Nach Polit-Beben in Thüringen: So reagieren Boris Palmer und Stefan Räpple

Stuttgart/Tübingen - Nach der Wahl von Thomas Kemmerich (54, FDP) zum neuen Ministerpräsidenten von Thüringen, bebt das politische Deutschland weiter. Grund: Der 54-Jährige war mit den Stimmen der AfD gewählt worden. Landauf und landab herrscht Empörung.

Eine Frage reichte Palmer auf Facebook schon aus, um für Diskussion zu sorgen.
Eine Frage reichte Palmer auf Facebook schon aus, um für Diskussion zu sorgen.  © Christoph Soeder/dpa

Auch Deutschlands bekanntester Oberbürgermeister, Boris Palmer (47, Grüne), und der gerne lautstark auftretende AfD-Politiker Stefan Räpple (38) haben sich zum Ergebnis der Wahl in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet.

Palmer, sonst durchaus auch mal mit langen Postings zu diversen Themen am Start, hielt sich in seinem Facebook-Beitrag bemerkenswert kurz. Auf einem hochgeladenen Bild fragte er schlicht: "@Thüringen Wozu braucht man die FDP?" Der Grüne überließ vor allem seinen Anhängern das Wort. Und die antworteten zahlreich auf seine gestellte Frage.

"Für die Demokratie", schrieb ein User unter den Post. Ein anderer war da deutlich kritischer: "Zum Grüßaugust-Stellen... und zum AfD etablieren?"

Ein weiterer Nutzer schrieb mit Blick auf die abgelöste Regierung des bisherigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (63, Linke): "Zum Beispiel dazu, eine linksradikale Landesregierung unter Führung der SED zu verhindern".

In die entgegengesetzte Richtung antwortete wiederum ein anderer User auf Palmers Frage: "Damit Braunes wieder hoffähig wird...". Keck fragte ein Kommentareschreiber Tübingens Stadtoberhaupt: "Wozu braucht man die Grünen?"

"Endlich stellt die AfD auch mal einen Ministerpräsidenten"

Thüringer Landtag: Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow (rechts) knallt Thomas Kemmerich die Blumen vor die Füße. Der steht da wie bestellt und nicht abgeholt.
Thüringer Landtag: Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow (rechts) knallt Thomas Kemmerich die Blumen vor die Füße. Der steht da wie bestellt und nicht abgeholt.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Beim Blick auf die bis dato über 700 Kommentare wird schnell klar: Palmer musste gar nicht viel Text schreiben. Seine Eingangsfrage reichte schon, um eine gepfefferte Streitdebatte unter dem Beitrag loszutreten.

So meinte etwa ein Nutzer sarkastisch: "Endlich stellt die AfD auch mal einen Ministerpräsidenten. Glückwunsch an die 'Konservativen', willkommen 20er Jahre. Welches Jahrhundert haben wir nochmal?"

Ganz anders schallte es aus einem weiteren Kommentar. Der Schreiber zeigte sich ob der Empörung des politischen Deutschlands überzeugt: "Heuchelei. Wenn nun die AfD Ramelow gewählt hätte, hätte er dann die Wahl nicht angenommen, weil er mit den Stimmen der AfD gewählt worden ist?"

In die selbe Kerbe schlug denn auch ein weiterer User: "SED-Kommunisten und Honeckers Erben sind in den Augen der Grünen kein Problem, aber wehe die FDP wird in geheimer, demokratischer Wahl gewählt. Ein Affront gegen die Gleichschaltungsideologie der Bessermenschen."

Boris Palmer hielt sich angesichts der Kommentarflut überwiegend zurück. Nur auf relativ wenige Antworten ging er ein. Zum Beispiel auf diese hier: "Ich als Thüringer bin stolz, die FDP gewählt zu haben, die jetzt den Ministerpräsidenten stellt. Das ist besser als ein MP der ehemaligen SED."

Da konnte sich der Grüne eine Spitze nicht verkneifen: "Wird aber keine vier Wochen halten, Ihr Stolz." Womit Palmer auf die Forderungen nach Neuwahlen in Thüringen anspielen dürfte, die seit Mittwoch die Runde machen.

