Kritik aus Partei: SPD-Mann lädt Thilo Sarrazin ein, um AfD-Wähler zu gewinnen

Erfurt - Eine geplante Veranstaltung mit dem umstrittenen Autor und früheren Politiker Thilo Sarrazin (SPD) hat dem thüringischen SPD-Landtagsabgeordneten Oskar Helmerich scharfe Kritik aus seiner Partei eingebracht.

Oskar Helmerich (re.) hatte Thilo Sarrazin zu einer Lesung eingeladen.
Oskar Helmerich (re.) hatte Thilo Sarrazin zu einer Lesung eingeladen.  © DPA

Die für den 22. Mai geplante Lesung aus Sarrazins islamkritischem Buch "Feindliche Übernahme" sei "ein unabgesprochener Alleingang von Oskar Helmerich, keine Veranstaltung der Thüringer SPD", erklärte SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee. "Ich distanziere mich ausdrücklich und scharf von ihm und den islamfeindlichen Aussagen." Ähnlich äußerte er sich am Samstag bei Twitter.

SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte dem Spiegel, anständige Sozialdemokraten wollten mit Sarrazin nichts zu tun haben. Der Position des Landesvorsitzenden schloss sich am Sonntag auch der Erfurter SPD-Kreisverband an.

"Unser Kreisverband ist weder organisatorisch, noch inhaltlich an einer Veranstaltung mit Thilo Sarrazin beteiligt", erklärte der Vorsitzende des Kreisverbands, Raik-Steffen Ulrich am Sonntag. Helmerich sitzt für die SPD auch im Erfurter Stadtrat.

Derzeit läuft ein drittes Parteiausschlussverfahren der SPD auf Bundesebene gegen Sarrazin, der früher auch Finanzsenator in Berlin und Bundesbankvorstand war. Nach der Veröffentlichung des Buchs, in dem Muslime als Bedrohung dargestellt werden, hatte die SPD-Spitze den 74-Jährigen erst aufgefordert, die Partei freiwillig zu verlassen.

Auch die Thüringer Jusos forderten, die Veranstaltung abzusagen. "#Sarrazin ist ein Rassist. Seine Thesen haben den Hass stärker gemacht und die Neue Rechte beflügelt. Sie sind das Gegenteil von Sozialdemokratie", twitterte Juso-Chef Oleg Shevchenko.

Helmerich, der zunächst für die AfD im Landtag saß und im Streit um den Kurs von Landeschef Björn Höcke zur SPD wechselte, hatte Sarrazin zu der Lesung in Erfurt mit anschließendem Streitgespräch eingeladen - vier Tage vor der Europawahl am 26. Mai und wenige Monate vor der Thüringer Landtagswahl am 27. Oktober.

"Die Einladung ist eine Maßnahme, die in das politische Konzept der Thüringer SPD passt, um Wähler zu werben, die zur AfD abgewandert sind", sagte Helmerich am Freitag der TA.

Fürchten aus der Partei ausgeschlossen zu werden muss Helmerich nicht. Eine Fraktionssprecherin hatte am Montag erklärt, dass die Lesung Helmerichs Privatangelegenheit sei und man sie ihm nicht verbieten könne. Dennoch werde das Thema am Mittwoch in einer Fraktionssitzung diskutiert werden.

Titelfoto: DPA

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