Terror in London: Polizei nimmt 18-Jährigen fest

Ermittler untersuchen den Tatort.
Ermittler untersuchen den Tatort.  © Uncredited/POOL/AP/dpa

London - Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn hat die britische Regierung die Sicherheitsvorkehrungen im Land verschärft. Soldaten wurden zur Bewachung wichtiger Einrichtungen eingesetzt, Militärpatrouillen sorgten für zusätzlichen Schutz.

In Großbritannien gilt inzwischen die höchste Terrorwarnstufe. Das sagte Premierministerin Theresa May am Freitagabend im BBC-Fernsehen. Die Warnstufe fünf bedeutet, dass die britischen Behörden einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag für möglich halten.

Bei der Explosion einer selbstgebauten Bombe in einer voll besetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green waren am Freitag mindestens 29 Menschen verletzt worden. Die Haltestelle wurde am frühen Samstagmorgen wieder für den Betrieb freigegeben.

Die Polizei fahndete mit Hochdruck nach dem Täter oder den Tätern. Es werde "Jagd auf Verdächtige" gemacht, sagte Scotland Yards Anti- Terror-Chef Mark Rowley. "Unsere Ermittlungen schreiten mit großer Geschwindigkeit voran." Einzelheiten zu den Verdächtigen oder der Bombe wollte Rowley aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Nach einem Bericht des "Guardian" wurden bereits Video-Aufzeichnungen aus Überwachungskameras ausgewertet, auf denen zu sehen ist, wie der Bombenleger mit dem Sprengsatz in die U-Bahn einsteigt.

Eine verletzte Frau wird in der Nähe der U-Bahn Station Parsons Green, wo es eine Explosion gegeben hat, von einer Polizistin begleitet.
Eine verletzte Frau wird in der Nähe der U-Bahn Station Parsons Green, wo es eine Explosion gegeben hat, von einer Polizistin begleitet.  © Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Die IS-Terrormiliz reklamierte den Anschlag für sich. Ein Kämpfer des Islamischen Staates habe die Tat ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Freitagabend im Internet. In einer weiteren Nachricht hieß es, dass es "Soldaten des Kalifats" gelungen sei, mehrere Sprengsätze zu platzieren, von denen einer 30 Menschen getroffen habe.

Das Schlimmste komme jedoch noch, hieß es über die üblichen Kanäle, über die der IS auch in der Vergangenheit schon Anschläge für sich reklamiert hatte.

Die Bombe in London explodierte gegen 08.20 Uhr mitten im morgendlichen Berufsverkehr. Die Station Parsons Green liegt im westlichen Zentrum der Millionenmetropole, nahe dem Stadion des Fußballclubs FC Chelsea. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer "Feuerwand" beziehungsweise einem "Feuerball" in der Bahn.

Großbritannien ist damit bereits zum fünften Mal in diesem Jahr Ziel eines Anschlags geworden. Bei vier früheren Anschlägen in London und Manchester in diesem Jahr waren insgesamt 36 Menschen ums Leben gekommen, drei der Attacken gingen auf das Konto von Islamisten.

Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester ausgerufen worden. Dort waren 22 Menschen getötet worden.

Update 12.25 Uhr: Die Terrorwarnung in Großbritannien bleibt auf der höchsten Stufe. Das bedeutet, ein (weiterer) unmittelbar bevorstehender Anschlag gilt als möglich.

"Wir haben eine bedeutende Festnahme im Rahmen unserer Ermittlungen heute Morgen gemacht. Obwohl wir zufrieden sind mit dem Fortschritt, gehen die Ermittlungen weiter und die Terrorgefahr bleibt kritisch", sagte ein Polizeisprecher der Mitteilung zufolge.

Die Polizeipräsenz wurde für das Wochenende in ganz Großbritannien stark erhöht. Auch das Militär solle zum Schutz von Einrichtungen und Bürgern eingesetzt werden.

Update 12.00 Uhr: Einen Tag nach dem Anschlag in einer Londoner U-Bahn mit 30 Verletzten hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Der 18-jährige Mann wurde im Hafenbereich von Dover am Samstagmorgen in Gewahrsam genommen. Das teilte Scotland Yard mit.

Der Pizzabäcker Teo Catino schneidet Pizza in London. Catino verschenkte Pizza und Wasser um sich bei den Rettungs- und Sicherheitskräften zu bedanken.
Der Pizzabäcker Teo Catino schneidet Pizza in London. Catino verschenkte Pizza und Wasser um sich bei den Rettungs- und Sicherheitskräften zu bedanken.  © Philip Dethlefs/dpa
Bei der Explosion einer selbstgebauten Bombe waren am Freitag mindestens 29 Menschen verletzt worden.
Bei der Explosion einer selbstgebauten Bombe waren am Freitag mindestens 29 Menschen verletzt worden.  © Uncredited/Sylvain Pennec/dpa

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