Winter deutlich zu mild: Wissenschaftler befürchten Folgen für Insekten und Allergiker

München - Der Winter war bisher recht mild. Einem Sprecher des Deutschen Wetterdienst zufolge war er sogar "deutlich zu mild".

Bienen könnten durch den milden Winter große Probleme bekommen. (Symbolbild)
Bienen könnten durch den milden Winter große Probleme bekommen. (Symbolbild)  © 123Rf/olegdudko

Im Dezember hätten die Temperaturen drei Grad über dem langjährigen Mittel gelegen, im Januar bisher dreieinhalb Grad. Auf Insekten und Umwelt wirkt sich das unterschiedlich aus.

Borkenkäfer: "Die landläufige Meinung, dass strenge Winter Schädlinge wie Borkenkäfer dezimieren, ist nicht zutreffend", sagt Wald-Experte Ralf Straußberger vom Bund Naturschutz.

Der Borkenkäfer halte sehr viele Minusgrade aus. Für ihn sei es eher schlecht, wenn es in einem milden Winter viel regnet: Dann könnten Pilze den Schädling befallen. Gleichzeitig könnten Bäume ihre Wasservorräte wieder auffüllen und den Käfern mehr Kraft entgegensetzen.

Bleibt es jedoch trocken, nimmt der Borkenkäfer keinen Schaden und die Bäume können sich nicht erholen. Da die Bäume vom vergangenen Sommer stark vorgeschädigt seien und es damals Jahr viele Borkenkäfer gab, geht Straußberger davon aus, dass viele Wälder dieses Jahr Probleme mit dem Borkenkäfer bekommen werden.

Bienen: Ob die Bienen gut durch den Winter kommen, entscheide sich erst in den kommenden Wochen, sagt der Vorsitzende des Verbands Bayerischer Bienenzüchter, Franz Vollmaier: "Wir sind da mit gemischten Gefühlen dabei".

Bei milden Wintern könne es sein, dass die Bienen früher mit der Brut beginnen - und das koste Energie. Wird es aber im Frühjahr wie so häufig noch einmal kalt, sehe es für viele Völker schlecht aus. Sie hätten dann keine Kraft mehr.

Pollen: Bei einem milden Winter könnten früher als gewöhnlich Pollen fliegen, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landesamts für Gesundheit. Wenn es nicht so kalt ist, könnten Hasel- und Erlenpollen zum Beispiel bereits im Dezember fliegen.

Tatsächlich seien diese Pollen bereits vereinzelt gemessen worden. Sollten die Temperaturen aber noch einmal sinken, würden zu wenige Pollen fliegen, um allergische Beschwerden auslösen zu können.

Löschen die Klimafolgen am Ende die Menschheit aus?

Der bekannteste Kriminalbiologe der Welt: Dr. Mark Benecke
Der bekannteste Kriminalbiologe der Welt: Dr. Mark Benecke  © Rolf Vennenbernd dpa/lnw

Wissenschaftler und Forscher sehen die Entwicklung des Klimas und den Einfluss auf Flora und Fauna seit Jahrzehnten mit großer Sorge.

Der weltbekannte Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke spricht sowohl in seiner Radio-Kolumne auf "Eins Live" als auch in Interviews immer wieder vom "größten Artensterben seit Millionen Jahren". Dem Magazin Vegpool sagte er im Sommer letzten Jahres: "Mir liegen die wissenschaftlichen Artikel zum Pflanzen- und Tier-Artensterben (das größte seit Millionen Jahren), zur Anzahl der Menschen auf der Erde, zum steigenden CO2-Ausstoß und zum Tier-, Land- und Wasser-Verbrauch vor."

Immer mehr Menschen, immer höhere CO2-Emissionen, immer mehr Verbrauch von Ressourcen würden die Menschheit immer schneller an den Rand der eigenen Auslöschung bringen. "Das sind Messungen, keine Meinungen."

Tatsächlich sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache, wie das Team um Dr. Sebastian Seibold von der TU München laut der Plattform "Deutsche Welle" analysiert hatte. Im Zeitraum von zehn Jahren (2008 bis 2017) hatte das Team Fluginsekten und Gliederfüßer wie Spinnentiere oder Tausendfüßer gezählt - an 150 Standorten.

Ergebnis: In Graslandschaften habe sich der Bestand um 67 Prozent reduziert. In den Wäldern schrumpfte er um rund 40 Prozent. Dieser enorme Rückgang innerhalb eines ursprünglich ausgewogenen Ökosystems wirkt sich - Stichwort: Nahrungskette - auch auf die gesamte Flora und Fauna aus.

Dr. Benecke ist sich daher sicher: "Die Schäden, die durch Menschen entstehen, sind für unsere derzeitigen Kulturen nicht mehr aufzufangen - weder finanziell noch sozial." Die Frage sei nur, ob wir beim von ihm prognostizierten Aussterben der Menschheit von Jahren oder Jahrtausenden sprechen.

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