VfB-Boss Hitzlsperger will sich von den Fans nicht verleiten lassen

Stuttgart - Seit 100 Tagen zieht Thomas Hitzlsperger als Vorstandsvorsitzender die Fäden beim VfB Stuttgart. Im Rückblick auf die Ereignisse während seiner Amtszeit blieb ihm vor allem die Entlassung von Tim Walter im Gedächtnis - die ihm bis heute zu schaffen macht.

Tim Walter wurde kurz vor Weihnachten beim VfB entlassen.
Tim Walter wurde kurz vor Weihnachten beim VfB entlassen.  © Tom Weller/dpa

Denn Hitzlsperger war zusammen mit Sportdirektor Sven Mislintat ein großer Befürworter von Walter und wollte mit ihm das Signal für einen sportlichen Neuanfang des VfB nach dem Abstieg setzen.

Dabei predigte er auch immer wieder das Wort "Kontinuität" - diese sollte nämlich bei den Brustringträgern einkehren, vor allem im sportlichen Bereich.

Kurz vor Weihnachten war dann jedoch das Aus von Tim Walter besiegelt (TAG24 berichtete) - gerade mal ein halbes Jahr hielt er durch.

Eine Entscheidung, die Thomas Hitzlsperger sehr zusetzte: "Tim Walter zu entlassen war keine leichte Entscheidung, auch für mich persönlich nicht", so der Vorstandsvorsitzende in einer Presserunde im VfB-Clubzentrum.

Die Kontinuität war also wieder mal dahin. "Wir wollten auch mit Tim Walter langfristig zusammenarbeiten, aber wir waren nicht mehr der Überzeugung, dass wir den Aufstieg in der Konstellation hinbekommen", begründete Hitzlsperger nochmals sein Vorgehen.

Pellegrino Matarazzo hat das Vertrauen von Thomas Hitzlsperger

Thomas Hitzlsperger ist seit 100 Tagen Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart.
Thomas Hitzlsperger ist seit 100 Tagen Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart.  © TAG24

Der 37-Jährige gab zu, dass es falsch war, die "Kontinuität" so stark hervorzuheben. Denn das über allem stehende Ziel ist unmissverständlich: Der Aufstieg!

Für dieses Projekt musste Tim Walter weichen, da Mislintat und Hitzlsperger diesem nicht mehr das volle Vertrauen aussprechen konnten.

Von Seiten der Fans gab es zumindest keine "Walter raus!"-Rufe oder Plakate, die die Entlassung des Trainers forderten.

Doch von derartigen Reaktionen aus der eigenen Anhängerschaft will "Hitz" sich nicht verleiten lassen.

"Wenn wir solche Entscheidungen von der öffentlichen Stimmungslage abhängig machen würden, dann wären wir die falsche Besetzung", machte der Vorstandsvorsitzende klipp und klar.

Pellegrino Matarazzo ist sich seiner Mission bewusst

Pellegrino Matarazzo ist der neue Cheftrainer beim VfB Stuttgart.
Pellegrino Matarazzo ist der neue Cheftrainer beim VfB Stuttgart.  © Sebastian Gollnow/dpa

Jetzt sitzt Pellegrino Matarazzo am Ruder des Schiffs, dass den VfB sicher in den Aufstiegshafen schippern soll.

Von Tim Walter unterscheidet sich der neue Trainer für Thomas Hitzlsperger neben dem persönlichen Charakter vor allem in einer Sache:

"Tim hat sehr viel Wert auf eigenen Ballbesitz gelegt, sich viel mit der eigenen Mannschaft beschäftigt. Obwohl wir eine hohe Qualität im Kader haben und fast immer Favorit sind, ist der Gegner auch wichtig. Wir müssen genau wissen, wo er anfällig ist, ihn genau studieren." Diese andere Sichtweise habe Matarazzo, so Hitzlsperger.

Außerdem könne Matarazzo seine Stärken auch mit dem vorhandenen Kader zur Geltung bringen, ohne komplett die Spielidee mit dem Ballbesitz-Ansatz über den Haufen werfen zu müssen.

Das Vertrauen von Thomas Hitzlsperger genießt er erstmal, genau wie Tim Walter zu Beginn seiner Amtszeit. Und ist sich der Mission bewusst: "Es ist unser Selbstverständnis, dass wir jetzt nach oben wollen. Pellegrino Matarazzo kennt dieses Ziel. Es ist schließlich auch sein Ziel und das gehen wir gemeinsam an", so Hitzlsperger.

Was mit Matarazzo passieren würde, falls er dieses Ziel nicht erreiche? "Damit beschäftigen wir uns nicht", so Hitzlsperger. Es ist jedoch nur zu gut vorstellbar, was die logische Konsequenz wäre...

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