Thüringer Archäologen betreuen 60 Grabungen 

Überreste der Lieblingstiere des Kriegers, ein Pferd und ein Hund in einer Grabkammer aus der Zeit des Thüringer Königreiches (5./6. Jh.n.Chr.).
Überreste der Lieblingstiere des Kriegers, ein Pferd und ein Hund in einer Grabkammer aus der Zeit des Thüringer Königreiches (5./6. Jh.n.Chr.).  © DPA

Weimar (dpa/th) - Thüringer Archäologen haben in diesem Jahr mehr als 60 Grabungen betreut. 

"Sie stießen dabei auf so bedeutende Funde wie den größten, uns bekannten romanischen Keller und frühe Hofstrukturen aus dem 10. und 11. Jahrhundert in Erfurt", sagte der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, Sven Ostritz. "Wir haben gewusst, dass es dort eine frühe Besiedlung gab, hatten bislang aber wenig Greifbares aus der Völkerwanderungszeit." Etwa 30.000 archäologische Fundstätten seien im Land bekannt. "Unsere genaue Kenntnis, was sie an Geschichtszeugnissen bewahren, liegt aber nur im einstelligen Prozentbereich, da wir nur aus Gründen wie Straßen- oder Häuserbau vorab graben und Funde sichern."

Die Archäologen arbeiteten zumeist unter großem Zeitdruck, da Investoren an Termine gebunden seien. Zudem seien Grabungen und mögliche Änderungen von Bau- und Nutzungsplänen auch immer mit erhöhten Geldausgaben verbunden. Allein in diesem Jahr mussten die Bauherren laut Ostritz für archäologische Grabungen insgesamt 2,3 Millionen Euro zahlen. Für den Erhalt von Bodendenkmalen hat der Landesarchäologe nach eigenen Angaben nur etwa den zehnten Teil der Summe zur Verfügung.

Die Menschen zu überzeugen, ihren wertvollen Besitz zu erhalten - und wenn möglich - für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sei nicht immer einfach. Bislang seien meistens eine Lösung oder ein Kompromiss gefunden worden, meint Ostritz. Als Beispiel nannte er den Zufallsfund einer mittelalterlichen Mikwe unter einem Gewölbekeller in Schmalkalden im vergangenen Jahr.

"Das jüdische Ritualbad wird nicht nur erhalten, sondern wir haben jetzt mit dem Investor auch eine Möglichkeit gefunden, sie für jedermann öffentlich zu machen." Dazu werde es einen separaten Zugang geben. Auch der sehr gut erhaltene romanische Keller in der "Weißen Gasse" in Erfurt bleibe bestehen. "Das verlangt dem Investor neben Umplanungen zusätzlich einiges an Kosten ab." 2016 seien in diesem Innenstadtareal auch 60 intakte Gefäße und schöne Ofenkacheln geborgen worden.

In Schmalkalden wurde zudem bei Grabungen ein bisher unbekannter Adelssitz entdeckt, in Saalfeld konnte die komplette Struktur des ehemaligen Klosters nachgewiesen werden.

2017 werden sich die Archäologen die Trassen mehrerer geplanter Ortsumfahrungen vornehmen. "Der Boden entlang der künftigen B 247 zwischen Großengottern und Schönstedt ist wahrscheinlich knüppeldickevoll mit Funden - durchweg von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter", hofft Ostritz. Interessantes erwartet er auch in Kölleda, wo das Motorenwerk erweitert werden soll.

Titelfoto: DPA


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