Welche Fragen der NSU-Prozess nicht geklärt hat

Erfurt/München - Auch am Ende des NSU-Prozesses sind wichtige Fragen nicht beantwortet. Das ist vor allem für die Familien der Mordopfer schmerzlich.

Das Urteil für Beate Zschäpe wird die Tage gefällt.
Das Urteil für Beate Zschäpe wird die Tage gefällt.  © DPA

In wenigen Tagen will der Staatsschutzsenat des Münchner Oberlandesgerichts das Urteil gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte im NSU-Prozess verkünden. Hier die wichtigsten vier Fragen, die der NSU-Prozess nicht klären konnte:

1) Woher hatten die Terroristen die Adressen von rund 10.000 potenziellen Anschlagszielen?

Quer durch ganz Deutschland hatten die Terroristen Namen und Adressen gesammelt und meist noch Kartenausschnitte beigefügt. Wie diese Liste zusammengestellt wurde, ist aber völlig unklar. Es könnte Tippgeber vor Ort gegeben haben. Der Prozess brachte dazu nichts Eindeutiges. Beweisanträgen, vor allem von Nebenklägern, ging der Senat oft nicht nach.

2) Woher hatten die NSU-Terroristen ihr Waffenarsenal?

Zwei Maschinenpistolen, ein Gewehr, der Rest Pistolen und Revolver – insgesamt 20 Waffen. Doch nur die Herkunft einer einzigen Waffe will die Bundesanwaltschaft nachvollzogen haben: Die Mordpistole vom Typ "Ceska" stammt beweisbar aus der Schweiz.

Das letzte Opfer der NSU-Terroristen: Polizistin Michéle Kiesewetter.
Das letzte Opfer der NSU-Terroristen: Polizistin Michéle Kiesewetter.  © DPA

3) Warum änderten Mundlos und Böhnhardt für ihren letzten Mord das Motiv?

Der letzte Mord war der an der Heilbronner Polizistin Michéle Kiesewetter im Jahr 2007. Einen plausiblen Grund für den Wechsel des Mordmotivs nennt die Anklage nicht. Bis dahin waren alle Opfer Gewerbetreibende mit türkischen oder griechischen Wurzeln. Beate Zschäpe hat in ihren Einlassungen einen Grund für den Kiesewetter-Mord genannt: Es sei Mundlos und Böhnhardt nur um die Waffen der Polizistin und deren Kollegen gegangen.

4) Gehörten noch mehr Leute zum "Nationalsozialistischen Untergrund" als die drei, die die Bundesanwaltschaft dafür hält - Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe?

Beim Bundeskriminalamt gibt es Ermittler, die diese Frage für sich bejahen. Man sei auf Hinweise gestoßen, dass Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe Teil einer deutlich größeren Gruppe gewesen seien. Die Bundesanwaltschaft bleibt dagegen bei ihrer Überzeugung vom abgeschotteten Trio.

Das Urteil wird die kommenden Tage verkündet, aber Frieden wird es den Familien der Opfer wahrscheinlich nicht bringen.

Titelfoto: DPA


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