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Terrorexperte sicher: Wir züchten die Islamisten in Flüchtlingsheimen

Terrorismusexperte Shams Ul-Haq über die derzeitige Situation in den Heimen und die Gefahren.

Von Thomas Schmitt

In einem Erstaufnahmelager in Ostdeutschland: Terrorexperte Shams Ul-Haq recherchierte verdeckt in Flüchtlingsheimen.
In einem Erstaufnahmelager in Ostdeutschland: Terrorexperte Shams Ul-Haq recherchierte verdeckt in Flüchtlingsheimen.

Dresden – Als 15-Jähriger kam er mit einer Schleuserbande nach Deutschland: Shams Ul-Haq ist 1990 aus Pakistan geflohen, landete zunächst im Westerwald. Nur so entkam er dem Gefängnis in seiner Heimat und möglicher Folter bis zum Tod. Seine Familie wurde aus wirtschaftlichen und politischen Motiven verfolgt. Der Journalist kennt das Schicksal von Flüchtlingen.

Unter falschen Namen hat er sich seit 2015 in Asylbewerberheime in Deutschland (unter anderem in Dresden, Berlin, Potsdam, Eisenhüttenstadt), Österreich und der Schweiz eingeschlichen, dort verdeckt recherchiert. Immer wieder ist der Terrorismusexperte in Krisenländern wie Syrien oder im Iran unterwegs.

Im Gespräch mit TAG24-Redakteur Thomas Schmitt verrät Ul-Haq (Jahrgang 1975), wie die Zustände in Flüchtlingsheimen den Terror fördern, analysiert die Allianzen zwischen den Islamisten von Al Kaida, IS und Taliban und benennt die Ursachen eines zunehmenden Anschlagsrisikos.

TAG24: Nach den Anschlägen in Großbritannien: Wie groß ist die Gefahr in Deutschland?

Shams Ul-Haq: Der Islamische Staat (IS) hat über die Social-Media-Kanäle im Monat Ramadan (Der Fastenmonat geht in diesem Jahr vom 27. Mai bis 24. Juni - d. Red.), dem heiligsten Monat der Muslime, zum Dschihad aufgerufen und dazu, die „Ungläubigen“ in Europa umzubringen. Deshalb sehe ich schon die Gefahr, dass auch in Deutschland noch ein Terroranschlag in diesem Zeitraum möglich ist. Aber es könnte auch eine Taktik sein.

TAG24: Inwiefern?

Shams Ul-Haq: Alle haben sich nach Manchester und London auf Europa konzentriert. Und plötzlich hat der IS das Parlament im Iran angegriffen. Es kann also sein, dass es Anschläge gibt in Ländern, in denen wir es gar nicht erwarten, auch in Europa. Die Gefahr in Deutschland bleibt auf jeden Fall in den nächsten Monaten groß, so lange die Bundeswehr die Einsätze innerhalb der Anti-IS-Koalition in Syrien nicht stoppt.

IS-Kämpfer in Syrien: Die Dschihadisten sind bestens vernetzt und operieren längst weltweit.
IS-Kämpfer in Syrien: Die Dschihadisten sind bestens vernetzt und operieren längst weltweit.

TAG24: Warum Teheran?

Shams Ul-Haq: Für mich ist das nicht überraschend. Es gibt kein Land auf der Welt, das sicher ist, auch nicht der Iran. Der iranische Geheimdienst hat den IS möglichst verschwiegen. Dabei ist der IS schon längst im Land. Der schiitische Iran kämpft mit am stärksten in Syrien gegen den IS. Und der IS wartete nur auf den richtigen Zeitpunkt, um zurückzuschlagen.

TAG24: Wer ist am gefährlichsten: IS, Al Kaida oder Taliban?

Shams Ul-Haq: Im Grunde gibt es nur eine Terrororganisation. Und dazu gehören alle Islamisten. Der IS, die Al-Nusra-Front, Taliban, Al Kaida, Boko Haram – letztlich arbeiten sie alle zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Sie haben längst eine Allianz gegründet. Ihr Ziel ist das gleiche: Unruhe schüren, „Ungläubige“ umbringen und einen eigenen islamischen Staat bilden. Nur der IS ist sozusagen vorne an der Front, verbreitet am meisten Angst.

