Tumulte, Manipulation, Eskalation: Tennis Borussia vor der Selbstzerstörung!

Berlin - Die verfeindeten Lager wurden handgreiflich! Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom Berliner Traditionsverein Tennis Borussia kam es am Donnerstagabend zu unfassbaren Szenen. Im Mittelpunkt: Der Streit zwischen der aktiven Fanszene und dem Vorstand.

Der Ex-Bundesligist spielt momentan in der fünftklassigen Oberliga. (Bildmontage)
Der Ex-Bundesligist spielt momentan in der fünftklassigen Oberliga. (Bildmontage)

Der Ablauf war offensichtlich skandalös!

Es kam zu unschönen Szenen, tumultartigem Gerangel, jeder Menge ungeordneter Diskussionen, zu drastischen Äußerungen und zu einer Aufsichtsrats-Wahl, die an Lächerlichkeit gar nicht zu überbieten war.

Der komplexe Konflikt ist der unfassbare Höhepunkt einer Entwicklung, die den Verein in die pure Selbstzerstörung führt und man sich folgende Frage stellt: Wem gehört der Verein? Aber der Reihe nach.

Es ist der Kampf zwischen der "Abteilung Aktive Fans" und dem umstrittenen Geldgeber und Vorstandsvorsitzenden Jens Redlich (38).

Der Vorwurf: Die organisierten Anhänger des Oberligisten werfen Redlich vor, den Traditionsverein aus Berlin-Charlottenburg gekapert zu haben.

Jene Fans, die den Verein einst vor dem Ruin retteten, wollen natürlich weiterhin auf ihr Mitsprache-Recht pochen. Bei den TeBe-Fans unvergessen, wie die Anhänger nach der Berg- und Talfahrt durch den Berliner Fußball immer wieder die Treue hielten und den Verein auch in der sechstklassigen Berlin-Liga mit mehreren hundert Fans bei Spielen unterstützten.

Bislang der letzte größere Auftritt von TeBe 2008/2009: In der ersten Runde des DFB-Pokal trafen die Berliner auf Energie Cottbus. Im Mommsenstadion mussten sich die "Lila-Weißen" mit 0:3 geschlagen geben. (Bildmontage)
Bislang der letzte größere Auftritt von TeBe 2008/2009: In der ersten Runde des DFB-Pokal trafen die Berliner auf Energie Cottbus. Im Mommsenstadion mussten sich die "Lila-Weißen" mit 0:3 geschlagen geben. (Bildmontage)  © DPA

Tennis Borussia feierte in seiner Historie große Erfolge und schnupperte sogar in den 1970er Jahren Bundesliga-Luft. Auch in Liga zwei sorgten die "Lila-Weißen" von 1998-2000 für Furore.

Genauso wie die positiven Erinnerungen prägte auch Leidenszeiten den Verein.

Nach zwei Insolvenzen, dubioser Investoren und dem Abstieg aus der 2. Bundesliga bis in die Verbandsliga, konnte TeBe trotz finanzieller Not am Leben erhalten werden.

Im Anschluss an die wirtschaftlichen Regeneration gelang 2015/2016 der Aufstieg in die Oberliga und somit der unmittelbare Kontakt zum Profi-Fußball.

Dass dieser Verein einzigartig ist, fiel auch Ex-Spieler Jens Redlich auf.

Mit seinem Fitnessketten-Unternehmen "crunchfit" erkaufte er sich die Hauptsponsor-Position und wollte zur Erfüllung des Ziels, Aufstieg in die Regionalliga, einen Hauptteil beitragen.

Aufgrund einer wiederkehrenden Finanznot 2017 übernahm Redlich netterweise die kompletten Schulden, investierte bislang rund 2,5 Millionen Euro, verhinderte die erneute Insolvenz und bekam im Gegenzug den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Soweit nichts Verwerfliches.

Doch Redlich wollte mehr - viel mehr! Vor allem war sein Wille den Einfluss der Fans einzuschränken, um eine autoritäre Entscheidungsgewalt zu besitzen, mächtig groß. Dementsprechend warf er Leute aus dem Verein, die anders denken und ihn in seiner Führung des Vereins beeinträchtigen können.

Mister TeBe? Jens Redlich, der höchst umstrittene Vorstandsvorsitzende von Tennis Borussia.
Mister TeBe? Jens Redlich, der höchst umstrittene Vorstandsvorsitzende von Tennis Borussia.

Gefundenes Fressen für die politisch linksorientierten Anhänger, die Redlichs Übernahme verhindern wollten. Aufgrund des massiven Drucks der aktiven Fanszene wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen.

Die inoffizielle Marschroute der Fans - Redlich von seinen Ämtern stürzen und endlich wieder zu alten Werten zurückkehren. Während der TeBe-Anhang die Veranstaltung herbeisehnte, bereitete Redlich den absoluten Super-Gau vor.

Bei der gestrigen außerordentlichen Mitgliedsversammlung kam es zur Wahl von fünf der sieben Aufsichtsrat-Mitgliedern. Beeindruckend: Die Zahl an teilnehmenden Mitgliedern war überraschend hoch.

Teil des Redlich-Plans: fremde Leute als neue Mitglieder installieren, die dann aufgrund der löchrigen Vereins-Statuten Wahlrecht besitzen und anschließend die Kandidaten des Investors mit ihrer Stimme in den Aufsichtsrat bringen.

"Es stellt sich in Gesprächen heraus, dass offenbar gezielt Menschen…nennen wir es…angeworben wurden für diese Mitgliederversammlung", twitterte der Journalist Sören Kohlhuber.

Der Manipulations-Plan ging auf: Zwei Drittel der 570 Stimmen gingen die Redlich-Kandidaten. Übrigens, die "neuen" Mitglieder verabschiedeten sich direkt nach der Stimmenabgabe.

Die anwesenden aktiven Fans waren schockiert. "Mitglieder kamen zur Versammlung etwa doppelt so viele wie sonst. Viele unbekannte Gesichter, viele Bulgaren, die meinten, dass ihr Boss sie geschickt habe. Der Verein wurde heute beerdigt", erklärte Vereinsmitglied Denis Roters im "Tagesspiegel". Redlich sprach von normaler "Akquise", um den Verein größer zu machen.

Wie krass diese Mitgliederversammlung ausartete, zeigte auch, dass der Hashtag #tebemv bundesweit als Top1 auf Twitter trendete. Anteilsbekundungen von Fans bilden das einprägsame, digitale Protokoll dieses denkwürdigen Abends.

Mehr zum Thema Berlin:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0