"Terroranschlag" in Leipzig! Haben es Täter gezielt auf Bauträger abgesehen?

Leipzig - Es war DAS Thema am Tag der Deutschen Einheit in der Messestadt: Der mutmaßliche Brandanschlag auf eine Leipziger Großbaustelle verbreitete sich am Donnerstag rasend schnell (TAG24 berichtete). Nach Polizei, Landeskriminalamt und Oberbürgermeister hat sich nun auch der Chef des betroffenen Bauträgers zu Wort gemeldet.

Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender und Gründer der CG-Gruppe, dessen Namensgeber er ist.
Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender und Gründer der CG-Gruppe, dessen Namensgeber er ist.  © CG Gruppe

Mehrere Explosionen und Verpuffungen, dichter Qualm, Evakuierungen: Der verheerende Brand auf einer Großbaustelle an der Prager Straße hat die Anwohner im Leipziger Osten in Angst und Schrecken versetzt.

Noch in der Nacht wussten viele nicht, was sich da vor ihrer Haustür abspielt. Es war eine vorsätzliche und kaltblütige Tat, da sind sich die Ermittler sicher. Die Täter befinden sich auf der Flucht. Drei Autokräne wurden angezündet, das Abbrennen eines Baggers misslang.

"Wir sind konfrontiert mit einer massiven Gewalttat, bei der die Täter kaltblütig ohne Rücksicht auf das Leben der Nachbarn gehandelt haben (...). Dies ist ein Terroranschlag, auf den der Staat mit ganzer Konsequenz antworten muss", äußerte sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (61, SPD) zum Geschehenen.

Mehrere angrenzende Wohnblöcke mussten vorsorglich evakuiert werden. Zu groß war die Gefahr, dass die brennenden Kräne umstürzen.

Betroffener Bauträger hält sich mit Aussagen zurück

Dichte schwarze Rauchschwaden zogen in der Nacht zu Donnerstag durch den Leipziger Osten. Die mutmaßlichen Täter nahmen billigend in Kauf, dass die angezündeten Kräne einstürzen und Personen zu Schaden kommen.
Dichte schwarze Rauchschwaden zogen in der Nacht zu Donnerstag durch den Leipziger Osten. Die mutmaßlichen Täter nahmen billigend in Kauf, dass die angezündeten Kräne einstürzen und Personen zu Schaden kommen.  © Silvio Bürger

Auch der Leipziger Polizeipräsident Torsten Schultze geht von einer vorsätzlichen Tat aus. "Wer solches tut, aufgrund welcher Motivation auch immer, und dabei zusätzlich billigend in Kauf nimmt, dass auch Dritte Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt sind, hat jeglichen Wertekompass verloren und agiert verbrecherisch", so der 54-Jährige.

Da bei dem Feuer des als Wohn- und Gewerbegebäude im Bau befindlichen Technischen Rathauses auch andere am Boden liegende Materialen in Brand geraten waren, vermuteten die Behörden zunächst, dass auch gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt wurden. Doch Schadstoffmessungen ergaben keine bedenklichen Werte, wodurch die von der Evakuierung betroffenen Menschen gegen 3 Uhr in ihre Wohnungen zurückkonnten. Eine Gartenanlage bleibt aber bis auf Weiteres gesperrt, teilte das LKA mit.

Auf TAG24-Nachfrage teilte der Chef des Bauträgers CG-Gruppe, Christoph Gröner, mit: "Wir warten das Ergebnis der Ermittlungen ab." Aufgrund versicherungstechnischer Gründe wolle er sich laut eines Sprechers vorerst nicht weiter zu dem Fall äußern. Der Schaden wurde zunächst auf mehrere Millionen Euro geschätzt, wobei dieser vor allem dem Vermieter der Autokräne entstanden ist.

CG-Gruppe schon mehrfach Opfer von Anschlägen

Die Ermittlungen führt das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des LKA Sachsen.
Die Ermittlungen führt das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des LKA Sachsen.  © Silvio Bürger

Die CG-Gruppe ist laut eigenen Aussagen Deutschlands größter Mietwohnungsentwickler. Und genau das ist vielen Gegnern von nicht endender Bebauung vor allem in Großstädten und dem Anstieg der Mieten ein Dorn im Auge.

Der Immobilienriese wurde schon mehrmals Opfer von Anschlägen. Deutschlandweit bekanntestes Beispiel ist der Konflikt mit linksautonomen Hausbesetzern in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain, die durch die Bebauung der CG-Gruppe "ihren" Kiez in Gefahr sehen.

Erklärtes Ziel der Immobilienfirma ist die "Schaffung günstigen Wohnraums durch digitales Bauen unter Einbindung technologischer und ökologischer Innovationen wie CO2-neutralen Heizsystemen, die die gesetzlichen Vorgaben deutlich unterschreiten", heißt es auf der Homepage. "Im Rahmen großräumiger Quartiers- und Stadtteilentwicklungen werden Neubauten geschaffen sowie Industrie-, Bürogebäude und Hochhäuser zu modernen Wohn-, Arbeits- und Lebensräumen umgestaltet."

Im Leipziger Fall hat das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des LKA Sachsen die Ermittlungen übernommen. Hinweise erbittet hierzu die Kripo unter Tel. 034196646666.

Titelfoto: Silvio Bürger

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