Protest gegen Vereinsführung: Vergraulte Tennis Borussia-Fans gehen fremd!

Berlin - In Zeiten der Kommerzialisierung des Fußballs sinkt das Mitsprache-Recht der Fans. Während Vereinen teilweise Umsatzzahlen wichtiger sind, als das Wohlergehen der eigenen Anhänger, leiden einige Liebhaber des runden Leders am nie endeten Zug der Modernisierung. In Berlin zeigt die Anhängerschaft von Tennis Borussia eine kreative Form des Protestes gegen die eigene Vereinsführung.

Mister TeBe? Jens Redlich, der höchst umstrittene Vorstandsvorsitzende von Tennis Borussia.
Mister TeBe? Jens Redlich, der höchst umstrittene Vorstandsvorsitzende von Tennis Borussia.

Schockstarre, fehlende Worte oder elende Leere zierten die Gesichter der gefrusteten aktiven Fans von Tennis Borussia, als sie die Räumlichkeit, in der zuvor die Mitgliederversammlung für das mögliche Ende ihres Fußballvereins sorgte.

Der Klub, der durch seine individuelle Art für bundesweites Aufsehen sorgte, zerbricht durch unfassbar egoistische und engstirnige Entscheidungen, die einem Fan-Verein den Verlust seiner Seele kostete.

Das womöglich tragische Ende eines Klubs, der durch zahlreiche Fan-Aktionen nach der Insolvenz wieder zu einem der besten Vereine der Hauptstadt reifte, hängt fest mit der Person Jens Redlich zusammen.

Der Vorstandsvorsitzende drückte bei der skandalösen Mitgliederversammlung fünf seiner Kandidaten in den Aufsichtsrat, sodass Redlich nun volle Entscheidungsgewalt besitzt (TAG24 berichtete).

Vor allem die Art der Stimmen-Gewinnung zeigen die autokratischen Absichten des 38-jährigen auf. Der Vorwurf: Er soll sich Stimmen durch Neu-Mitglieder "erkauft" haben, die kurz vor der Versammlung eingetreten waren, kein Deutsch sprachen, zugaben, dass sie von Redlich animiert wurden, um seine Kandidaten zu wählen.

Nach dieser höchst fragwürdigen Machtübernahme wendeten sich die aktiven TeBe-Fans "vorerst" vom Verein ab und suchten nun nach einem anderen Wochenends-Zeitvertreib. Mit einer Zeitungs-Annonce beginnend, wurde die spaßig wirkende Message "Kleine engagierte Fan-Szene mit dreistelligem Mobilisierungspotenzial sucht vorübergehend Verein" in die Tat umgesetzt.

Über 200 Fans begleiteten die erste Etappe der #caravanoflove-Tour nach Friedrichshain.
Über 200 Fans begleiteten die erste Etappe der #caravanoflove-Tour nach Friedrichshain.  © Screenshot Twitter B.A.F.F.

Unter dem Motto "#caravanoflove" bereist der lila-weiße Mob die unteren Ligen der Hauptstadt.

Nachdem es bundesweite Anfragen gab, startete die Kampagne vor zwei Wochen bei Blau-Weiß Friedrichshain.

Mehr als Ungewöhnlich, der Kreisligist spielt auf einem Kunstrasenplatz, der sich auf einem Kaufhaus-Dach befindet und den außergewöhnlichen "Namen Metro-Fußballhimmel" besitzt.

Ungefähr 200 Leute der aktiven Fanszene von TeBe unterstützten die "Rooftop Boys" mit spontan kreierten Fan-Gesängen, die sich nach dem Spiel mit der La Ola-Welle bedankten.

Eine Woche später hielt die lila-weiße Tour am Eichkamp. Nicht das geliebte Mommsenstadion, sondern der Sportplatz von Tus Makkabi war Schauplatz der party-freudigen Fan-Meute. Auch hier überstrahlten die circa 150 Zuschauer die eher mittelmäßige Berlin-Liga-Partie.

An diesem Wochenende kam es zum ersten Auftritt beim Frauen-Fußball. Für die lila-weiße "Party-Army" ist dies eine besondere Herzensangelegenheit. Die Frauen-Abteilung von Tennis Borussia galt lange eine der Stärksten der Stadt, bis nach Zerwürfnissen mit dem Vorstand (Jens Redlich), die finanzielle Förderung des Frauen-Fußballs zurückgeschraubt wurde.

Für die aktiven Fans ein Dorn im Auge, die Werte wie Gleichbehandlung als einer der wichtigsten Tugenden vertreten.

Wie sich die Fan-Angelegenheiten von Tennis Borussia entwickeln, bleibt abzuwarten. Die fehlenden Fans am Samstag, als das Oberliga-Team das erste Heimspiel des Jahres absolviert hatte, wurden wahrscheinlich schmerzlich vermisst. Die Rückkehr zurück zu TeBe ist weiter offen, trotzdem werden die Fans unter der jetzigen Vereinsführung wahrscheinlich keinen Fuß in das Mommsenstadion setzen.

Logos des Protests: Die #caravanoflove-Tour wirbt für die "We save TeBe"-Kampagne!
Logos des Protests: Die #caravanoflove-Tour wirbt für die "We save TeBe"-Kampagne!  © Screenshot Facebook

Mehr zum Thema Berlin:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0