Nach Absage von Lieberknecht: Parteien streiten sich in Thüringen um Neuwahlen

Erfurt - Nach dem gescheiterten Versuch der Bildung einer Übergangsregierung unter Ex-CDU-Regierungschefin Christine Lieberknecht ringen die Parteien in Thüringen weiter um einen Ausweg aus der Regierungskrise.

Hinter verschlossenen Türen soll am Freitag weiter diskutiert werden. Eine Entscheidung soll möglichst bis Ende der Woche getroffen werden.
Hinter verschlossenen Türen soll am Freitag weiter diskutiert werden. Eine Entscheidung soll möglichst bis Ende der Woche getroffen werden.  © Michael Reichel/dpa

Unter Linken, SPD, Grünen und CDU ist vor allem der Zeitpunkt einer Neuwahl strittig. Beratungen der vier Parteien am Mittwochabend blieben ohne Ergebnis. Eine erneute Besprechung ist erst am Freitag geplant. Dann sollen möglichst Entscheidungen getroffen werden, erklärten Vertreter von SPD und Grünen.

Das Bundesland ist derzeit ohne Kabinett - es gibt nur den geschäftsführenden FDP-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich, dessen Wahl auch mit AfD-Stimmen auf massive Kritik gestoßen war.

Der Vize-Landesvorsitzende der Linken, Steffen Dittes, sagte am Abend in Erfurt mit Blick auf ein Neuwahl-Datum, es würden derzeit verschiedene Varianten diskutiert, die von einem Termin vor der parlamentarischen Sommerpause bis zu einer Neuwahl erst 2021 oder 2022 reichten. Je später der Wahltermin liege, um so größer müsste die Verbindlichkeit der Vereinbarungen sein, sagte Dittes.

Nach seinen Angaben wurde auch darüber gesprochen, wie eine Ministerpräsidentenwahl von Bodo Ramelow (Linke) ermöglicht werden könnte. Linke, SPD und Grüne, die eine Minderheitsregierung tragen könnten, fehlen dafür vier Stimmen im Landtag. CDU-Vize Mario Voigt ließ offen, ob es für eine Ramelow-Wahl Stimmen seiner Partei geben könnte.

Rot-Rot-Grün braucht Unterstützung von CDU für Neuwahlen

Mario Voigt (li.) und Raymond Walk von der CDU sind bei den Verhandlungen mit dabei.
Mario Voigt (li.) und Raymond Walk von der CDU sind bei den Verhandlungen mit dabei.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Nach Angaben von Dittes ist eine Paketlösung vorstellbar, die nicht nur die Ministerpräsidentenwahl, sondern auch Neuwahlen sowie die Erarbeitung eines Landeshaushalts für 2021 enthalten könnte.

Zuvor hatte Lieberknecht ihre Bereitschaft zurückgezogen, einer Übergangsregierung mit einigen wenigen Ministern aus dem rot-rot-grünen Lager vorzustehen. Sie begründete dies mit den unterschiedlichen Vorstellungen der vier Parteien zum Zeitpunkt einer Neuwahl. Sie riet der CDU zur Kooperation mit der Linken - und damit zum Bruch mit einem Parteitagsbeschluss, der dies untersagt.

Die Vorsitzende der Linken-Fraktion im thüringischen Landtag, Susanne Hennig-Wellsow, forderte die CDU auf, den Weg für eine zügige Neuwahl frei zu machen oder Ramelow aktiv zu unterstützen.

Für eine Neuwahl ist im Thüringer Landtag eine Zwei-Drittel-Mehrheit der 90 Abgeordneten nötig. Linke, SPD und Grüne kommen zusammen nur auf 42 Sitze im Parlament. Gebraucht wird damit die Unterstützung der CDU mit ihren 21 Sitzen. Nach dem Debakel um die Wahl Kemmerichs hat die Linke laut Umfragen in der Wählergunst deutlich zugelegt, die CDU und FDP sind dagegen abgesackt.

Titelfoto: Michael Reichel/dpa

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