Diese Tiere sind Launen der Natur

Hermann Swalve ist Professor für Tierzucht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Lehrbeauftragter an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig.
Hermann Swalve ist Professor für Tierzucht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Lehrbeauftragter an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Von Katrin Richter

Leipzig - Liger, Ebra, Schiege - nie gehört? Was wie eine Reihe von Tippfehlern aussieht, sind tatsächlich äußerst seltene Tiere. Nämlich „Hybride“ - Kreuzungen aus verschiedenen Arten.

Ein Dozent der Uni Leipzig kennt sich als Tierzucht-Experte bestens mit diesen seltenen Wesen bestens aus.

Die wohl bekannteste Mischung zweier Arten stammt von einem Pferd und einem Esel ab, wird entweder Maulesel oder Maultier (Muli) genannt. Bei Ersterem ist die Mutter ein Esel und der Vater das Pferd, beim Maultier ist es genau umgekehrt.

„Kreuzungen wie zwischen Tiger und Löwe sind dagegen Einzelexemplare mit hohem Schauwert“, erklärt Hermann Swalve, Professor für Tierzucht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Lehrbeauftragter an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Swalve: „Als Nachkomme artverwandter Eltern verfügt ein Hybrid über einen nicht-paarigen Chromosomensatz. Damit sind sie nicht fortpflanzungsunfähig.“

In freier Wildbahn gäbe es solche Zwitterwesen nicht.

Ausnahme: Weil durch den Klimawandel Grizzly- und Braunbären weiter nach Norden dringen, hat es im arktischen Teil Kanadas schon erste Paarungen mit Eisbären gegeben.

Bei den meisten anderen Hybrid-Geburten stand dagegen der Mensch Pate.

Zorse

„Eclyse“ ist der lebende Beweis für eine Liaison zwischen einem Pferde-Hengst und einer Zebra-Stute.

Das weiße Zebra-Pferd mit den beiden großen „Tigerflecken“ an Hals und Kruppe lebt seit 2007 quietschfidel im Safaripark Stukenbrock in Nordrhein-Westfalen.

Ebra

Der Papa ist ein Esel, die Mama ein Zebra – im Tierpark Jaderberg gibt es seit September 2014 ein Ebra. Da Esel und Zebra zu den pferdeartigen Tieren gehören, können sie zusammen Nachwuchs zeugen.

An den Beinen hat der junge Hengst zarte Streifen, der Rest kommt eher nach dem Vater.

Liger

Kommt ein liebestoller Löwe mit einer rolligen Tigerin zusammen, kann unter bestimmten Umständen ein Liger daraus werden. Sie gelten als die größten Raubkatzen. In freier Wildbahn gibt es solche Kreuzungen nicht, da die beiden Arten unterschiedliche Lebensräume haben.

Vor drei Jahren sorgten Liger-Babys in einem taiwanesischen Zoo für Aufsehen.

Cappuccinobär

Im Zoo Osnabrück staunte man nicht schlecht, als sich 2004 verschiedene Bärenarten miteinander verpaarten. Im Falle von Tips und Taps war der Vater Eisbär und die Mutter Braunbärin. Mittlerweile haben Forscher in der Nähe des Nordpols ähnliche Kreuzungen identifiziert.

Hintergrund ist vermutlich, dass sich die Lebensräume von Polar- und Braunbär zunehmend überschneiden. Mehr Infos unter: www.klimatopia-os.de

Maultier

Das Maultier ist die Kreuzung aus einer Pferdestute und einem Eselhengst. Die umgekehrte Kreuzung wird Maulesel genannt. Mit der Züchtung will man die positiven Eigenschaften beider Tiere vereinen:

Ein Maultier ist kräftig und geradlinig wie ein Pferd, dafür aber weniger scheu und belastbar wie ein Esel.

Cama

Was aussieht wie Disney’s Bambi, ist in Wirklichkeit ein Cama - eine Kreuzung aus Kamel und Lama. Gezüchtet wurde es im Kamel-Fortpflanzungszentrum in Dubai. In der Natur wäre eine solche geburt ausgeschlossen:

Lamas gibt es nur in Südamerika, Kamele in Afrika, Asien und Australien.

Labradoodle

Dieser Hybrid ist aus einer Kreuzung zwischen Labrador Retriever und Großpudel entstanden. Hunde wie der Labradoodle liegen bei Promis voll im Trend.

Derzeit versuchen Züchter diese Hybridart weiterzuzüchten und auf dieser Basis eine eigenständige Rasse zu entwickeln.

Fotos: Tier- Und Freizeitpark Jaderberg, imago, PR, Abaca, Zoo Osnabrück, Safaripark


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