Mega-Zoff um Hund Aslan im Tierheim Leipzig: Vorwürfe, Hetze, Märchen

Leipzig - Die Anschuldigungen sind wieder einmal schwerwiegend, die Gegendarstellung erneut eindeutig: Zum wiederholten Male gibt es harte Kritik am Tierheim Leipzig, wieder geht es um einen Hund, wieder widerspricht Heimleiter Michael Sperlich (53) den Vorwürfen. Der Versuch einer Aufklärung.

"Extrem apathisch" wurde Aslan von einem Besucher des Tierheims vorgefunden. Auch andere Personen bestätigten diesen Eindruck.
"Extrem apathisch" wurde Aslan von einem Besucher des Tierheims vorgefunden. Auch andere Personen bestätigten diesen Eindruck.  © Facebook/Tierfreunde Zwickau und Umgebung

Die Facebook-Seite "Tierfreunde Zwickau und Umgebung" hatte dem Leipziger Tierheimleiter schon im vergangenen Sommer unprofessionelles Verhalten im Fall der Vermittlung von Hundedame Suki vorgeworfen (TAG24 berichtete). Immer wieder hagelt es Kritik und Vorwürfe gegen den Ersten Freien Tierschutzverein Leipzig und Umgebung e.V. im Stadtteil Breitenfeld.

Zum aktuellen Fall: Es geht um Aslan, einem etwa dreijährigen Mischling. Auf der Facebook-Seite der "Tierfreunde Zwickau und Umgebung" wird beschrieben, dass der Vierbeiner "extrem apathisch" wirke und kaum auf fremde Menschen reagiere. Ebenso könne man sehen, "dass er sehr gekrümt da steht, den Bauch einzieht und die Pfoten sehr vorsichtig aufsetzt. Die Haltung der Rute ist ebenfalls ungewöhnlich", heißt es.

Sarah K., die selbst eine Einstiegsqualifikation im Leipziger Tierheim absolviert hatte und anschließend nicht in ein Ausbildungsverhältnis übernommen wurde, schickte ein "schockierendes" Video von Aslan an zwei Tierärzte. "Unabhängig voneinander waren sie der Ansicht, dass er deutliche Symptome für Schmerzen und/oder psychische Probleme zeigt und daher eine tierärztliche Untersuchung ratsam wäre", erzählt die Tierarzthelferin TAG24.

Bei einem Anruf im Tierheim teilte eine Mitarbeiterin mit, dass keine gesundheitlichen Probleme bekannt seien. "Wenn also dem Tierheimpersonal keine Beschwerden bekannt sind, ist davon auszugehen, dass er auch dem Tierheim-Tierarzt nicht vorgestellt wurde", glaubt K., gleichwohl sie die routinemäßigen Erstuntersuchungen vor der Aufnahme kennt.

Das sagt Tierheimleiter Michael Sperlich

Versteht die Welt nicht mehr: Leipzigs Tierheim-Chef Michael Sperlich (53).
Versteht die Welt nicht mehr: Leipzigs Tierheim-Chef Michael Sperlich (53).  © Thomas Türpe

TAG24 fragte bei Michael Sperlich nach. "Der Hund wurde und wird - wie alle Tiere - bestens tiermedizinisch betreut", stellte der Tierheimleiter zunächst klar.

Aslan habe eine angeborene sehr steile Stellung des Beckens und deshalb stehe das Kreuzbein anatomisch anders als üblich. Eine Einschränkung habe er dadurch nicht, es gäbe keine Beschwerden und daher keine Notwendigkeit einer Behandlung. Sein Zustand sei "natürlich sofort" bei der Einweisung festgestellt und überprüft worden.

Aufgrund seiner Rasse sei der Rüde anfällig für allergische Reaktionen und bekomme daher teures, vom Tierarzt verordnetes Spezialfutter, "welches er mit Begeisterung frisst", so der 53-Jährige, der regelmäßig Morddrohungen erhält (TAG24 berichtete).

