Temporäre Mehrwertsteuersenkung: Viele Unternehmen vor Herausforderungen

Deutschlnad – Der Staat hat für die zweite Hälfte von 2020 eine Mehrwertsteuersenkung beschlossen. Hierdurch möchte er die Bürger und die durch die Corona-Pandemie angeschlagenen Unternehmen gleichermaßen unterstützen. 

Für die Betriebe geht diese Steuersenkung jedoch mit einer Vielzahl von Herausforderungen einher. Diese betreffen die Kassensysteme, die Preisauszeichnung, die Buchhaltung und vieles mehr. Zudem haben Steuerberater aktuell einen massiven Mehraufwand.

Die Senkung der Mehrwertsteuer bringt für Unternehmen viel Arbeit mit sich.
Die Senkung der Mehrwertsteuer bringt für Unternehmen viel Arbeit mit sich.  © pixabay.de © Michal Jarmoluk

Die Umstellung der Kassensysteme

Eine große Aufgabe, die für die Unternehmen durch die Mehrwertsteuersenkung ansteht, ist die Umstellung der Kassensysteme. Immerhin müssen auf den Bons die korrekten Mehrwertsteuersätze aufgeführt sein. Schon jetzt sind viele Branchenspezialisten ausgebucht und den Unternehmen fällt es schwer, geeignete Experten für die Umstellung zu finden. 

Das liegt daran, dass die Umstellung kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ebenso betrifft wie große Konzerne, und somit wirklich alle Hilfe bei der Umstellung brauchen. In einer solchen Situation ist es von Vorteil, eine eigene IT-Abteilung zu haben, die sich mit solchen Aufgaben auskennt.

Zudem müssen Unternehmen schon jetzt für das Jahr 2021 planen, wenn die Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht wird

Das bedeutet, dass Ende des Jahres wieder ein massiver Bedarf an Kassenspezialisten bestehen wird, die sich darum kümmern, die heute vorgenommenen Umstellungen wieder rückgängig zu machen. Es bleibt abzuwarten, ob die Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung auf den Handel so massiv ausfallen werden, dass sie diesen großen Aufwand rechtfertigen.

Die Buchhaltung lässt sich mittlerweile nur noch mit professionellen Abrechnungstools sinnvoll meistern.
Die Buchhaltung lässt sich mittlerweile nur noch mit professionellen Abrechnungstools sinnvoll meistern.  © pixabay.de © William Iven

Die Preisauszeichnung in den Geschäften

Eine weitere Aufgabe für Ladengeschäfte besteht darin, die einzelnen Artikel in den Regalen neu auszupreisen. Immerhin sollen die Kunden nicht das Gefühl haben, sie müssten trotz der Senkung die alten Preise bezahlen. 

Je nach Größe des Geschäfts kann diese neue Preisauszeichnung viel Arbeit bedeuten. Das gilt insbesondere deshalb, weil die Steuersenkung nicht von Dauer ist, sondern Ende des Jahres wieder rückgängig gemacht wird.

Viele Unternehmen gehen deshalb einen anderen Weg. Sie lassen die alten Preise an den Waren und Regalen stehen und nehmen die Preissenkung bei der Abrechnung an der Kasse vor. Damit die Kunden dieses Vorgehen unterstützen, werden sie durch Aushänge und Schilder darüber in Kenntnis gesetzt. Auch solche Hinweisschilder müssen bezahlt werden. 

Die Buchhaltung im Geschäftsjahr 2020

Eine besonders große Herausforderung stellt in diesem Jahr die Buchführung der Betriebe dar. Das liegt vor allem daran, dass die Steuersätze im Jahresverlauf nicht einheitlich sind, sondern in der ersten Jahreshälfte noch die normalen Steuersätze galten. 

Das bedeutet, dass bei der Buchführung unterschiedliche Zeiträume jeweils anders berechnet werden müssen. Das gilt für Materialeinkäufe ebenso wie für den Verkauf von Waren und Dienstleistungen sowie die Lohnabrechnung. Gerade für große Betriebe mit vielen Mitarbeitern stellt das eine große Herausforderung dar.

