Terroranschlag von Halle: Neues Schock-Video wirft Fragen über Polizeieinsatz auf

Halle (Saale) - Einem Medienbericht zufolge erhielt ein Rechercheteam des WDR, NDR und der "Süddeutschen Zeitung" nun Einblick in Aufnahmen einer Überwachungskamera. Sie sollen Szenen des Terroranschlags in Halle zeigen, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Zu sehen sei, wie Passanten an dem ersten Opfer vorbeilaufen. Auch das Verhalten der Polizei wirft Fragen auf.

Ein Rechercheteam des WDR, NDR und der "Süddeutschen Zeitung" soll nun Einblicke in Videoaufnahmen des Terroranschlags von Halle erhalten haben.
Ein Rechercheteam des WDR, NDR und der "Süddeutschen Zeitung" soll nun Einblicke in Videoaufnahmen des Terroranschlags von Halle erhalten haben.  © Sven Pförtner/dpa

"Mitten in einer deutschen Großstadt liegt eine Person niedergeschossen auf dem Asphalt, aber Passanten gehen weiter", schrieb die SZ.

Die Aufnahmen sollen von einer Überwachungskamera in der angegriffenen Synagoge stammen.

Der schwer bewaffnete Deutsche Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als der Angreifer scheiterte, erschoss er in der Nähe eine 40-Jährige und in einem Imbiss einen 20-Jährigen (TAG24 berichtete). Auf der Flucht verletzte der Täter ein Paar schwer, bevor er festgenommen wurde. Der 27-Jährige hat den Anschlag gestanden und rechtsextreme und antisemitische Motive eingeräumt.

Dem nun veröffentlichten Bericht des Rechercheteams zufolge traf die Polizei zehn Minuten nach dem Mord an der Passantin um 12.11 Uhr zunächst mit nur einem Streifenwagen ein. Das deckt sich mit Aussagen des Landesinnenministeriums, das kurz nach dem Anschlag ein Minutenprotokoll des Einsatzes veröffentlicht hat.

Eine Beamtin steigt laut SZ im Video "ruhig" aus dem Wagen, gehe einmal um das Opfer herum, leiste keine Erste Hilfe. In Ermittlerkreisen wird davon ausgegangen, das Opfer sei bereits tot gewesen - die Beamtin hätte die liegende Frau zudem "überprüft". "Minutenlang" habe die Polizistin laut SZ anschließend gewartet, weder Schutzausrüstung angelegt noch ihre Waffe in der Hand gehabt.

Das Video geht nach Angaben der SZ bis 12.22 Uhr. Bis zu diesem Zeitpunkt sei kein Notarzt eingetroffen, der den Tod der 40-Jährigen hätte feststellen können.

Bereits am Abend nach dem Angriff gab es Kritik am Polizeieinsatz. Die Polizei sei etwa zu spät am Tatort gewesen, hatte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle gesagt. Ein Untersuchungsausschuss im Landtag von Sachsen-Anhalt soll den Polizeieinsatz beleuchten.

Das Video werfe unter anderem Fragen zum Verhalten der Polizei auf.
Das Video werfe unter anderem Fragen zum Verhalten der Polizei auf.  © Tom Wunderlich

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