Thor Steinar-Laden Stunden nach Eröffnung dicht gemacht

Die Marke ist besonders in der rechten Szene beliebt.
Die Marke ist besonders in der rechten Szene beliebt.

Norderstedt - In den sozialen Netzwerken wurde es groß angekündigt: In Norderstedt wollte die Modekette Thor Steinar, die vor allem in der Nazi-Szene beliebt ist, eine Filiale eröffnen. Doch zwei Stunden nach dem der Laden seine Pforten öffnete, zog die Stadt einen Schlussstrich.

An dem kalten Dezembermorgen (Freitag) hatten sich rund 25 Demonstranten vor dem Geschäft versammelt, um gegen die Verbreitung der Marke zu protestieren. Fast ebenso viele Polizisten sicherten das Grundstück ab. 

Doch dann rückte das Ordnungsamt auf den Plan. Denn der als "Outlet" bezeichnete Laden hatte angeblich einige Unterlagen nicht eingereicht. Baurechtliche Gründe wurden dem Hamburger Abendblatt als Erklärung genannt.

"Thor Steinar ist eine Marke, mit der heute diese offene Identifizierung von Nazis im Grunde nicht mehr möglich ist. Früher haben Nazis Bomberjacken und Springerstiefel getragen. Heute kommen Nazis im Casual Look daher, wenn sie Flüchtlingsheime anzünden", empört sich Miro Berbig, Fraktionsvorsitzender der LINKEN-Stadtvertretung in Norderstedt dem NDR. Auch er war bei der Eröffnung vor Ort. 

Miro Berbig, Fraktionsvorsitzender der LINKEN-Stadtvertretung
Miro Berbig, Fraktionsvorsitzender der LINKEN-Stadtvertretung  © NDR

Die Stadt wolle nicht, dass hier ein Treffpunkt für Neo-Nazis entstehe, so der Fraktionschef der Grünen, Detlef Grube.

Interessant: Erst am Donnerstagabend, einen Tag vor der Eröffnung, erfuhr die Stadt davon, dass in dem neutral klingenden "Outlet" rechte Szenebekleidung verkauft werden wird.

Auf der deutschen Facebook-Seite des Unternehmes ist währenddessen zu lesen: "Behördliche Willkür zwingt uns in diesem Fall unsere Eröffnung vorzeitig zu beenden und zu verschieben."

Doch das Rathaus von Norderstedt verschwört sich gegen die rechte Szene. "Die Stadt wird sicherstellen, dass das Geschäft geschlossen bleibt", beteuerte ein Rathaussprecher gegenüber dem Abendblatt.

Bei dem Betreiber des Ladens, soll es sich um den gleichen Geschäftsmann handeln, dessen Thor-Steinar-Outlet im nur 35 Kilometer entfernten Glinde gegen Ende des Jahres geschlossen werden wird. Auch hier waren in den letzten fünf Jahren zahllose Proteste vorangegangen.

Die Marke wird in zwölf Läden in Deutschland verkauft, darunter allein fünf in Sachsen. Auch hier hatte es in der Vergangenheit Anschläge und Proteste gegeben.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0