In Stuttgart sitzt ein Hund im Gerichtssaal, um Opfer zu beruhigen

Stuttgart - Opfer haben Anspruch auf professionelle Begleitung und Betreuung während Strafverfahren. In Stuttgart kann sie außerdem Hund Watson begleiten – er ist einer der ersten seiner Art.

Vor dem Landgericht Stuttgart könnte der Hund auch bald ein Opfer begleiten.
Vor dem Landgericht Stuttgart könnte der Hund auch bald ein Opfer begleiten.  © Daniel Naupold/dpa

Der speziell ausgebildete Therapiehund Watson begleitet Opfer zu ihren Aussagen vor Gericht. Er könne Menschen im Strafprozess beruhigen, erzählt Sabine Kubinski vom Verein "PräventSozial" in Stuttgart.

Etwa, indem sie Watson streicheln. Einen Einsatz am Amtsgericht Stuttgart hatte der Golden-Retriever-Rüde schon, weitere sollen folgen. Zuvor war er rund zwölf Monate zum Therapiebegleithund ausgebildet worden.

Am Dienstag (15 Uhr) will das Justizministerium Baden-Württembergs ersten Prozessbegleiter auf vier Beinen vorstellen und mehr über das Projekt erzählen.

Ein Sprecher sagte vorab, traumatisierte Zeuginnen und Zeugen fänden manchmal keinen Zugang zu ihrem menschlichen Prozessbegleiter.

Seit 2017 haben besonders schutzbedürftige Verletzte einen Anspruch auf professionelle Betreuung während des gesamten Strafverfahrens. Hunde wie Watson könnten da als Eisbrecher fungieren, um Zugang zum Begleiter herzustellen.

Update 16.30 Uhr: Die Hundeführerin des ausgebildeten Therapiebegleithunds, Sabine Kubinski, erzählte vom ersten Einsatz des dreijährigen Rüden am Amtsgericht Stuttgart: "Es war eine Zeugin mit geistiger Behinderung, Watson hat dann für sie die Situation aufgelockert", sagte die Sozialarbeiterin.

Er habe während der Vernehmung im Oktober die ganze Zeit neben der Betroffenen gelegen - wurde sie nervös, konnte sie den Hund streicheln. Seien Opfer vor Gericht beruhigter, könne das auch ihre Aussagen verbessern, sagte Kubinski.

Der Minister ist nach eigener Aussage überzeugt, dass Watson "der Justiz in Baden-Württemberg wichtige Dienste leisten kann und wird". In dem Modellprojekt solle erprobt werden, ob Hunde geeignete Unterstützer vor Gericht seien. Laut Sozialarbeiterin Kubinski ist es nun wichtig, um Verständnis für das Projekt zu werben. Sie habe schon erlebt, dass ein Gericht sich für Watson als psychologische Stütze im Saal offen gezeigt habe - die Vorsitzende Richterin dann aber nicht.

Die Hundeführerin Sabine Kubinski sitzt neben "Watson".
Die Hundeführerin Sabine Kubinski sitzt neben "Watson".  © Sebastian Gollnow/dpa
Therapiehund Watson liegt auf dem Boden.
Therapiehund Watson liegt auf dem Boden.  © Sebastian Gollnow/dpa

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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