Kemmerich-Wahl in Thüringen belastet Jamaika-Koalition im Norden

Kiel - Die Wahl des Politikers Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten in Thüringen mit den Stimmen der AfD belastet auch die Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein.

Thomas Kemmerich ist der neue Ministerpräsident in Thüringen.
Thomas Kemmerich ist der neue Ministerpräsident in Thüringen.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Die Situation sei am Mittwochnachmittag sehr angespannt gewesen, sagte der Grünen-Landesvorsitzende Steffen Regis am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Äußerungen einiger FDP-Politiker aus dem Norden seien zunächst sehr indifferent gewesen.

"Wir werden die Lage in der Koalition heute gemeinsam bewerten."

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Am späten Nachmittag wird sich der Koalitionsausschuss mit dem Thema befassen.

Äußerungen von FDP-Politikern hätten der Zusammenarbeit in der Koalition einen Dämpfer gegeben, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Eka von Kalben der dpa.

"Die Fraktion war gestern sehr geschockt."

Die Kritik der Grünen bezog sich besonders auf Äußerungen des FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki und des Landtagsabgeordneten Kay Richert.

Spitze der Nord-FDP fordert Kemmerich-Rücktritt

Ann-Kathrin Tranziska und Steffen Regis sind die amtierenden Landesvorsitzenden der Grünen in Schleswig-Holstein.
Ann-Kathrin Tranziska und Steffen Regis sind die amtierenden Landesvorsitzenden der Grünen in Schleswig-Holstein.  © Carsten Rehder/dpa

Kubicki hatte die Wahl Kemmerichs in Erfurt als großen Erfolg bewertet. "Ein Kandidat der demokratischen Mitte hat gesiegt", sagte er.

"Eine gute Wahl!", kommentierte Richert auf Facebook. "Es ist ein Lichtblick, dass die FDP weder Rot-Grün-Rot noch AfD als gottgegeben hingenommen hat."

Die Grünen-Landesvorsitzenden Regis und Ann-Kathrin Tranziska zeigten sich am Mittwochabend schockiert. "Wir sind entsetzt über die völlig unzulänglichen Äußerungen der FDP in Bund und Land", erklärten sie.

Die Spitze der Nord-FDP hatte sich im Laufe des Mittwochs offenkundig auf Druck der Grünen zunehmend vom Weg der Liberalen in Thüringen distanziert.

Schließlich forderte sie am Abend Kemmerichs Rücktritt. "Die FDP lehnt jegliche Kooperation mit der AfD ab", teilten Landesvorstand und Fraktion am Mittwochabend mit.

"Die FDP Schleswig-Holstein fordert daher von Thomas Kemmerich den sofortigen Rücktritt und Neuwahlen in Thüringen." Ein liberaler Ministerpräsident dürfe "nicht von den Stimmen einer rechtsradikalen Partei abhängig sein".

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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