Clint Eastwood ist zurück! Drogenthriller "The Mule" startet in den Kinos

USA - Clint Eastwood (Für eine Handvoll Dollar, Dirty Harry, Zwei glorreiche Halunken) ist wieder da - mit 88 Jahren spielte er die Hauptrolle, produzierte seinen Film "The Mule" (Deutsch: das Maultier) und führte Regie!

Diese Ehe ging in die Brüche: Earl Stone (r., Clint Eastwood) mit seiner Ex-Frau Mary (Dianne Wiest).
Diese Ehe ging in die Brüche: Earl Stone (r., Clint Eastwood) mit seiner Ex-Frau Mary (Dianne Wiest).  © PR/Warner Bros. Entertainment Inc., Imperative Ent

Zu Beginn seines neusten Werks sieht es für Eastwoods Charakter Earl Stone rosig aus. Er ist Blumenhändler, beschäftigt einige mexikanische Arbeiter und hat ein geregeltes Auskommen.

Auf einer Messe werden ihm seine begehrten kostenlosen Arbeitsproben geradezu aus den Händen gerissen.

Doch schon hier deutet sich der schleichende Niedergang seines Geschäfts an: Das Internet macht ihm mit jedem Jahr mehr Konkurrenz, bis er 2017 kein Geld mehr hat, seine Firma aufgeben- und seine Arbeiter mit guten Wünschen und etwas Restgeld wegschicken muss.

Ausweglos fährt er mit seinem altersschwachen Truck zu seiner Familie, wo er nicht gerne gesehen wird. Die Ehe mit Mary (Dianne Wiest) ging in die Brüche, die Hochzeit seiner Tochter Iris (Alison Eastwood) verpasste er absichtlich.

Nur seine Enkelin Ginny (Taissa Farmiga) hält noch zu ihm, kann einen verbalen Eklat aber auch nicht verhindern. Diese Gelegenheit nutzt Rico (Victor Rasuk), um Earl einen Job anzubieten, bei dem er "nur" fahren muss - allerdings für ein mexikanisches Kartell...

Hat sich Earl Stone (Clint Eastwood) mit den falschen Leuten angelegt?
Hat sich Earl Stone (Clint Eastwood) mit den falschen Leuten angelegt?  © PR/Warner Bros. Entertainment Inc., Imperative Ent

Und diese Arbeit stellt sich aufgrund der Leute, mit denen Stone im Verlauf des Films zu tun hat, als nicht gerade leicht heraus.

Denn weil den 90-Jährigen niemand verdächtigt, bekommt er immer wichtigere Aufträge anvertraut, steht also schnell im Fokus von Kartellboss Laton (Andy Garcia).

Diese auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte mit Spannung zu inszenieren, gelingt Eastwood leider nur bedingt. So wirkt der Film wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit.

Der vierfache "Oscar"-Preisträger sorgt für Entschleunigung - ähnlich, wie es im letzten Jahr "Lucky" schaffte, allerdings nicht mit derselben Qualität wie Harry Dean Stantons letztes filmisches Denkmal.

Dafür ist "The Mule" doch ein wenig zu unausgewogen geraten. So erinnert sein neustes Werk zwar deutlich an sein grandioses Meisterwerk "Gran Torino" (2009), erreicht dessen Ausnahmestatus allerdings nicht.

Das ist wohlgemerkt Meckern auf hohem Niveau. Denn "The Mule" ist ein richtig guter Film. Er fällt nur im Vergleich zu Eastwoods zeitlosen Klassikern ein wenig ab.

Earl Stones (r., Clint Eastwood) Verhältnis zu seiner Tochter Iris (Alison Eastwood) ist äußerst angespannt.
Earl Stones (r., Clint Eastwood) Verhältnis zu seiner Tochter Iris (Alison Eastwood) ist äußerst angespannt.  © PR/Warner Bros. Entertainment Inc., Imperative Ent

Dennoch bietet er gute Unterhaltung, weil er Herz hat. Das liegt am vielschichtigen Drehbuch und den hervorragenden Dialogen, die mit ihrer bissigen Klugheit immer wieder für Lacher sorgen.

Daran haben auch die Schauspieler und ganz besonders Eastwood einen großen Anteil. Der Altmeister kreiert mit seinem Timing einige exzellente situationskomische Momente und sorgt auch davon abgesehen für großartige Sequenzen, in denen er seine ganze 64-jährige Filmerfahrung gekonnt ausspielt und "The Mule" auch im Alleingang getragen hätte.

Doch er hat sich mit Bradley Cooper (A Star Is Born), Laurence Fishburne (Matrix-Trilogie), Michael Pena (Ant-Man), Garcia (Der Pate III) und Farmiga (The Nun) namhafte Unterstützung an Bord geholt, die zwar wirklich nur Nebenrollen haben, diese aber komplett ausfüllen, ohne wirklich glänzen zu können.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Geschichte an sich. Sie überzeugt, obwohl sie nicht ganz an die emotionale und hintergründige Tiefe anderer Eastwood-Werke wie "Million Dollar Baby" heranreicht und wegen einiger Szenen auch moralisch zu hinterfragen ist.

Nur Earl Stones Enkelin Ginny (Zweite von rechts, Taissa Farmiga) verteidigt ihren Opa noch.
Nur Earl Stones Enkelin Ginny (Zweite von rechts, Taissa Farmiga) verteidigt ihren Opa noch.  © PR/Warner Bros. Entertainment Inc., Imperative Ent

Dazu kommt die ein oder andere dramaturgische Schwäche, woran das bewusst gewählte, stellenweise aber zu langsame Erzähltempo seine Anteile hat. Das gilt ebenso für den durchwachsenen Schnitt, durch den es gerade im Mittelteil des Films einige langatmigere Szenen gibt.

Diese bremsen den Film zwar nicht wirklich aus, weil die Zuschauer von Eastwoods Spiel und der interessanten Familiendynamik gefesselt sind. Hilfreich sind sie dennoch nicht.

Andererseits achtet Eastwood auf viele Details. So spielt die Ausstattung eine entscheidende Rolle, zeigen die Veränderungen schließlich auf intelligente Weise den Aufstieg Stones auf.

Zusätzlich sind die ruhige, starke Kameraführung, die schönen Locations, die stimmige Musikuntermalung und die Kostüme positiv zu bewerten.

Deshalb ist Clint Eastwoods "The Mule" ein sehr guter Film, der allerdings nicht mit seinen eigenen Klassikern wie "Gran Torino", "Million Dollar Baby" oder "Erbarmungslos" mithalten kann, weil er dafür einen Tick zu langatmig erzählt ist und die Geschichte nicht durchgehend originell ist. Die hohe schauspielerische Qualität, die hervorragende Kameraführung und die detailvolle Ausstattung bescheren den Zuschauern aber dennoch ein grundsolides Kinoerlebnis.

Earl Stone (Clint Eastwood) nimmt einen moralisch fragwürdigen Job an.
Earl Stone (Clint Eastwood) nimmt einen moralisch fragwürdigen Job an.  © PR/Warner Bros. Entertainment Inc., Imperative Ent

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