Zu der Tatsache, dass Tierärzte sich zu Aslans Gesundheitszustand anhand von Fotos und Videoaufnahmen eine Meinung bilden, sagt Sperlich: "Kein seriöser Tierarzt ist so dämlich, aufgrund eines Bildes Diagnosen zu stellen und sich dazu zu äußern." Man sei aber interessiert, diese Personen kennenzulernen und ein "vertrauensvolles Gespräch zum Thema Einhaltung der Berufsordnung in der Landestierärztekammer" zu führen. "Diese Drohung ist nur ein weiterer Beleg dafür, wie dieser Mann gegen auch nur ansatzweise kritische Stimmen vorgeht", sagt Klägerin Sarah K.

Den gesamten Facebook-Auftritt der "Tierfreunde Zwickau und Umgebung", die sich immer wieder und vorrangig mit Hunden aus dem Leipziger Heim beschäftigen, bezeichnete er als "Hetzseite", die geschilderten Gegebenheiten als ein "Märchenbuch" und eine "unendliche Geschichte".

Fotos von spielendem Aslan sollen Vorwürfe im Keim ersticken

Mit Spielzeug im Maul rennt und springt Aslan auf der Hundewiese des Tierheims umher. Michael Sperlich sieht hier keinen depressiven, schwer kranken oder bewegungsgehinderten Hund.
Mit Spielzeug im Maul rennt und springt Aslan auf der Hundewiese des Tierheims umher. Michael Sperlich sieht hier keinen depressiven, schwer kranken oder bewegungsgehinderten Hund.  © Tierheim Leipzig

Anfang der Woche schickte der Tierheimleiter aktuelle Bilder eines umhertollenden, spielenden und offensichtlich glücklichen Aslan an TAG24. Auf diesen sei ganz klar zu erkennen, "dass es sich hier um einen depressiven, schwer kranken und bewegungsgehinderten Hund handelt", sagte Sperlich ironisch.

Sarah K., die diese Fotos ebenfalls gesehen hat, freute sich über die Aufnahmen, "die mich unglaublich glücklich machen. Denn es wurde auf unsere Kritik reagiert, es geht Aslan offensichtlich deutlich besser und dafür bin ich sehr dankbar." Dies sei auch das einzige Ziel der Aktion gewesen.

Gleichzeitig stellt die Kritikerin aber auch klar: "Für mich sind diese Bilder kein Beleg dafür, dass Aslan ein schmerzfreier, gesunder Hund ist." Da diese erst mehrere Tage nach dem kritischen Post veröffentlicht wurden, sei "ausreichend Zeit für Untersuchungen, Physiotherapie und Schmerzmittel" gewesen.

Sarah K.: "Die Tierfreunde Zwickau äußern keine Kritik, weil sie Langeweile haben, von Rachedurst und persönlichen Befindlichkeiten getrieben werden oder Spaß am Märchenerzählen haben, sondern um den Tierheimtieren eine Stimme zu geben, die allgemeinen Lebensumstände zu verbessern und ihre Vermittlungschancen zu erhöhen."

Das Tierheim habe in diesem Fall bereits eine unangemeldete Kontrolle des Veterinäramts erhalten, "was mir aber herzlichst egal ist, da es hier nichts zu verbergen gibt und so wurde auch im Ergebnis dieser Prüfung (mal wieder) festgestellt, dass die Anzeige gegenstandslos ist", sagte Michael Sperlich.

Eine einhundertprozentige Aufklärung gibt es auch in Aslans Fall nicht. Die Kritik ist groß, die Stellungnahme des Tierheims eindeutig. Es wird voraussichtlich auch in Zukunft weitere Vorwürfe geben. Fortsetzung folgt (leider).

Sorgt sich um die Tiere im Tierheim Leipzig: Tierarzthelferin Sarah K.
Sorgt sich um die Tiere im Tierheim Leipzig: Tierarzthelferin Sarah K.  © privat

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