"The Kindness of Strangers": Mutter flüchtet mit zwei kleinen Söhnen vor Schläger-Mann!

Deutschland - Heftiger Film! "The Kindness of Strangers - Kleine Wunder unter Fremden" behandelt harte Themen wie häusliche Gewalt, Armut, Obdachlosigkeit und Einsamkeit. Das Drama, das die diesjährige 69. Berlinale eröffnete, läuft am 12. Dezember in den deutschen Kinos an.

 Alice (Andrea Riseborough) greift Jeff (l., Caleb Landry Jones) unter die Arme. Der Tollpatsch freut sich über die neue Chance.
Alice (Andrea Riseborough) greift Jeff (l., Caleb Landry Jones) unter die Arme. Der Tollpatsch freut sich über die neue Chance.  © PR/Alamode Film

Zu Beginn erscheint die Szenerie noch völlig normal. Clara (Zoe Kazan) liegt mit ihrem Ehemann Richard (Esben Smed Jensen) im Bett. Doch als sie sicher ist, dass er fest schläft, steht sie leise auf, weckt ihre zwei Söhne Anthony (Jack Fulton) und Jude (Finlay Wojtak-Hissong), packt schnell die wichtigsten Sachen zusammen und flieht mit ihnen.

Denn wie wenig später herauskommt, ist Richard gewalttätig und hat ihnen bereits schreckliche Dinge angetan.

Das Problem: Er ist Polizist und kann die drei daher schnell finden, wenn sie sich nicht klug verhalten und in der Anonymität New Yorks untertauchen.

Deshalb finden sie sich auf der Straße wieder. So begegnen sie Alice (Andrea Riseborough), die als Therapeutin eine Selbsthilfegruppe in einer Kirche leitet und die drei bei sich im Büro schlafen lässt.

Ohnehin ist sie sozial sehr engagiert. Als unterbezahlte Krankenschwester schiebt sie Doppelschichten und findet neben ihrer Gruppe dennoch die Zeit, auch im Obdachlosenheim auszuhelfen. Als Verstärkung stellt sie bald den tollpatschigen Jeff (Caleb Landry Jones) ein, der all seine bisherigen Jobs verlor, unter der gutmütigen Alice aber aufblüht.

Durch ihre Gruppe kennt sie auch Marc (Tahar Rahim), der das lange Zeit mäßige Restaurant von Timofey (Bill Nighy) als Küchenchef wieder auf Vordermann bringt. Marcs Freund und Anwalt John Peter (Jay Baruchel) hat derweil ein Auge auf Alice geworfen und besucht die Sitzungen hauptsächlich wegen ihr. All ihre Schicksale sind eng miteinander verbunden. Können sie einander in großen Krisenzeiten Halt geben?

Lone Scherfig erzählt in "The Kindness of Strangers" harte Geschichten

 Clara (Zoe Kazan) und Marc (Tahar Rahim) mussten beide in ihrem Leben viel durchmachen.
Clara (Zoe Kazan) und Marc (Tahar Rahim) mussten beide in ihrem Leben viel durchmachen.  © PR/Alamode Film

Ihren ambitionierten Film hat die 30-fach preisgekrönte Scherfig ("Ihre beste Stunde", "Zwei an einem Tag", "An Education") erstklassig umgesetzt.

Sie verwebt nämlich die Handlungsstränge der neun Figuren so eng miteinander, dass man von Beginn an in "The Kindness of Strangers" hineingezogen wird.

Deshalb bekommt man ein feinfühliges Drama vorgesetzt, das viele Probleme auf tiefschürfende Weise behandelt.

Die dänische Filmschaffende hat sich nämlich viel vorgenommen. Menschlichkeit, häusliche Gewalt, Armut, Jobverlust, Einsamkeit und Obdachlosigkeit stehen neben einer Vielzahl anderen, universellen Fragen unserer Zeit im Mittelpunkt ihres beeindruckenden Werkes.

Trotz dieser Themenfülle gelingt es Scherfig, all die genannten Aspekte stark herauszuarbeiten und ihr 112 Minuten langes Werk dennoch übersichtlich zu halten - was wahrlich ein schwer zu meisternder Balanceakt ist!

Daher kann man all den Figuren und ihren Handlungen folgen, was auch mit dem starken Drehbuch zu tun hat. Denn alle Protagonisten haben unverwechselbare Eigenheiten, Substanz und eine interessante Background-Story spendiert bekommen. Das wiederum hat zur Folge, dass die Neugier der Zuschauer nicht nur geweckt-, sondern auch aufrecht erhalten wird.

"The Kindness of Strangers" bewegt mit feinfühligen zwischenmenschlichen Szenen

 Timofey (r., Bill Nighy) stellt Marc (Taher Rahim) als neuen Küchenchef seines Restaurants ein - was sich als kluge Entscheidung herausstellt.
Timofey (r., Bill Nighy) stellt Marc (Taher Rahim) als neuen Küchenchef seines Restaurants ein - was sich als kluge Entscheidung herausstellt.  © PR/Alamode Film

Entscheidenden Anteil daran hat der exzellent ausgewählte Cast. Alle Schauspieler verkörpern ihre Rollen glaubwürdig und sorgen damit für zusätzliche Authentizität dieses wichtigen Werks.

Und zu schwer verdaulich ist es trotz der harten Themen auch nicht, weil Scherfig auf gefühlvolle Weise viele zutiefst menschliche, Hoffnung stiftende Szenen einbaut, die für große Momente sorgen.

Gerade die Locations, die ein New Yorker Winter-Wunderland sind und mit ihrer Ästhetik und ihrem Detailreichtum überzeugen, sind eine weitere Filmfigur.

Sie tragen ebenso wie die dynamische Kameraführung, die stimmige Musikuntermalung und die exzellente Ausstattung für eine durchgehend fesselnde Atmosphäre.

Trotz all dieser Stärken kam "Kleine Wunder unter Fremden" bei vielen anderen Kritikern negativ an. Das liegt natürlich auch daran, dass die Erwartungen an Scherfig und einen Eröffnungsfilm der Berlinale extrem hoch sind.

Doch für mich persönlich war das Seherlebnis ein gänzlich anderes: "The Kindness of Strangers" ist ein zutiefst bewegender, menschlicher Film geworden, der mit vielen wertvollen Botschaften aufwartet. Darüber hinaus sind die Qualität des Drehbuchs, der Dialoge, Storyführung und der parallel verlaufenden Handlungsstränge erstklassig und reißen einen in das vielschichtige Geschehen hinein.

 Clara (Zoe Kazan) bekommt Hilfe von John Peter (Jay Baruchel).
Clara (Zoe Kazan) bekommt Hilfe von John Peter (Jay Baruchel).  © PR/Alamode Film

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