Immer mehr Unternehmen entscheiden sich dafür, technische Hilfsmittel bei der Buchführung zu nutzen. Vor allem Lohnprogramme für die Buchhaltung sind stark nachgefragt. Diese ermöglichen eine schnelle und professionelle Buchführung, die unter anderem beim Jahresabschluss gute Dienste leistet. 

Insbesondere KMU nutzen solche Tools, um sich die Kosten für einen Steuerberater zu sparen. In großen Konzernen sind sie ebenfalls sehr nützlich, weil die Lohnabrechnung für viele Angestellte damit einheitlich und effizient gelingt.

Für Steuerberater bringt die kurzzeitige Steuersenkung einen erheblichen Mehraufwand.
Für Steuerberater bringt die kurzzeitige Steuersenkung einen erheblichen Mehraufwand.  © pixabay.de © Andreas Lischka

Bürokratie bei Verträgen und Rechnungen

Gerade bei Verträgen und Rechnungen zeigen sich die Herausforderungen, die eine Mehrwertsteuersenkung mit sich bringt. Viele Betriebe hatten mit Zulieferern und Kooperationspartnern Verträge abgeschlossen

Diese mussten nun neu ausgestellt und teilweise neu verhandelt werden. Das war und ist mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Dasselbe gilt für Rechnungen, die ausgestellt werden mussten und müssen. Hier waren Anpassungen nötig, um allen rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Die Betriebe hatten in den letzten Monaten daher kaum Zeit, sich auf ihre eigentlichen Kernkompetenzen zu besinnen. Zu beschäftigt waren sie damit, die technischen und praktischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umstellung der Mehrwertsteuersenkung zu schaffen. All dies muss am Ende des Jahres wieder rückgängig gemacht werden, was erneut mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden sein wird.

Verschiebung von Aufträgen

Im Vorfeld der Einführung der Mehrwertsteuersenkung hat sich für viele Unternehmen bereits ein Problem gezeigt: Viele Kunden haben Aufträge verschoben. Die neuen Steuersätze gelten erst seit Juli 2020, weswegen die Kunden sich dafür entschieden haben, erst ab diesem Zeitpunkt neue Aufträge zu erteilen

Sie möchten so von den vergünstigten Preisen profitieren. Für die Unternehmen bedeutete das, dass der Start bestimmter Projekte verschoben werden musste und dass es im Juni plötzlich kaum noch etwas zu tun gab.

Deswegen waren die meisten Unternehmer gegen eine Verschiebung der Einführung der neuen Steuersätze. Befürworter argumentierten, dass den Betrieben dadurch mehr Zeit bliebe, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und die technischen Anpassungen vorzunehmen. 

Die Betriebe befürchteten jedoch, dass der Schwebezustand aus dem Juni, bei dem Aufträge ausblieben, sich sonst nur noch länger hingezogen hätte. Deswegen haben sie in den sauren Apfel gebissen und die zeitnahe Einführung der Mehrwertsteuersenkung mitgetragen.

Steuerberater haben einen erheblichen Mehraufwand

Zu den Berufsgruppen, die am stärksten von den Veränderungen bei der Mehrwertsteuer betroffen sind, gehören Steuerberater. Diese berichten, dass ein massiver Mehrbedarf an Beratung besteht. Hinzu kommt, dass auch die Steuerbetriebe ihre Warenwirtschafts- und Buchhaltungssysteme umstellen müssen. 

Nicht zuletzt zeigen zahlreiche Fallbeispiele, dass auch die Finanzämter mit der Situation gelegentlich überfordert sind und kaum noch mit ihrer Arbeit hinterherkommen. 

Viele Steuerberater gehen davon aus, dass die Umstellung der Systeme einige Monate in Anspruch nehmen dürfte und erst ab September wieder ein Normalbetrieb möglich sein wird. Dasselbe gilt für die Unternehmen der diversen Branchen, die von der Mehrwertsteuersenkung betroffen sind. 

Hinzu kommt, dass diese Umstellungen teils hohe Kosten verursachen. Der Handel geht von nötigen Investitionen in einem hohen zweistelligen Millionenbereich aus. An vielen Stellen regt sich Zweifel, ob die zu erwartenden positiven Effekte diesen ganzen Aufwand wert sind.

Titelfoto: pixabay.de © Michal Jarmoluk


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