Tausende bei Nazi-Konzert: Ein Ort im Ausnahmezustand

Ein Blick auf das Konzertgelände zeigt, wie viele Neonazis nach Thema gekommen sind.
Ein Blick auf das Konzertgelände zeigt, wie viele Neonazis nach Thema gekommen sind.  © News5

Themar– Manchmal wird es laut, oft ist der Protest aber stumm. Die kleine Stadt Themar im Süden Thüringens zeigt Flagge gegen die rechten Besucher, die am Samstag zu einem Festival anreisen. In dem beschaulichen Städtchen hängen viele Plakate. Darauf stehen Sprüche wie "Wer kein Selbstbewusstsein hat, braucht Nationalbewusstsein" oder "Es gibt zu viele braune Vollpfosten in diesem Land." Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Die von ihr erwarteten massenhaften Gegenproteste bleiben aber aus.

Während an mehreren Punkten im Ort Malstationen und Konzertbühnen aufgebaut sind, sind die Straßen dazwischen oft wie leer gefegt. "Es ist schon eine komische Stimmung im Ort", sagt ein Anwohner. Mehr Menschen als sonst hätten ihre Rollläden heruntergelassen oder Autos in Sicherheit gebracht, berichtet er. In der ganzen Stadt gibt es an diesem Tag etliche leere Parkplätze.

Der Protest richtet sich gegen die, die nicht in Themar wohnen, aber seit dem Morgen in die 3000-Einwohner-Stadt strömen: Rechtsgesinnte aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland. Sie wollen in Themar eines der größten Neonazi-Festivals feiern, das Deutschland seit langem erlebt hat. Mit mehr als 5000 Konzertbesuchern rechneten die Sicherheitsbehörden im Vorfeld. Bis zum Nachmittag sind nach Angaben eines Polizeisprechers mehr als 4500 Besucher angereist. «Und es gibt weiter Zulauf.»

Am Abend sollen es dann laut Polizei knapp 6000 gewesen sein.

Die Rechten kommen zu Fuß in einem nicht enden wollenden Strom kleiner Gruppen. Die Polizei hat die Straße, auf der sie gehen, gesperrt. Gitter sorgen dafür, dass die Rechten zwar zu ihrer Veranstaltung gelangen. Ins Stadtzentrum von Themar – dort, wo die Einwohner protestieren - sollen sie aber nicht kommen.

Etwa 1000 Beamte aus mehreren Bundesländern sind im Einsatz. Sie sollen dafür sorgen, dass die Rechten nicht auf Gegendemonstranten treffen. Auf den T-Shirts, die die Teilnehmer tragen, stehen Schriftzüge wie "Sturm auf Themar" oder "Division Thüringen".

Der Protest gegen das Rechtsrock-Konzert war überschaubar.
Der Protest gegen das Rechtsrock-Konzert war überschaubar.  © News5

Letzteren Spruch haben einige Gegendemonstranten aufgegriffen und zu einem Protest-Slogan gemacht. "Die Vision für Thüringen" steht nun auf den weißen T-Shirts, die sie tragen.

Einer, der mit einem solchen T-Shirt in der Stadt unterwegs ist, ist Thomas Jakob. Er wohnt in Erfurt, stammt aber aus Themar. Seit Wochen schon sei er in die Organisation der Gegenproteste eingebunden. Auch er nimmt die eigenartige Stimmung im Ort wahr. "Man merkt, dass die Stadt wieder zusammengerückt ist", sagt Jakob.

Die Plakataktion werde von vielen Bürgern mitgetragen. Deshalb hingen viele der Sprüche nicht nur an Laternenmasten und zwischen Bäumen im Stadtgebiet, sondern auch an den Privathäusern. "Das ist der eine Teil der Bevölkerung", sagt Jakob. "Und ein großer Teil hat einfach Angst."

Es gibt viel Anerkennung dafür, dass das kleine Themar trotzdem einen so vielfältigen, wenn auch kleinen Protest organisiert hat - etwa von den Thüringer Landtagsabgeordneten, die als parlamentarische Beobachtungsgruppe in der Stadt sind. Die Polizei spricht am Nachmittag von mehreren Hundert Gegendemonstranten. Sie hatte im Vorfeld allerdings mit 2000 Gegendemonstranten gerechnet.

Gemessen daran, wie klein Themar sei und dass die Stadt im ländlichen Raum liege, wehre der Ort sich vorbildlich, sagt Grünen-Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling. Das habe auch damit zu tun, dass die Verantwortlichen in der Stadt sich von vorneherein klar gegen die Rechten positioniert hätten. "Sie haben nicht darüber debattiert, ob sie protestieren, sondern nur, wie sie es machen. Davon können sich andere eine Scheibe abschneiden."

Über 500 Polizisten waren in dem kleinen Ort in Thüringen im Einsatz.
Über 500 Polizisten waren in dem kleinen Ort in Thüringen im Einsatz.  © News5

Titelfoto: News5


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