Wir sind dann bald weg! Jede dritte Art in Sachsen gefährdet

Von Antje Meier

Sachsen - Schätzungsweise 36.000 bis 40.000 Arten leben in Sachsen. Doch wie lange noch? Ein Drittel, also über 12.000 der heimischen Arten, stehen auf der Roten Liste, gelten als gefährdet oder sind sogar vom Aussterben bedroht. Schuld ist meist der Mensch! Dank intensiver Landwirtschaft, falscher Waldbewirtschaftung und Verschmutzung der Gewässer nehmen wir unseren Tieren und Pflanzen ihre Lebensgrundlage. Wird Sachsen so bald zur Artenwüste? Diese Tier- und Pflanzenarten sind bedroht:

Feldhamster

Der Feldhamster ist in Sachsen – so wie in ganz Europa – massiv vom Aussterben bedroht. Einzig bei Delitzsch und Zittau sind noch größere Populationen der niedlichen Nager anzutreffen. Schuld daran ist die intensive Landwirtschaft, die dem putzigen Nager Nahrung und Lebensraum nimmt. Und so könnten auch nur die Landwirte selbst Retter in der Not sein, indem sie Getreidestreifen stehen lassen. Das freut nicht nur den Feldhamster ...

Wolf

Über Jahrhunderte hinweg wurde der Wolf vom Menschen gejagt. Der letzte deutsche Wolf wurde 1845 bei Trebendorf getötet. Erst mit der Wiedervereinigung 1990 wurde der Wolf auch in Deutschland unter Schutz gestellt. 1996 kehrten dann die ersten Wölfe nach Sachsen zurück. Inzwischen leben wieder zehn Wolfsrudel auf sächsischem Gebiet. Doch die Gefahr für Isegrim ist damit längst nicht gebannt.

Steinkauz

Es steht dramatisch um den Steinkauz! Von ehemals 60 bis 80 Brutpaaren sind wohl nur noch weniger als zehn Brutpaare in Sachsen übrig geblieben. Grund für das Verschwinden ist die Zerstörung seines Lebensraumes. So werden immer mehr Obstgärten und Streuobstwiesen dem Erdboden gleich gemacht und seine Nistplätze wie alte Kopfweiden gefällt. Weiteres Problem: Der Steinkauz ist standorttreu, zieht also nicht weiter.

Birkhuhn

Auch das scheue Birkhuhn hat es in Sachsen nicht leicht. Ehemals vom Tiefland bis zu den Mittelgebirgen verbreitet, finden sich nur noch 40 bis 60 Tiere in den Kammlagen des Erzgebirges und in der Muskauer Heide. Der Hühnervogel ist in seiner Lebensweise vor allem durch die intensive forst- und landwirtschaftliche Nutzung sowie die Zerschneidung von Waldgebieten gefährdet.

Flussperlmuschel

Wegen ihrer Fähigkeit, Perlen zu bilden, gehört die Flussperlmuschel zu den bekanntesten wirbellosen Tieren. Die letzten sächsischen Perlmuschelgewässer liegen im Vogtland. Rund Tausend Altmuscheln gibt es noch. Um den Bestand zu erhöhen, wurden Schutzgebiete eingerichtet, die Gewässerqualität verbessert und Jungmuscheln ausgewildert.

Weiß-Tanne

Die Weiß-Tanne ist die einzige heimische Tanne überhaupt. Einst bestanden unsere Wälder zu einem Drittel aus ihr. Doch bis zur Wende gab es nur noch etwa 2000 Bäume in Sachsen. Grund für den starken Rückgang waren Immissionsbelastungen, der gestiegene Holzbedarf und der überwiegende Anbau von Monokulturen. Doch wir können hoffen! Allein bis 2010 wurden 5,6 Millionen Jungtannen gepflanzt - und der Waldumbau geht weiter.

Rapunzel-Glockenblume

Glockenblumen stehen zahlreich auf unseren Wiesen. Doch die Rapunzel-Glockenblume wird man kaum noch finden. Denn sie ist selten wie nie. So rechnen langfristige Trendprognosen mit einem Schwund von mehr als 90 Prozent. Positiv: Im Rest von Deutschland gilt die Art derzeit noch in ihrem Vorkommen als ungefährdet.

Diese Arten haben sich erholt

Fischotter- und Wasseramsel vermehren sich wieder in Sachsen.
Fischotter- und Wasseramsel vermehren sich wieder in Sachsen.

Tausende Arten in Sachsen kämpfen um ihr Überleben. Und dieser Kampf ist nicht aussichtslos, wie positive Beispiele auf der Weißen Liste des Umweltministeriums zeigen.

Zu den genesenden Arten zählt zum Beispiel der Fischotter. Um 1900 vom Sächsischen Fischerei-Verein gezielt ausgerottet, war der Schwimmmeister in Sachsen so gut wie ausgestorben. Seitdem er 1962 unter Schutz gestellt wurde, erholt sich die Population allmählich wieder. Eine Herabstufung von „vom Aussterben bedroht“ auf „stark gefährdet“ wird dadurch möglich.

Ebenfalls auf dem Weg der Besserung ist die kaum bekannte Wasseramsel. Anfang der 1980er Jahre gerade noch mit etwa 200 Brutpaaren vertreten, brüten jetzt wieder 600 bis 900 Paare an sächsischen Gewässern. Angebrachte Nisthilfen an Brücken, Ufermauern und Mühlen ersetzen ihre verloren gegangenen Nistplätze.

Für die Kleine Hufeisennase war die Abschaffung von DDT als Insektizid in der Land- und Forstwirtschaft lebensrettend. So kann der Bestand seit den 1990er-Jahren wieder aufatmen. Mit über 1000 Alttieren leben etwa 40 Prozent des deutschen Bestandes in Sachsen

Fotos: imago


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