Ticket-Skandal am Sachsenring?

Rassige Rennen auf heißem Asphalt - im Juli traf sich die MotoGP-Elite auf dem Sachsenring.
Rassige Rennen auf heißem Asphalt - im Juli traf sich die MotoGP-Elite auf dem Sachsenring.

Von Andre Rydzik und Alexander Bischoff

Dresden - Dienstliche Notwendigkeit oder Vorteilsnahme im Amt?

Die Ausflüge zweier Polizeipräsidenten - teils mit weiblicher Begleitung - als VIP-Gäste zum Motorrad Grand Prix am Sachsenring und die Weitergabe von Ehrenkarten an Dritte sorgen für Wirbel in der Landespolitik.

Nach Morgenpost-Recherchen zum Fall stellten Uwe Reißmann (57, Polizeidirektion Chemnitz) und Johannes Heinisch (58, Zwickau) Selbstanzeige.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Beste Sicht auf die Rennstrecke, Zugang zum Fahrerlager, exklusives Catering, kostenlose Drinks und nette Hostessen - wer zur MotoGP die Annehmlichkeiten des VIP-Bereichs genießen will, muss dafür ordentlich Geld hinblättern.

Ab 500 Euro aufwärts kosten die VIP-Tickets und Arrangements, die auch bei den Rennen auf dem Sachsenring angeboten werden.

Wie aus Unterlagen der linken Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (47) hervorgeht, sollen die Polizeipräsidenten Reißmann und Heinisch mehrere Jahre diese Privilegien teilweise sogar gemeinsam mit Lebensgefährtin beziehungsweise Frau genossen haben.

Und zwar auf Kosten der Veranstalter!

In einer Anfrage an die Staatsregierung möchte die Politikerin nun Aufklärung erfahren. Vor allem darüber, ob die VIP-Sausen vom Dienstrecht gedeckt sind - oder den Tatbestand der Vorteilsnahme im Amt erfüllen.

Auf Morgenpost-Anfrage gab Polizeipräsident Reißmann an, dass ihm von 2005 bis 2012 als Chef der Direktion Chemnitz-Erzgebirge „spezielle Karten“ für zwei Personen zur Verfügung standen. Für 2013 habe er auch VIP-Tickets bekommen, diese aber nicht genutzt.

„Es gehört zur Aufgabe und Funktion eines Behördenleiters, sich ab und an bei den Ehrengästen sehen zu lassen, repräsentativ tätig zu sein, aber auch die durch das Amt auferlegten Tätigkeiten wahrzunehmen“, begründet Reißmann die dienstliche Notwendigkeit der teils in Damenbegleitung vorgenommenen VIP-Ausflüge.

Der Zwickauer Präsident gibt auf Morgenpost-Anfrage über seinen Pressesprecher an, 2013 mit seiner Frau auf Einladung der Veranstalter den Grand Prix als VIP besucht zu haben. In diesem Jahr sei er ohne Begleitung auf dem Sachsenring gewesen.

„Die VIP-Tickets gewähren insbesondere die erforderlichen Zugangsberechtigungen für die einzelnen Bereiche der Veranstaltung, einschließlich sensibler Sicherheitsbereiche“, heißt es in Heinischs Begründung.

Klingt irre, ist aber Realität auf dem Sachsenring: „Die Polizei in Uniform braucht tatsächlich spezielle Eintrittskarten, um in alle Bereiche zu kommen“, erklärt Innenstaatssekretär Dr. Michael Wilhelm (59) auf Morgenpost-Anfrage.

Dass die Präsidenten ihre Damen dabei hatten, hält der derzeitige Urlaubs-Vertreter von Innenminister Markus Ulbig (50, CDU) für „sozialadäquat“. Allerdings: Im Zuge der Morgenpost-Recherche kam auch zutage, dass Reißmann und Heinisch ihre Ehrenkarten offenbar auch an Dritte weitergaben.

Polizeiintern ist die davon Rede, dass befreundete Kollegen unter anderem aus Tschechien und Australien davon profitiert haben sollen. Ein hochrangiger Beamter aus der Polizeidirektion Zwickau soll dies den internen Ermittlern bereits bestätigt haben.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe zeigten sich Heinisch und Reißmann selbst an.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Dresden, ob sich die Polizeipräsidenten der Vorteilsnahme im Amt oder gar der Untreue schuldig gemacht haben.

Am Donnerstag und Freitag sollen beide vernommen werden. „Ich habe größten Respekt, dass die Beamten die Sache mit einer Selbstanzeige sauber klären wollen“, erklärte Staatssekretär Wilhelm.

Nach der Moto-WM gibt es jetzt mächtig Wirbel


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