Thomas Gottschalk genervt: "Die Öffentlich-Rechtlichen machen einen Fehler!"

Hamburg - So hat sich Thomas Gottschalk (69) die Lesereise für sein neues Buch vielleicht nicht vorgestellt. Nach Auftritten bei Markus Lanz und in der NDR-Talkshow erwartete den Entertainer am Samstagabend ein übersichtliches Publikum in der Buchhandlung Heymann in Eimsbüttel - und zwar ausgerechnet im Untergeschoss.

Thomas Gottschalk, während einer Lesung seiner neuen Autobiografie "Herbstbunt".
Thomas Gottschalk, während einer Lesung seiner neuen Autobiografie "Herbstbunt".  © Matthias Balk/dpa

"Da weiß ich ja, was morgen in den Zeitungen steht: 'Gottschalks Karriere endet im Keller'", scherzt der 69-Jährige und der ein oder andere ahnt schon, dass wohl auch etwas Wehmut in dieser Aussage mitschwingt.

Denn Thomas Gottschalk kennt natürlich die ganz großen Bühnen, Auftritte in kleinen Buchhandlungen standen früher nicht auf der Agenda.

Und auch mit der Aufgabe, einfach nur vorzulesen, fühlt sich der 69-Jährige sichtlich unwohl und entschuldigt sich gleich mehrfach bei seinem Publikum. Es gebe wahrlich bessere Autoren als ihn und auf sein zweites Buch habe die Menschheit wohl auch nicht gewartet.

Dabei schaffte es seine erste Biografie "Herbstblond", in der er von seinem Aufstieg zum gefeierten TV-Star schreibt, auf Anhieb auf den ersten Platz der Bestsellerlisten und auch "Herbstbunt" ist nur zwei Wochen nach Erscheinen auf Platz 1 gelandet.

Der 69-Jährige sollte es also besser wissen. Und doch habe er ein schlechtes Gewissen, weil er glaube, dass seine Zuhörer nicht auf die nächste gelesene Seite, sondern nur auf die nächste Wette warteten.

Um dem vorzubeugen, liest Gottschalk dann lediglich das Vorwort ("Dann können Sie sich das schon mal sparen!") und beginnt das ein oder andere Kapitel, nur, um sich mittendrin dann doch für eine andere Stelle zu entscheiden - "das wird jetzt aber wirklich zu langweilig."

Gottschalk denkt nicht ans Aufhören

Das Cover des Buchs "Herbstbunt - Wer nur alt wird, aber nicht klüger, ist schön blöd" von Thomas Gottschalk.
Das Cover des Buchs "Herbstbunt - Wer nur alt wird, aber nicht klüger, ist schön blöd" von Thomas Gottschalk.  © Randowhouse/dpa

Dass sich Gottschalk in der Zukunft nicht als Buchautor sieht, haben die Zuhörer am Ende seiner Lesung verstanden.

Ans Aufhören aber denkt er deswegen noch lange nicht. Ja, man habe oft genug an ihn herangetragen, dass man rechtzeitig aufhören müsse, um zur echten Legende zu werden, erzählt er. Doch daran glaube Gottschalk nicht. "Das hat vielleicht ein Stefan Raab geschafft - ich pfeif drauf!"

Der 69-Jährige, der zuletzt bei Markus Lanz auf den "Durchlauferhitzer Social Media" schimpfte (TAG24 berichtete) wünscht sich zurück auf die großen Bühnen - auch wenn er von der heutigen TV-Landschaft enttäuscht ist.

"Wenn ich Fernsehen gucke, sehe ich nicht viele, die es besser machen, als ich", betont Gottschalk. "Ja, ich habe noch etwas in meinem Rucksack", verspricht der Entertainer, "auch wenn es inzwischen aussieht, wie ein Buckel."

Tatsächlich sei er aber in den 70ern gefangen. "Wenn ich gesammelte Werke von Mark Forster oder Jimi Hendrix sehe, dann weiß ich schon, wo ich hinlange."

Er sei der Meinung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender einen groben Fehler machen, "wenn sie uns als Zielgruppe so beschissen behandeln", schimpft er und erntet von seinem Best-Ager-Publikum viel Beifall.

Die Hinwendung zum Streaming und ständige Hinweise auf die Social Media-Accounts in ARD und ZDF kann Gottschalk nicht nachvollziehen: "Macht doch eh keiner." In Zeiten, in denen sich Jan Hofer am Ende der Tagesschau mit einem Selfie bei 1 Million Instagram-Followern bedankt (TAG24 berichtete), sehnt sich Thomas Gottschalk nach den alten Zeiten zurück.

Und so drängt er nach der Fragerunde darauf, den Keller möglichst schnell wieder zu verlassen und die Signierstunde im oberen Stockwerk des Buchladens einzuläuten: "Weil tiefer geht's nun wirklich nicht mehr."

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