Blutige Zombie-Apokalypse in Kleinstadt: Polizisten schockiert!

Dresden - Brutal! In "The Dead Don't Die" vom intellektuellen Regisseur Jim Jarmusch ("Paterson") geht es in einigen Szenen heftig zur Sache.

Iggy Pop hat als Zombie die ein oder andere lustige, aber auch eklige Szene.
Iggy Pop hat als Zombie die ein oder andere lustige, aber auch eklige Szene.  © PR/Abbot Genser / Focus Features / Image Eleven Pr

Doch er benutzt diese Szenen gezielt als Stilbruch, denn sonst ist sein Film tiefschürfend, voll klugem Wortwitz und großer Situationskomik.

Im kleinen Dorf Centerville, wo nicht mal 800 Leute wohnen, fahren die Polizisten Cliff Robertson (Bill Murray) und Ronald Peterson (Adam Driver) auf Streife in den Wald, wo der exzentrische Einsiedler-Bob (Tom Waits) sie mit seinem Gewehr bedroht.

Er behauptet, ein verschwundenes Huhn von Farmer Miller (Steve Buscemi) nicht gestohlen und gegessen zu haben.

Die zwei fahren wieder zur Polizeistation, wo sie ihre Kollegin Mindy Morrison (Chloe Sevigny) treffen. Sie stellen fest: Merkwürdige Dinge gehen vor. Es wird nicht mehr dunkel. Die Uhren bleiben stehen. Peterson murmelt immer wieder: "Das nimmt kein gutes Ende."

Bob bemerkt, dass die Ameisen wie von Sinnen sind. Als wäre all das noch nicht genug, erheben sich die Toten auf dem nebligen Friedhof wieder. Die beiden Kaffee-Zombies (Iggy Pop und Sara Driver) tauchen nachts im einzigen Diner auf, attackieren die beiden Bedienungen und fressen deren Eingeweide. Dann widmen sie sich lieber dem Kaffee, der schmeckt offensichtlich besser.

Als sich auch noch andere Untote erheben, müssen sich die drei Polizisten etwas einfallen lassen, um ihr Dorf zu beschützen.

Zombiefilm mit Tiefe und erzählerischer Leichtigkeit

Die Polizisten Cliff Robertson (l., Bill Murray),Mindy Morrison (M., Chloe Sevigny) und Ronald Peterson (Adam Driver) müssen sich unzähliger Zombies erwehren.
Die Polizisten Cliff Robertson (l., Bill Murray),Mindy Morrison (M., Chloe Sevigny) und Ronald Peterson (Adam Driver) müssen sich unzähliger Zombies erwehren.  © PR/Abbot Genser / Focus Features / Image Eleven Pr

Diese wahnwitzige Geschichte hat Jarmusch erstklassig umgesetzt. Denn der Film hat viel mehr zu bieten, als ein paar blutig-eklige Szenen.

In "The Dead Don't Die" schwingt auf bissige Art und Weise eine gehörige Portion Gesellschaftskritik mit. Als Erklärung für das Auftauchen der Zombies nennt Jarmusch den Klimawandel und hier speziell das Fracking an den Polen, das die ganze (Film-) Welt auf den Kopf stellt.

So lassen sich die Untoten im wahrsten Sinne des Wortes als Leichen im Keller eines jeden Menschen deuten und sind ganz nebenbei ein Aufruf dazu, besser mit unserem Planeten umzugehen.

Doch dies ist nicht der einzige interessante Aspekt. Stattdessen macht sich Jarmusch einen Spaß daraus, viele Insider-Sprüche und -Gags einzubauen.

Ein Beispiel: Driver, bekannt als Kylo Ren aus der aktuellen "Star-Wars"-Trilogie, hat in "The Dead Don't Die" einen "Star-Wars"-Schlüsselanhänger und plaudert darüber amüsant mit Sevigny.

Von solchen Szenen gibt es Dutzende, viele der trockenen Oneliner zünden auch in der deutschen Synchronfassung und sorgen für viel Kurzweil, auch wenn es einige langatmigere Sequenzen gibt. Aber lange nicht so viele, wie in Jarmuschs durchwachsenem Vampirfilm "Only Lovers Left Alive" (2013).

Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2019

Hank Thompson (l., Danny Glover), Cliff Robertson (M., Bill Murray) und Ronald Peterson (Adam Driver) brauchen einige Augenblicke, um den Anblick im Diner zu verdauen.
Hank Thompson (l., Danny Glover), Cliff Robertson (M., Bill Murray) und Ronald Peterson (Adam Driver) brauchen einige Augenblicke, um den Anblick im Diner zu verdauen.  © PR/Universal Pictures

Glücklicherweise ist sein Zombiefilm sinnstiftender und sympathischer, obwohl es die ein oder andere Wendung gibt, die nicht wirklich zum Rest zu passen scheint.

So kam sein neustes Werk, das erst vor knapp einem Monat, am 14. Mai 2019, als Eröffnungsfilm der Internationalen Filmfestspiele von Cannes gezeigt wurde, bei den Kritikern nur mäßig an.

Das mag auch an der gewöhnungsbedürftigen Mischung aus ruhigen, teils gar wortkargen Dialogen und den erwähnt harten Sequenzen liegen, die nicht in jeder Phase des Films aufgeht.

Wer sich allerdings auf Jarmuschs Ideen einlässt, wird sich in den 105 Minuten nicht langweilen. Im Gegenteil. Der Spaß, den Cast und Crew beim Dreh offensichtlich hatten, überträgt sich auch auf die Zuschauer.

Gerade Cineasten, die mit den früheren Filmen des Regisseurs oder Zombie-Filmen im Allgemeinen etwas anfangen können, sei er ans Herz gelegt.

Großartig aufgelegte Besetzung

Die Schottin Zelda Winston (Tilda Swinton) weiß sich mit ihrem Samurai-Schwert bestens zu helfen.
Die Schottin Zelda Winston (Tilda Swinton) weiß sich mit ihrem Samurai-Schwert bestens zu helfen.  © PR/Abbot Genser / Focus Features / Image Eleven Pr

Denn die Besetzung alleine ist schon das Kinogeld wert. Ob Murray ("Ghostbusters"), Driver ("BlacKkKlansman"), Sevigny ("American Psycho"), Buscemi ("The Big Lebowski"), Gomez ("Spring Breakers"), Popp (Cry-Baby"), Waits ("Ein Gauner und Gentleman"), Tilda Swinton "(Doctor Strange"), Danny Glover ("Lethal Weapon"), Caleb Landry Jones ("The Florida Project") oder RZA ("Repo Men"): Die Liste der namhaften Stars ist lang, ihr Spiel auch dank irrer Rollen und Verkleidungen mitreißend.

Darüber hinaus überzeugen auch die ruhige Kameraführung, die gut ausgewählten Locations und die lässige Musikuntermalung mit dem titelgebenden Song "The Dead Don't Die" von Country-Sänger Sturgill Simpson.

Auch das aufwendige und gleichzeitig schauerliche Make-up, die mitunter amüsanten Kämpfe, die hintergründigen Dialoge und das vielschichtige Drehbuch tragen ihren Teil zur rundum gelungenen Stimmung bei.

Deshalb ist "The Dead Don't Die" trotz manchmal fehlender Ausgewogenheit ein sehenswerter Film geworden, der die gewohnte Leichtigkeit von Jarmusch versprüht, sich aber auch für einige widerwärtige Szenen nicht zu schade ist. Der trockene Humor, der gut aufgelegte Cast, die stimmige Musikuntermalung und die irren Ideen sorgen für Unterhaltung und Kurzweil.

Ronald Peterson (Adam Driver) hat seine eigene Methode, um sich die Zombies vom Hals zu schaffen. (Bildmontage)
Ronald Peterson (Adam Driver) hat seine eigene Methode, um sich die Zombies vom Hals zu schaffen. (Bildmontage)  © PR/Image Eleven Productions, Inc.

Titelfoto: PR/Image Eleven Productions, Inc.

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