Terror in Berlin: Anschlag war eigentlich auf Einkaufszentrum geplant

Berlin - War der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz nur eine kurzfristig gewählte Alternative für Anis Amri? Ein Einblick in bisher unbekannte Ermittlungsakten bestätigt diesen Verdacht!

Dieses Einkaufszentrum im Berliner Stadtteil wollten Anis Amri und seine Komplizen in die Luft sprengen.
Dieses Einkaufszentrum im Berliner Stadtteil wollten Anis Amri und seine Komplizen in die Luft sprengen.

Zwölf Menschen nahm der islamistische Attentäter Anis Amri am 19. Dezember 2016 das Leben. Zunächst erschoss er den polnischen Fahrer eines Lkw, anschließend raste er mit dem gestohlenen Kraftfahrzeug in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Mit dem Fahrzeug als Waffe tötete er weitere elf Menschen, 55 wurden verletzt.

Nun zeigt eine Recherche des "rbb": Der Anschlag war eher eine Art Ausweichmanöver! Eigentlich wollte Amri sich gemeinsam mit anderen Islamisten im Berliner Gesundbrunnen-Center in die Luft sprengen.

Ein solcher Anschlag war von den Beteiligten lange geplant worden:

Über mehrere Monate hinweg hatten sie bereits genügend Sprengstoff besorgt, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen!

Polizei verhinderte Anschlag, wohl ohne es zu wissen

Mit diesem Lkw tötete Anis Amri elf Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt.
Mit diesem Lkw tötete Anis Amri elf Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt.  © Michael Kappeler/dpa

Lediglich ein, mehr oder weniger, zufälliger Besuch bei einem Freund von Amri verhinderte vermutlich die Pläne der Terroristen. So sollen Berliner Polizisten im Oktober 2016 an der Türe eines radikal und gewaltbereit geltenden Islamisten geklingelt haben, um eine Personenüberprüfung durchzuführen.

Laut Ermittlungsergebnissen soll dieser unerwartete Besuch die Islamisten aufgeschreckt und von ihrem ursprünglichen Plan abgebracht haben.

Erst im August letzten Jahres fand die Polizei den Sprengstoff, der für den Anschlag auf das Gesundbrunnen-Center vorgesehen war!

Gelagert wurde es in der Wohnung eines mittlerweile verhafteten Islamisten im Berliner Stadtteil Buch.

Instagram zur Anschlagsplanung

Die Verhaftung von Magomed-Ali C. im August 2018, in deren Rahmen auch der Sprengstoff in seiner Wohnung gefunden wurde.
Die Verhaftung von Magomed-Ali C. im August 2018, in deren Rahmen auch der Sprengstoff in seiner Wohnung gefunden wurde.  © Uli Deck/dpa

Zwei weitere Spuren brachten die Ermittler auf den geplanten Anschlag auf das Berliner Gesundbrunnen-Center.

Als Vorbereitung auf den Anschlag soll einer der Komplizen auf einen Instagram-Account der Terroristen ein Foto des Gesundbrunnen-Centers hochgeladen haben.

Nur einen Tag später hielt sich Anis Amri dort, von der Polizei unbemerkt, über 40 Minuten auf!

Weitere Hinweise ergaben abgehörte Telefonate eines inhaftierten Islamisten mit seinem Vater. In diesen soll auch über den missglückten Anschlagsplan auf das Einkaufszentrum und den überraschenden Besuch der Berliner Polizisten geredet worden sein. Das ergebe sich laut "rbb" aus den vorliegenden Unterlagen.

Wäre die Polizei nicht aufgetaucht, hätte er sich mit seinen Freunden in die Luft gesprengt, soll der Inhaftierte gesagt haben.

Nachdem der ursprüngliche Plan scheiterte, soll sich Amri eher kurzfristig und ohne lange Planung für die Terror-Fahrt auf dem Breitscheidplatz entschieden haben.

Täglich besuchen gut 33.000 Menschen das Gesundbrunnen-Center. Wer es schon einmal besucht hat, weiß, dass sich dort Personen aller Gesellschaftsschichten, Hautfarben und Religionen aufhalten: Ein Anschlag hätte somit ebenfalls ganz Berlin getroffen.

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