sechs Routen aus der Stadt herausführen, wie ein Sprecher der Polizei Brandenburg sagte.

Die Polizei sprach von einer immensen Herausforderung: 8600 Traktoren waren laut Polizei nach Berlin gerollt. Teilweise bildeten sich Konvois von bis zu zehn Kilometer länge. Um die Bauern auf der Landstraße zu behalten, kontrollierte die Polizei die Auffahrten.

Laut dem Sprecher waren über den Tag 500 Polizisten im Einsatz.



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