TAG24: Ist der IS in Syrien oder im Irak aber nicht längst im Niedergang?

Shams Ul-Haq: Glauben Sie nicht, dass das Kalifat nicht mehr so stark ist. Der IS hat längst entsprechende Strategien und Strukturen aufgebaut - mit kleinen Gruppierungen und Netzwerken.

TAG24: Wie steht es denn mit der Expansion des IS - beispielsweise in Richtung Afghanistan oder in den südasiatischen Raum?

Shams Ul-Haq: Die sind schon längst da und weit entwickelt. Wenn Afghanistan und Pakistan sagen, dass es den IS bei ihnen nicht gibt, dann lügen sie, dann haben sie Angst. Der IS ist längst in Malaysia, in Indien, in Birma. Auch in arabischen Ländern wie in Katar. Arabische Länder schicken Geld nach Deutschland, um den IS zu unterstützen, um hier deutsche Gruppierungen zu unterstützen.

Kam aus Pakistan und ist inzwischen deutscher Staatbürger: Undercover-Journalist und Islam-Experte Shams Ul-Haq.
Kam aus Pakistan und ist inzwischen deutscher Staatbürger: Undercover-Journalist und Islam-Experte Shams Ul-Haq.

TAG24: Wie läuft das?

Shams Ul-Haq: Nehmen Sie zum Beispiel Salafisten. Die haben mit dem IS nichts zu tun, aber die Salafisten legen die Samen, dass sich die jungen Leute zum IS begeben. Der Salafist sagt niemals: "Du sollst zum IS gehen." Aber er motiviert die Leute, pusht sie.

TAG24: Wieso werden junge Leute zu Attentätern, die in europäischen Ländern aufgewachsen sind?

Shams Ul-Haq: Man muss sehen, was in Moscheen, in Internetcafes, in Muslimvereinen passiert. Da werden junge Leute extra für sich gewonnen. Dort wird vom großen Dschihad geredet. Diese Moscheen, diese Gruppierungen müssen wir viel mehr kontrollieren. Es müssen auch härtere Strafen ausgesprochen werden. Und wenn in einer Moschee Hass gepredigt und Terror geplant wird, dann muss sie geschlossen werden. Die haben im Islam nichts zu suchen. Das hat der Prophet Mohammed schon so gesagt.

TAG24: Wer ist am leichtesten verführbar?

Shams Ul-Haq: Junge Leute, die meistens keine Ausbildung, keine Arbeit haben. Ein vernünftiger junger Muslim, der eine Ausbildung hat, der ein Ziel hat, der geht dort nicht hin. Zum Beispiel: Wenn ein junger Mann Probleme zu Hause hat, sich nicht traut mit Eltern, Lehrern oder dem Imam darüber zu reden, wird der IS das Paradies für ihn. Er schaut sich die Propaganda im Internet an und ihm wird versprochen: „Du bist der Pascha bei uns, du kriegst Frauen, Macht.“

Zwei junge Frauen trauern nach dem Anschlag auf der London-Bridge – der IS will Unruhe und Angst in Europa verbreiten.
Zwei junge Frauen trauern nach dem Anschlag auf der London-Bridge – der IS will Unruhe und Angst in Europa verbreiten.

TAG24: Wie groß ist die Terrorgefahr durch Flüchtlinge?

Shams Ul-Haq: Sehr groß. Unter den Millionen Flüchtlingen, die unkontrolliert nach Europa gekommen sind, sind viele Schläfer (inaktive Terroristen, die zu Attentaten bereit sind - d. Red.), auch viele Leute, die für den IS, Al Nusra oder Al Kaida gearbeitet haben.

TAG24: Was macht diese Flüchtlinge so gefährlich?

