Englisch zu schlecht? Polizei lässt verbotene Nazi-Songs durchgehen

Meist verschweigen die Veranstalter die verbotenen Lieder einfach bei der Anmeldung.
Meist verschweigen die Veranstalter die verbotenen Lieder einfach bei der Anmeldung.

Leinefelde - Hunderte Rechte versammelten sich Anfang Mai in der thüringischen Kleinstadt. Der Grund? Die Schweizer Band "Amok" spielte auf. Eines von 50 Nazi-Konzerten, die jährlich in Thüringen gespielt werden.

Abgeschirmt war die Veranstaltung von der Polizei. Eigentlich sollten die Beamten dort einschreiten, sobald verbotene Lieder gespielt werden. Das hätte zum sofortigen Abbruch des Konzerts geführt - Hätte. Denn die Band spielte "Tomorrow belongs to me" von "Skrewdriver" (der Band des verstorbenen Blood-and-Honour-Gründers Ian Stuart Donalds), wie der MDR berichtete, doch die Polizisten bemerkten es nicht.

Wie auch? Die Lyrics des englischsprachigen Songs wurden von den Beamten nicht so recht verstanden. Außerdem stand das Lied, das auf dem Index steht, nicht auf der vorher eingereichten Liste.

Ein Einzelfall? Sicher nicht. Schon lange fragt sich die Linken-Abgeordnete Katharina König-Preuss, warum es nicht so etwas wie Nazi-Shazam gäbe, wie sie dem Magazin Vice erzählte.

Shazam ist eine App, die Songs erkennt, wenn man sein Smartphone an die Box hält. Das könnte doch auch für die Erkennung rechtsextremer, verbotener Lieder gehen, hat sich die Sprecherin für Antifaschismus gedacht.

Rechtsextreme bei einer Demo in Erfurt.
Rechtsextreme bei einer Demo in Erfurt.

"Thüringen ist Rechtsrock-Land Nummer eins", klagt sie. Und die Beamten haben es oft nicht leicht. Denn wer kennt schon alle Lieder, die inhaltlich so grenzwertig sind, dass sie verboten wurden.

"Man kann von keinem Beamten verlangen, dass sie alle Neonazi-Lieder auswendig können, erst recht nicht auf Russisch, Ungarisch oder Schweizerdeutsch", so König-Preuss im Interview.

Eine App würde das Problem lösen und die Idee ist keineswegs neu: Bereits 2013 stellte Sachsen einen Antrag für die moderne Ermittlungsmethode "Nazi-Shazam". Seitdem wird das geprüft. Seit vier Jahren.

"Was kann so eine App schon kosten? 50.000, 100.000 Euro vielleicht?", fragt die Politikerin. Doch wahrscheinlich liegt das Problem mal wieder bei den bürokratischen Hürden. Ohne Verdacht dürfen Beamte keine Tonaufnahmen machen, die Daten müssten intern bleiben, die App nur auf Diensthandys installiert werden, alle Beweise gerichtsfest sein.

Am 25. Juli 2017 werden Tausende Rechte nach Thüringen, aufs Konzert "Rock gegen Überfremdung" strömen. Preuss erwartet, dass wieder verbotene Lieder gespielt werden und die Beamten das nicht erkennen.

"Wir würden Nazi-Shazam auf jeden Fall begrüßen, das würde uns die Arbeit sehr erleichtern", so der Leiter der Polizeigewerkschaft in Thüringen. Er sieht jedoch noch ein weiteres Problem: Die Beamten seien mit alten Nokia-Mobiltelefonen ausgestattet, bräuchten erstmal moderne Smartphones für den Dienst.

Bis die Lieder also erkannt werden können, ist es noch ein langer Weg.


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