Räpple: "Mitglied der Mauermörderpartei nicht gewählt"

Stefan Räpple teilte auf Facebook in gewohnter Manier aus.
Stefan Räpple teilte auf Facebook in gewohnter Manier aus.  © Marijan Murat/dpa

Anders als Grünen-Politiker Palmer schrieb AfD-Rechtsaußen Stefan Räpple ausführlich, was er vom Ausgang der Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen hält.

Auf seiner Facebook-Seite teilte er ein Video, aufgenommen im Thüringer Landtag. Die kurze Szene ist seit gestern überall verbreitet worden: Sie zeigt Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow (42), wie sie Neu-Ministerpräsident Kemmerich den Glückwunsch-Blumenstrauß vor die Füße knallt.

Dazu schrieb der 38-Jährige: "Bezeichnend, wie sich plötzlich die ach so 'neutralen' deutschen Medien, privat und öffentlich-rechtlich, auf die Seite von rot-roten Linksextremisten schlagen."

Weiter ging es in gewohnter, wenig zurückhaltender Art: "Ein Mitglied der Mauermörderpartei wurde nicht gewählt! Dies ist eigentlich ein Grund zur Freude und man tut jetzt so, als würde die Welt untergehen."

Zumal man jetzt die wahre, antidemokratische Gesinningung sehe, "wenn die Linken dem neuen MP den Vereidigungs-Blumenstrauß unwürdigst vor die Füße werfen".

Dank an Björn Höcke

Ein User bedankte sich beim Thüringer Fraktions-Chef Björn Höcke.
Ein User bedankte sich beim Thüringer Fraktions-Chef Björn Höcke.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Bei seinen Anhängern traf er damit offenbar genau den richtigen Ton. "Heute sind die Masken der Altparteien endgültig gefallen... wählen, bis das Ergebnis passt", kommentierte ein Nutzer. Und schob hinterher: "Dank an Björn Höcke und die Thüringer AfD, genialer Schachzug!"

Ein anderer User lobte die Freidemokraten: "Man mag der FDP zu Recht seit Jahrzehnten Opportunismus und Profillosigkeit vorwerfen, aber so weit herabgesunken, dass sie auch noch mit den SED-Nachfolgern ins koalitionäre Lotterbett steigen würde, ist sie dann doch noch nicht."

Die scheidende Thüringer Regierung nahm schließlich ein weiterer Nutzer ins Visier: "Genosse Ramelow wollte trotz der Abwahl seiner rot-rot-grünen Landesregierung in Thüringen einfach weiter regieren." Dieses undemokratische Manöver sei im Erfurter Landtag gestoppt worden. "Weinkenner wissen: einen guten Roten erkennt man an seinem Abgang."

Doch Räpple konnte das Beben von Thüringen schließlich sogar noch mit seinem Leib-und-Magenthema, den Öffentlich-Rechtlichen und dem Rundfunkbeitrag, verknüpfen. Der Grund: eine Äußerung von "Monitor"-Redaktionsleiter Georg Restle (55).

Nach dem Ausgang in Erfurt hatte der geschrieben: "Nichts gelernt: 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, 75 Jahre nach dem Ende von Faschismus und nationalsozialistischer Schreckensherrschaft: 'Bürgerliche' Parteien paktieren in Thüringen wieder offen mit Rechtsextremisten. Das ist mehr als nur ein Tabubruch."

Räpples Kommentar dazu: "Wird Zeit, dass man dieser unsäglichen Staatspropaganda endlich den Stecker zieht. Diese zwangsfinanzierte Hetze ist unerträglich!"

Update: 14 Uhr

Kemmerich will sein Amt aufgeben

Einen Tag nach der Wahl zum Ministerpräsidenten will Thomas Kemmerich sein Amt aufgeben. Das teilte die Thüringer FDP-Fraktion auf Twitter mit.

Die FDP-Fraktion habe beschlossen, zu diesem Zweck die Auflösung des Landtags zu beantragen, hieß es weiter. "Damit sollen Neuwahlen herbeigeführt werden. Kemmerich will damit den Makel der Unterstützung durch die AfD vom Amt des MP nehmen."

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