Tier-Drama in Leipzig: Hund bei Gluthitze ausgesetzt

Von Anke Brod

Leipzig - Leipzig schreibt am 25. Juli mit knapp 36 Grad Celsius den bisherigen Hitzerekord. Genau an diesem Tag wartet hinter dem Kohlrabizirkus ein grauer Hund schier endlose vier Stunden, angebunden an einen Metallzaun, auf sein Herrchen. Doch der kommt nicht mehr - Ausgesetzt! Wenigstens zwei Blechnäpfe stehen an der wenig benutzten Schlippe noch für ihn da, der eine mit Wasser, der andere mit Trockenfutter gefüllt.

Die Hündin lag quer auf dem Schotterweg, neben ihr immerhin ein Wasser- und Futternapf.
Die Hündin lag quer auf dem Schotterweg, neben ihr immerhin ein Wasser- und Futternapf.  © privat

"Ich kam hier mit dem Rad von der Arbeit entlang, etwa um 18.30 Uhr, da sah ich ihn auf dem Schotterweg liegen", schildert die Leipzigerin Nicole D.* ihren erschreckenden Fund. "Ich traf einen Mann aus der benachbarten Gartenanlage, dem war das Tier schon gegen16 Uhr aufgefallen".

Jener Pflanzenfreund verständigte dann das Veterinäramt. Gegen 20.30 Uhr holten ihn schließlich Mitarbeiter ab und fuhren ihn ins städtische Tierheim Breitenfeld.

Finderin Nicole D.: "Ich tröstete und beruhigte den armen Hund immer wieder und blieb die ganze Zeit bei ihm. Bei jedem Schritt schaute er auf den Weg, wer da wohl käme. Ich hatte große Angst, dass er bei den hohen Temperaturen noch in Panik verfallen und einen Hitzschlag erleiden könnte."

Was Herrchen oder Frauchen letztlich dazu trieb, das geliebte Haustier im Schatten des Kohlrabizirkus und sogar nur einen Steinwurf von den Tierkliniken entfernt einem ungewissen Schicksal auszusetzen, weiß sonst wohl niemand.

Offenbar auch Katze im Stötteritzer Wäldchen "entsorgt"

Finderin Nicole D.* zeigt auf die Stelle, an der sie den Hund am 25. Juli gefunden hatte.
Finderin Nicole D.* zeigt auf die Stelle, an der sie den Hund am 25. Juli gefunden hatte.  © Anke Brod

Vielleicht geschah es in persönlicher Not.

Möglicherweise war der Hund aber auch krank, und der Besitzer befürchtete hohe Tierarztkosten. Doch würde man ihn in Hoffnung auf Fremdhilfe auf einem einsamen Pfad aussetzen?

Wie auch immer, es hätte sicherlich eine bessere Lösung gegeben. Etwa, wenn sein Halter eine Tierschutzorganisation um Hilfe gebeten hätte. Was hier mit einem hilflosen Lebewesen geschah, ist kein Kavaliersdelikt und stellt eine Straftat dar.

Ebenfalls im Juli hatte übrigens eine Radfahrerin im Stötteritzer Wäldchen wenige Meter neben der Pommernstraße eine pinkfarbene Tiertransportbox entdeckt. Vermutlich hat man hier eine Katze "entsorgt". Die arme Seele wurde bis heute nicht gefunden.

Wird der Halter des Hundes ermittelt, droht diesem eine Anzeige samt saftiger Strafe: Nach dem Tierschutzgesetz muss jeder, der ein Tier vorsätzlich oder fahrlässig aussetzt oder zurücklässt, mit einer Geldbuße von bis zu 25. 000 Euro rechnen.

*Name von der Redaktion geändert

Hinter dem Kohlrabizirkus wurde das Tier auf einem Schotterweg gefunden.
Hinter dem Kohlrabizirkus wurde das Tier auf einem Schotterweg gefunden.  © Anke Brod
Im Schatten des Kohlrabizirkus' wurde die Hündin ausgesetzt.
Im Schatten des Kohlrabizirkus' wurde die Hündin ausgesetzt.  © Anke Brod

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