Shams Ul-Haq: In Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Iran kontrolliert keiner die Imame. Dort wird bei Kindern in Koranschulen schon Gehirnwäsche betrieben. Das hat schon vor mehr als zehn Jahren angefangen. Diese Kinder sind schon groß. Denen wurde vor allem eines beigebracht: "Ungläubige" umbringen. Wenn Sie einem Kind nur das beibringen, und es ist heute 15, 16 Jahre alt, dann ist dieser Jugendliche bereit, sich mit einer Bombe in die Luft zu sprengen.

TAG24: Wo lauert außerdem Gefahr?

Shams Ul-Haq: Wir züchten die Terroristen in Flüchtlingsheimen selber. Schuld sind die zum Teil schlimmen Zustände in den Flüchtlingsheimen. Zum Beispiel: Wenn das Essen dort schlecht ist, man dort nicht beten kann, Kinder misshandelt werden, Leute von Sicherheitsleuten geschlagen werden, dann reicht es, wenn nur ein Islamist darunter ist, der dann ständig in der Gruppe hetzt: "Was machen die Deutschen hier mit uns?"

Blumen und Kerzen erinnern an den Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin.
Blumen und Kerzen erinnern an den Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin.

TAG24: In Deutschland wird gefordert, schon Kinder zu überwachen. Muss das sein?

Shams Ul-Haq: Wir haben viele Kinder hier reingelassen ohne Eltern. Wir wissen nicht, wie sie denken. Diese Kinder brauchen Familien, viel Unterstützung von Sozialpädagogen. Muslimische Kinder brauchen vernünftige Imame. Es muss viel Sozialarbeit geleistet werden, statt sie zu überwachen. Wenn, dann muss man die mit Liebe überwachen. Wir müssen auf die Leute zugehen. Man muss die Leute mit Warmherzigkeit aufnehmen. Dann haben wir eine Chance, diese Jugendlichen in Deutschland für uns zu gewinnen und sie sich nicht in die falsche Richtung entwickeln zu lassen.

TAG24: Wie radikalisieren sich Flüchtlinge überhaupt in den Heimen?

Shams Ul-Haq: Die Flüchtlinge haben in den Heimen alle Zeit der Welt. Die haben den ganzen Tag nichts zu tun. Dann kommen Salafisten, die sich häufig als ehrenamtliche Mitarbeiter gemeldet haben. Die haben sich die Bärte abrasiert, damit man nicht merkt, dass es Salafisten sind. Die gehen auf die Flüchtlinge zu, helfen ihnen und gewinnen sie für sich. Außerdem sind in den Heimen genügend Schläfer, die für den IS mitdenken und hetzen. Die erzählen zum Beispiel, dass Deutschland Waffen nach Syrien liefern, damit Menschen dort umgebracht werden und andere zur Flucht gezwungen werden, um sie hier zu "Ungläubigen" zu machen.

TAG24: Sie sprechen von einer Brutstätte des Terrors...

Shams Ul-Haq: ... anfangs war mir diese Formulierung zu hart. Aber es ist tatsächlich so. Flüchtlinge werden draußen angesprochen, werden in Moscheen radikalisiert. Keiner von denen wird aufgefordert nach dem Motto „Du musst jetzt zum IS gehen“. Aber sie werden so bearbeitet, dass sie von selbst auf diesen Weg kommen. Viele Flüchtlinge sind dann etwa von hier nach Syrien gegangen und haben angefangen, gegen Deutschland zu kämpfen. Viele schicken auch Geld, um den IS zu unterstützen, weil die hier nicht vernünftig aufgenommen worden und ohne Perspektive sind.

TAG24: Was ist zu tun?

Shams Ul-Haq: Wir müssen Flüchtlingsheime so aufbauen, als wären es Familien. Wir müssen dort viel mehr Sozialpädagogen einsetzen, aber weniger Sicherheitsleute. Und wir müssen Gefährder - laut BKA sind es offiziell 650 hierzulande, ich schätze es sind ein paar Tausend - und Flüchtlinge, die kriminell werden, rigoros abschieben.

Fotos: PR, DPA

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